Senator Frank Horch – Wendepunkt

Wirtschaftssenator Frank Horch Hansestyle
„Ich bin von der Stadt überzeugt – nicht nur als Heimat, sondern auch als Wirtschaftsstandort, wie es in Deutschland keinen zweiten gibt“, so Senator Frank Horch während des Treffens

Frank Horch (70) hat aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt als Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation angekündigt. Im Exklusivinterview mit HANSEstyle spricht der beliebte Politiker über eines seiner Herzensthemen – die Energiewende – und über sein Ausscheiden aus dem Amt.

In den letzten Jahrzehnten gab es grundlegende Veränderungen in der Energiepolitik. Lange Zeit wurde auf Kernenergie gesetzt, doch spätestens durch die Tragödie in Fukushima war der Bann gebrochen. Nach einer solchen Katastrophe in einem hochtechnologischen Land wie Japan konnte niemand mehr sagen, dass Kernenergie sicher ist. Das war zumindest in Deutschland der endgültige Anfang vom Ende der Kernenergie – Ende 2022 soll das Land ohne Atomenergie auskommen. 

HANSEstyle: Was bedeutet „Energiewende im Norden“?
Senator Frank Horch: Um den Energiebedarf im Anschluss an den Ausstieg aus der Kernenergie decken zu können, wird Kohleenergie als Überbrückung dienen. Doch wir sind gezwungen, neue Wege zu finden. Energiewende – das ist ein Jahrhundertprojekt. Energiewende bedeutet, dass wir die Herangehensweise in allen Belangen – aus wirtschaftlicher Sicht, aus ökologischer Sicht und im Hinblick auf die Nachhaltigkeit – nicht nur theoretisch diskutieren, sondern auch in die Praxis einsteigen. Dazu zählt nicht nur die Energiegewinnung, sondern auch alle folgenden Prozesse: die Speicherung, Weiterleitung und Nutzung überschüssiger Energie zum Beispiel. 

Der Wohlstand in Deutschland basiert vor allem auf industrieller Fertigung. Im Großen wie im Kleinen. Nicht nur in der Schwerindustrie oder in der Automobilindustrie – jeder Industriezweig ist ganz entscheidend neben dem Menschen in erster Linie von Energie abhängig. Wirtschaftspolitik bedeutet auch Energiepolitik. Ohne Energie kann nichts produziert werden. Bislang mussten wir uns wegen der Verfügbarkeit von Kohleenergie darüber keine Sorgen machen – doch jetzt müssen wir umdenken. Denn auch wenn der genaue Zeitpunkt des Ausstiegs aus der Kohleenergie noch nicht festgelegt ist, er wird kommen. 

Wie sind die Voraussetzungen in Hamburg?
Gerade in Norddeutschland haben wir topographisch eine sehr gute Ausgangsposition. Wir befinden uns zwischen der Nord- und Ostsee. Wir haben Wind als Energieausgangsquelle, Onshore und Offshore, die in großer Regelmäßigkeit nutzbar ist. Hinzu kommt unser gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu Schleswig-Holstein, so dass wir gemeinsam in der Lage sein können, den Bedarf zu 100 Prozent mit Windenergie zu decken. Dies ist eine Grunderkenntnis, wenn wir über die Energiewende im Norden sprechen. Wir sind mit den Bundesländern sehr engagiert und werden dabei von vielen Unternehmen flankiert, die gemeinsam mit uns diesen Weg gehen. Ich möchte natürlich nicht, dass wir überall im Land Windanlagen aufstellen, doch wir müssen uns schließlich auch entscheiden: Ohne Energie geht es nicht – der Strom fällt nicht von alleine aus der Steckdose. Die Installation von Windrädern zur Nutzung von Offshore Windenergie in der Nord- und Ostsee halte ich für vertretbar.

Das vollständige Interview finden Sie in der aktuellen HANSEstyle-Ausgabe ab Seite 10 oder hier.


Fotos: Marius Engels