Moritz Fürste

Kaum ein Sportler in der Welt kann eine solche Fülle an international gewonnenen Titeln vorweisen wie Moritz Fürste. Er ist zum Beispiel mehrfacher Gewinner der Euro Hockey League mit seinem Heimatverein, dem Uhlenhorster Hockey Club (UHC). Mit der Nationalmannschaft gewann er Welt- und Europameistertitel, er wurde Welthockeyspieler und Hamburgs Sportler des Jahres. Und: Moritz Fürste gewann zwei Olympische Goldmedaillen – 2008 in Peking und 2012 in London. 2016 in Rio könnte eine dritte dazukommen. Obwohl er 2024 nicht mehr selbst auf dem Platz stehen wird, macht er sich für die Olympischen Spiele in Hamburg stark. Auch darüber haben wir mit dem charismatischen Spieler gesprochen.

Moritz Fürste ist ein Aushängeschild des Hockeysports und würdiger Repräsentant der Hamburger Olympia-Ambitionen. Lernen Sie ihn RUNDUM kennen. Erfahren Sie, was ihn bewegt, welchen Einfluss Mannschaftssport auf die Persönlichkeitsentwicklung hat und warum er seit seiner Kindheit die Rückennummer 21 trägt.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle

 

Mein Vater hat Hockey gespielt und mein Onkel auch. Ich war von Geburt an im UHC (Uhlenhorster Hockey Club). Gleich als ich alt genug war, habe ich mit Hockey und Tennis angefangen. Mit fünf Jahren.

Ich war zwar immer talentiert, aber in der Jugend nie herausragend.

Im Vergleich zu meinen Nationalmannschaftskollegen habe ich kein einziges U16 und U18 Länderspiel bestritten.

Zur A-Nationalmannschaft bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Ein Spieler fiel verletzt aus, also wurde ich nachnominiert. 10 Monate später sind wir Weltmeister geworden.

In der Jugend fehlten mir ein paar Prozent. Körperlich vor allem, aber auch in der Einstellung.
Talent reicht, um bis zu einem bestimmten Level mithalten zu können. Ab dann spielt Fleiß die wesentliche Rolle.

Technisches und taktisches Vermögen, doch genauso der soziale Faktor im Mannschaftsgefüge: Das macht einen guten Hockeyspieler aus.

Kann man im entscheidenden Moment seine Leistung abrufen? Darauf kommt es an. Spieler auf Top-Niveau können das.

Beim UHC spiele ich mit meinem Bruder in einer Mannschaft.

Wenn ich darüber nachdenke, worauf ich wegen des Leistungssports verzichten musste, denke ich nicht an Partys. Ich denke an die ganz normalen Dinge: mit Freunden Pizza bestellen und Sport gucken oder Essen gehen und reden zum Beispiel.

Durch meine Familie – meine Frau und meine Tochter – potenziert sich das Gefühl des Verzichts.

Als Leistungssportler ist es um ein Vielfaches schwieriger, soziale Kontakte zu pflegen – intensive Freundschaften aufzubauen und sie zu bewahren.

Eine Mannschaft ersetzt keinen Freundeskreis.

Im Vergleich zu den Fußballern müssen Hockeyspieler außerhalb des Sports Geld verdienen.

Die beiden Olympiasiege waren spektakulär. Aber auch der Weltmeistertitel 2006, den wir in Deutschland gewonnen haben – die Atmosphäre war einmalig, es war mein erstes großes Turnier mit der Nationalmannschaft und alle, Spieler wie Fans, waren noch von der Fußball-Weltmeisterschaft euphorisiert.

Jeder Titel hat seine eigene Geschichte.

Es gab sieben Niederlagen, diemich besonders geschmerzt haben. Wir haben mit dem UHC siebenmal das Finale bei den Deutschen Meisterschaften verloren. Und nicht einmal gewonnen.

Aus Niederlagen lernt man mehr als aus Erfolgen.

Dass ich so früh mit Mannschaftssport angefangen habe, hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf meine Persönlichkeit genommen.

Von klein auf an steht man gemeinsam auf dem Platz: ganz unterschiedliche Typen, die ein und dasselbe Ziel haben. Das prägt den Charakter.

Manchmal muss man abspielen, damit die Mannschaft ein Tor machen kann. Beim Mannschaftssport lernt man früh, die Eigeninteressen dem gemeinsamen Ziel unterzuordnen.

Es geht nicht nur um Sport. Sozial, kulturell, zwischenmenschlich. Olympia bereichert über alle Ebenen hinweg.

Die Chance, Olympia nach Hamburg zu holen, müssen wir ergreifen.

Wir können uns nicht darüber beschweren, dass sportliche Großereignisse in Russland oder Katar stattfinden, wenn wir selbst nicht bereit sind, sie auszurichten.

Jeder, der Olympische Spiele im Fernsehen sieht, ist doch mit einer absoluten Doppelmoral versehen, wenn er sagt: ‘Toll – aber bitte nicht vor meiner Tür.’

Olympia ist ein Ereignis, bei dem alle Nationen, alle Kulturen und Religionen zusammenkommen und gemeinsam ein friedliches Fest feiern. Und die ganze Welt kann dabei zuschauen.

Dass Hamburg Olympiastadt werden könnte und es dann auch für alle Zeit bleiben würde:
Das löst bei mir ein Gänsehautgefühl aus. Die ganze Welt würde Hamburg kennenlernen.
Unsere Stadt. Meine Heimatstadt.

Natürlich würde Hamburg eine erfolgreiche Ausrichtung hinbekommen. Das haben schon ganz andere Städte geschafft. Seoul 1988 oder Athen 2004 zum Beispiel.

Das Leben im Olympischen Dorf kann man kaum beschreiben. Der Respekt und die Energie untereinander sind unglaublich.

Die Sportler sitzen vor ihren Häusern, die sympathischen Franzosen, daneben die ersthafteren Russen und gleich nebenan die Australier, die die ganze Zeit pfeifen, tanzen und Musik hören.

Ob man nun einen Speer wirft, Tischtennis spielt oder schnell läuft: Du weißt, dass jeder, der dir im Olympischen Dorf begegnet, bereits viel geleistet hat.

Die Olympischen Spiele sind das größte Sportereignis der Welt.

Ich kann nicht nachvollziehen – bei keinem Menschen aus keiner Sportart – wenn freiwillig auf eine Olympiateilnahme verzichtet wird.

Man sagt immer: ‘Weltmeister bleibt man bis zur nächsten WM, Olympiasieger bleibt man fürs Leben’.

Was mir bei der Anti-Bewegung nicht gefällt: Die Kritiker in Hamburg sehen nur die Risiken von Olympia – die Chancen werden völlig ausgeblendet.

Was mir an der Pro-Bewegung gefällt: Es wird sich auch mit den Schwächen und Risiken auseinandergesetzt und in einen Dialog eingetreten.

Ja, es gibt Gefahren, zum Beispiel im Hinblick auf die Infrastruktur und die Mietpreisentwicklung. Aber auf der anderen Seite steht eine endlose Liste an Chancen.

Nach jeder Diskussion, die ich führe, bin ich mir am Ende sicher: unbedingt machen! Wir müssen Olympiastadt werden!

Es gibt kaum etwas, das eine Stadt so bereichern kann wie Olympia.

Wir brauchen ein Ergebnis von deutlich über 50 Prozent. Wenn das IOC anhand des Referendums sieht, dass auch die Bevölkerung hinter der Olympiabewerbung steht, beeinflusst das die Stimmung beim IOC und erhöht die Chancen für Hamburg.

Paris ist nicht der größte Konkurrent, weil es Paris ist. Los Angeles nicht, weil es Los Angeles ist. Das Konzept entscheidet. Und Hamburg hat ein super Konzept.

Der Hockeysport in Hamburg ist in den letzten zehn Jahren unwahrscheinlich erfolgreich gewesen.

Hockey ist ein kompliziertes Spiel. Deswegen ist es vielleicht nicht so zugänglich wie Fußball.

Bei den Herren haben wir drei Bundesligisten. ALSTER, HTHC und UHC. Alle waren auf ihre Art in den letzten zehn Jahren sehr erfolgreich.

ALSTER und HTHC: Eine Lokalrivalität haben wir mit beiden Clubs. Die beschränkt sich aber auf den Platz. Diese Derbys sind richtig geile Dinger, die man unbedingt gewinnen will.

Zu den Lieblingsrestaurants von meiner Frau und mir gehört das Mangia e Bevi in der Sierichstraße. Mit der Mannschaft sind wir regelmäßig im Hofweg bei Rocco.

Mein Sternzeichen ist Skorpion.

Jeglichen Aberglauben habe ich 2011 abgelegt. Meine Marotten gingen mir wahnsinnig auf die Nerven. Ob ich kurz vor einem Spiel dusche oder ob ich als letzter auf den Platz gehe entscheidet nicht über meine Leistung.

Der UHC ist für mich wie ein zweites Zuhause. In jeder freien Minute waren wir dort, haben Hockey, Fußball, Tennis gespielt.

Nach Heimspielen sitze ich gern stundenlang auf der Terrasse. Mich verbinden mit dem UHC viele wundervolle Erinnerungen. Und es ist gemütlich dort – Gemütlichkeit ist mir wichtig.

Bei der Nationalmannschaft sind wir vier Kapitäne. Wir sind ganz unterschiedliche Typen. Jeder erfüllt eine andere Aufgabe. Mir fällt ein bisschen die Rolle des Emotional-Leaders zu, wenn es auf den Platz geht.

Heute Abend gehe ich nochzu Pauli. Aber auch mit den Fußballern vom HSV fiebere ich mit. Und ich kriege einen dicken Hals, wenn die HSV-Handballer verlieren, allein deshalb, weil sie aus Hamburg sind.

Ich bin ganz extremer Hamburg-Patriot.


Ausnahmesportler

Seit seiner Jugend ist Moritz Fürste leidenschaftlicher Hockeyspieler. Mit seinem ersten Verein,dem Uhlenhorster HC gewann der Hamburger gleich dreimal die Euro Hockey League. 2005 debütierte er in der deutschen Hockeynationalmannschaft.Höhepunkte seiner sportlichen Karriere waren unter anderem die Olympischen Spiele 2008 und 2012, wo er mit der deutschen Mannschaft jeweils die Goldmedaille holte. Insgesamt absolvierte der Sportler bisher über 200 Länderspiele. 2012 wurde er Welthockeyspieler. Fürste spielte ein Jahr für den Club de Campo Madrid und er wurde mit Ranchi Rhinos indischer Meister. Gerade wurde er erneut für ein Gastspiel in der indischen Liga ersteigert. Dabei erzielte Moritz Fürste den höchsten, jemals für einen Hockeyspieler in der indischen Liga gebotenen Betrag.

Neben dem Sport

Parallel zu seiner sportlichen Karriere hat Moritz Fürste ein duales Studium an der HSBA in Media Management in Verbindung mit einer Ausbildung bei einer Hamburger Werbeagentur absolviert. In diesem Jahr wurde er zum Direktor Sportmarketing der Hamburger Agentur Thjnk ernannt. Außerdem heiratete der Olympiasieger im Mai seine langjährige Freundin Stephanie. Wenig später kam seine kleine Tochter Emma zur Welt.