Mit Kinderaugen in die Zukunft

Maike Röttger im Hamburger Büro von Plan International Deutschland

Armut besiegen, Gewalt verhindern, Bildung schaffen: Gemeinsam mit vielen Partnern sowie Patinnen und Paten aus ganz Deutschland setzt sich Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung des Kinderhilfswerks Plan International Deutschland, weltweit für die Rechte von Kindern ein.

Er wäre mit Sicherheit stolz auf sein Werk. Auf das, was sein Einsatz 1937 ausgelöst hat. Während des Spanischen Bürgerkriegs sah der britische Journalist John Langdon-Davies das Leid der Kinder vor Ort und handelte: Mit Freunden betreute er die verwaisten Kinder und gründete die Organisation „Foster Parent’s Scheme for Children in Spain“. Er akquirierte Paten in den Industrienationen, mit deren Spenden er Projekte für die Kinder finanzierte. Aus seinem Engagement entstand die heutige Kinderhilfsorganisation Plan International.

Noch immer ist es ein besonderes Anliegen von Plan International, Patenschaften für Kinder in Entwicklungsländern zu vermitteln. Helfen ist schon mit 28 Euro Patenschaftsbeitrag monatlich möglich. Dieser geht „nicht an das Kind direkt, sondern an Projekte zur Stärkung der Gemeinde, zum Beispiel in die Einrichtung einer Schule“, erklärt die Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland, Maike Röttger. Doch auch der zwischenmenschliche Kontakt zwischen Kind und Pate spiele eine wichtige Rolle. Der Austausch von Briefen, selbstgemalten Bildern und Gebasteltem trage dazu bei, die Kinder emotional zu stärken und so ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern. Und das ist dringend nötig: Auch heute erhalten Kinder in vielen Teilen der Welt aufgrund verwurzelter Strukturen, Traditionen oder Armut kaum Zugang zu Bildung, keine angemessene Gesundheitsversorgung und erfahren täglich Gewalt.

„… Bildung für Mädchen verändert die Welt.“
Maike Röttger

Vor allem aber ein Thema liegt Maike Röttger am Herzen: die Gleichberechtigung von Mädchen. Oft vor dem 15. Lebensjahr verheiratet, werden Mädchen in den betroffenen Ländern früh schwanger und müssen die Schule verlassen. Insgesamt gehen etwa 130 Millionen Mädchen weltweit nicht zur Schule. Auch Gewalt oder die starke Einbindung in den Haushalt aufgrund von Armut können Gründe dafür sein. Keine Seltenheit, sondern Normalität. Mit der „Because I am a Girl“-Bewegung verfolgt Plan International das Ziel, diese Mädchen zu stärken. Mit Erfolg: Die Vereinten Nationen ernannten im Jahr 2011 den 11. Oktober zum Welt-Mädchentag. „Wir sind sehr stolz, dass sich unser Anliegen, auf die Rechte der Mädchen aufmerksam zu machen, so verselbständigt hat“, betont Maike Röttger. „Wir wollen Veränderung erreichen, und Bildung für Mädchen verändert die Welt“. Um eine nachhaltige Veränderung zu erzielen, entwickelt Plan International zusammen mit jungen Frauen in Entwicklungsländern ein Konzept, das ihnen hilft, in politischen Ämtern Fuß zu fassen, um die Politik und Gesellschaft in ihren Gemeinden aktiv zu beeinflussen.

Hilfe aus der Hansestadt

Neben bekannten Persönlichkeiten wie Model Toni Garrn, Schauspielerin Senta Berger und Microsoft-Gründer Bill Gates gehören auch Unternehmen zu den Unterstützern von Plan International. So zum Beispiel Rebelle, ein Online-Marktplatz für Designer-Secondhand-Mode. Cécile Wickmann, Geschäftsführerin des Hamburger Start-ups, hilft den Mädchen mit ihrer Initiative „Rebelle with a cause“, durch Ausbildung ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Maike Röttger ist dankbar für Kooperationen dieser Art: „Die Gemeinden benötigen trotz der Gelder aus den Patenschaften oft zusätzliche finanzielle Unterstützung, die dank einer solchen Zusammenarbeit ermöglicht wird.“

Auf die Frage, wie sie das Engagement der Hamburgerinnen und Hamburger einschätze, antwortet sie zufrieden: „Wir haben in Hamburg die höchste Patendichte in ganz Deutschland. Es ist toll, von seiner Heimatstadt ein solch positives Feedback zu bekommen.“ Doch auch wenn Plan International über Hamburgs Grenzen hinaus als Erfolgskonzept gewertet werden kann – es gibt noch viel zu tun. Für die Kinder dieser Welt.

Text: Louisa Wölke | Fotos: Marius Engels

Persönlich: Maike Röttger zeigt Redakteurin Louisa Wölke die Briefe und selbstgemalten Bilder von Patenkindern aus aller Welt

Über Maike Röttger und Plan International
1966 geboren, arbeitete Maike Röttger 20 Jahre überwiegend im Politik-Ressort des Hamburger Abendblatts. 2008 reiste sie für ihre journalistische Arbeit gemeinsam mit Plan International nach Uganda. Gleichzeitig wuchs in ihr der Wunsch nach Veränderung. So begann die Kielerin 2010 eine neue Herausforderung als Leiterin der Kommunikationsabteilung von Plan International Deutschland. Nach kurzer Zeit bekam sie die einmalige Chance, die Geschäftsführung des Kinderhilfswerks zu übernehmen.
Plan International setzt sich für die Rechte von Kindern in über 70 Ländern ein. Das deutsche Büro von Plan International wurde 1989 in Hamburg gegründet. Von den weltweit rund 1,2 Millionen Patenschaften betreut Plan International Deutschland über 319.00 Patenschaften und erreicht so rund drei Millionen Menschen.

 

Cécile Wickmann

Rebelle with a Cause
Mit ihrer Spendenaktion „Rebelle with a Cause“ unterstützt Rebelle-Geschäftsführerin Cécile Wickmann die globale Bewegung „Because I am a Girl“ von Plan International. Auf www.rebelle.com können Kundinnen den Erlös ihrer Designerstücke direkt an Plan International spenden. Zu jedem verkauften Kleidungsstück spendet Rebelle die Servicegebühr und die Provision an das Projekt „Berufliche Perspektiven eröffnen“ des Kinderhilfswerks. Das Projekt schafft für Mädchen und junge Frauen in Simbabwe die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben.

HANSEstyle: Was hat Sie dazu bewegt, sich für ein Projekt von Plan International zu engagieren?
Cécile Wickmann: Die Idee, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, hatte ich schon lange. Ich habe die Arbeit von Plan International einige Jahre aus der Ferne verfolgt und außerdem ein Patenkind in Simbabwe.

Worum geht es bei dem Projekt „Berufliche Perspektiven eröffnen“?
In Simbabwe haben Mädchen und junge Frauen kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mit „Rebelle with a cause“ geben wir ihnen die Möglichkeit, sich durch berufsbildende Schulungen ihre Lebensgrundlage selb-
ständig zu sichern.

Was möchten Sie mit „Rebelle with a Cause“ erreichen?
Wir wollen ein Zeichen der Solidarität setzen, Mädchen und junge Frauen stärken und ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen.

Foto: PR (1)