DER KONZERTE-BOSS

Karsten Jahnke
Karsten Jahnke beim HANSEstyle Shooting in seiner Konzertdirektion

In HANSEstyle blickt der Hamburger Unternehmer Karsten Jahnke, einer der erfolgreichsten Konzertveranstalter Deutschlands, auf seine Karriere zurück. Ein Gespräch über seinen ersten wirtschaftlichen Erfolg, heutige Ticketpreise und seine lebenslange Liebe zum Jazz. 

„Darf es eine Tasse grüner Tee sein?“, fragt Karsten Jahnke gleich zu Beginn unseres Besuchs in den Büroräumen der Karsten Jahnke Konzertdirektion. Er selbst schenkt ihn ein.

Karsten Jahnke – ein Name, der musikalische Highlights, internationale Größen und ausverkaufte Hallen bedeutet. Ein Mann mit klaren Wertvorstellungen, typisch hanseatisch, bodenständig, offen und gerade 80 Jahre alt geworden.

„Der Wunsch, Veranstalter zu werden, war irgendwie schon immer da“, erzählt der Unternehmer. Und die Liebe zur Musik? Die entwickelte sich ebenfalls sehr früh, dank des britischen Bluesmusikers Alexis Korner, der Ende der 40er Jahre auf dem englischen Soldaten-Radiosender BFBS Musiksendungen moderierte. „Das war ein Schlüsselerlebnis“, erinnert sich Karsten Jahnke.

Zum Beruf wurde das Hobby Musik dann doch eher zufällig. 1959 setze Jahnke mit einem Freund seine erste Veranstaltung um, den Jazz-Band-Ball. „Der Eintrittspreis lag damals bei zwei Mark“, erzählt er mit einem Schmunzeln und fügt hinzu: „Ich weiß noch, dass ich nach der Veranstaltung etwas über hatte.“ Das sollte im Laufe seiner Karriere nicht immer der Fall sein. Bereits bei seinem ersten Konzert, das er eigenverantwortlich umsetzte, machte er Verlust. Doch das hielt den passionierten Musikliebhaber nicht ab: „Wenn ich einen Künstler gut fand, habe ich mit ihm Tourneen gemacht, obwohl ich wusste, dass wir Geld verlieren würden. Mir war immer wichtig, mich selbst im Spiegel anschauen zu können.“

Karsten Jahnke (l.) mit Herman van Veen

Einer der wichtigsten Meilensteine seiner Karriere folgte Ende der 60er Jahre. Mit der Komikerband Insterburg & Co., der unter anderem Karl Dall angehörte, machte Jahnke einen Deal, der seine wirtschaftliche Absicherung bedeutete. Per Handschlag galt die Abmachung: Alle Gewinne werden durch fünf geteilt – durch vier Bandmitglieder und einen Veranstalter. Ein Glücksfall. „In zehn Jahren Zusammenarbeit war jedes Konzert der Band ausverkauft. Wir hatten immer Geld. So konnte ich Verluste anderer Touren auffangen“, erzählt der gelernte Import/Export-Kaufmann.

„Wenn ich einen Künstler gut fand, habe ich mit ihm Tourneen gemacht, obwohl ich wusste, dass wir Geld verlieren würden.“
Karsten Jahnke

Apropos ausverkaufte Konzerte: Den Lieblingskünstler live und in Farbe zu sehen, ist für die meisten Menschen damals wie heute das Nonplusultra. Ein Gänsehaut-Erlebnis, das sich viele Fans hohe Summen kosten lassen. „Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass ein Stehplatz vor der Bühne bei den Rolling Stones 797 Euro kostet, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, so der Veranstalter beim Rückblick auf das Konzert der Rolling Stones im Hamburger Stadtpark 2017. Doch woher kommen solche Preise? „Hohe Ticketpreise entstehen nicht, weil der Künstler gierig ist“, weiß der Profi. Gagen von 450.000 Euro seien keine Seltenheit, setzten sich aber aus dem Verdienst des Künstlers und vor allem Steuern zusammen. Mit Bühnenshow, Technik und örtlichen Kosten liege ein Konzert für den Veranstalter schnell bei 600.000 Euro Gesamtkosten oder mehr.

(r.) Bereit zur Jazz-Session: (v. l.) Schlagzeuger Jack DeJohnette, Gitarrist Pat Metheny, Karsten Jahnke, Bassist Dave Holland und Pianist Herbie Hancock
1988 im Office von Karsten Jahnke: Musikplakate so weit das Auge reicht

Aus Liebe zum Jazz: Was für die einen die Rolling Stones, sind für Karsten Jahnke Jazz-Künstler wie Pat Metheny, Nils Landgren oder Herbie Hancock – die großen Namen des Jazz, ein Genre, das sein Herz erobert hat. Die Vielseitigkeit sei es, die ihn fasziniert und „die spontanen Jam-Sessions“. 2010 wurde er für die Förderung des Jazz mit dem Preis „Echo Jazz“ ausgezeichnet, dem er nach wie vor – unter anderem als künstlerischer Leiter des Elbjazz Festivals – alle Ehre macht. Mit dem Elbjazz Festival und dem von seinem Sohn ins Leben gerufenen Überjazz Festival will Karsten Jahnke den Zugang zu der rhythmisch und improvisatorisch geprägten Musikform schaffen.

Karsten Jahnkes Einsatz für die Musik ist unerschöpflich, seine Leidenschaft für gute Bands ungebrochen. Seit über 50 Jahren ist er im Geschäft. Und auch wenn sein Enkel die Konzertdirektion irgendwann übernehmen wird, steht Jahnke noch immer an vorderster Front, ist jeden Tag in seinem Büro und bei allen Konzerten seiner Lieblingsbands dabei. Eine Erfolgsgeschichte – geprägt von Ehrlichkeit, Hingabe und Leidenschaft.

Zu Besuch bei Karsten Jahnke: Louisa Wölke
Aufmacherfoto: Ulrich Lindenthal-Lazhar | Fotos: PR (2), Franklin Hollander (1), Erwin Falk (1)

Karsten Jahnke in den 70ern

Karsten Jahnke ganz persönlich

Auf welche Zusammenarbeit sind Sie besonders stolz?
Besonders stolz bin ich auf die Zusammenarbeit mit Herman van Veen – ein exzellenter Sänger, Musiker und Tänzer und dazu ein toller Mensch. Auch das jüngste Konzert mit ihm in der Elbphilharmonie war großartig!

Welche Platten bzw. Künstler empfehlen Sie Jazz-Einsteigern?
Ich selbst bin unter anderem über Sidney Bechet, George Lewis und Louis Armstrong zum Jazz gekommen. Aber auch John Coltrane kann durchaus etwas für Einsteiger sein.

Was bedeutet für Sie Glück?
Morgens bei Sonnenschein in meinem Häuschen in Irland aufzuwachen.

 

Über Karsten Jahnke
1972 gründete Karsten Jahnke die gleichnamige Konzertdirektion, die mit bis zu 1.000 Konzerten pro Jahr heute zu den erfolgreichsten Deutschlands gehört. Vor allem die Open-Air-Saison in Hamburg ist von den Live-Konzerten auf der Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark, die seit 1974 in Karsten Jahnkes Hand liegt, geprägt. Der Unternehmer arbeitete mit Größen wie The Dubliners, U2 und den Rolling Stones zusammen und baute unter anderem Herbert Grönemeyer und Depeche Mode in Deutschland mit auf. 2007 erhielt er die Senator Biermann-Rathjen-Medaille der Stadt Hamburg für seine Verdienste um das Musikleben in der Hansestadt und 2008 wurde er bei den Live Entertainment Awards für sein Lebenswerk ausgezeichnet.