Gaby Gaßmann: MAGNUS-Chefin im Porträt

Gaby Gaßmann
Gaby Gaßmann

Mit ihr sitzt man nie auf dem Trockenen

Gaby Gaßmann macht ihr Ding und das ist groß: MAGNUS – das ­bedeutet im Lateinischen groß. Mit ihren 46 Jahren gehört sie zu den bedeutenden Unternehmerinnen Hamburgs. Sie ist ­Inhaberin der Magnus Mineralbrunnen GmbH & Co. KG in Norderstedt – doch ihr größter Schatz ist ihre bald siebenjährige Tochter.

Power, gebündelt auf 1,68 Meter: Ihre tintenblauen Augen registrieren alles – sie schlussfolgert blitzschnell – ihre Aussagen sind auf den Punkt – Businessfrau durch und durch – und liebevolle Mutter eines Schulkindes. Alleinerziehend wuppt sie beides mit Souveränität und Herz. Gaby Gaßmann trifft ihre Entscheidungen selbst, sie ist der Boss, kaufte 2014 das Unternehmen ihrem Vater ab. Der erwarb die Quelle in den 70er Jahren aus einer Insolvenz heraus, er kümmert sich heute ausschließlich um seine Firmen im Automobil-Bereich. 

Auch sie wuchs mit einer berufstätigen Mutter auf 

In einer Unternehmer-Familie, ebenso mit berufstätiger Mutter, groß geworden, hat Gaby Gaßmann Zuneigung und Liebe nie missen müssen: „Meine Eltern waren immer da. Wir hatten eine Kinderfrau, aber meine drei Jahre ältere Schwester und ich wurden auch mit ins Büro genommen – das war normal. Unser Vorteil war, dass Wohnung und Firma in einem Haus lagen.“ Nach einer Banklehre studierte sie in Lüneburg an der Fachhochschule BWL, ging anschließend nach Berlin und arbeitete in einer renommierten Werbeagentur als Junior-Beraterin. Nach zwei Jahren fragte der Vater, ob sie es sich vorstellen kann, ins Wasser-Unternehmen für den ausscheidenden Geschäftsführer einzusteigen – mit der Option, sich das Ganze ein Jahr anzusehen und dann endgültig zu entscheiden. Das war im Jahr 2000 – ein halbes Jahr machte sie Praktika bei befreundeten Quellen, 2001 entschloss sie sich, die Geschäftsführung zu übernehmen. Die Magnus-Hall (befand sich in der Amsinckstraße, das Grundstück wurde 2015 verkauft, die Halle geschlossen), ein Ort für Veranstaltungen, war ihre Idee: „Die Agenturwelt hatte mich noch nicht so losgelassen – wir stellten den Veranstaltern neben den Räumlichkeiten auch die Bar mit Getränken und Personal zur Verfügung.“ 2008 brachte sie die Gastro-Flasche von Magnus heraus, in diesem Kontext machte sie einen kompletten Relaunch der Marke. Ihr Werberinnen-Herz schlug eben immer noch für innovatives Marketing – in Hamburg kommt man seitdem nicht mehr an den spritzig frechen Werbeslogans von Magnus vorbei. Doch damals war noch der Vater Inhaber, musste bei Investitionen gefragt werden: “Natürlich ist durch die familiäre Nähe der eine oder andere Konflikt nicht ausgeschlossen. Doch jeder Inhaber will bei monetären Entscheidungen begründet wissen, wofür er sein Geld ausgeben soll. Da kann man beim eigenen Vater natürlich emotionaler agieren“, erzählt Gaby Gaßmann. 

Sie schmunzelt, wenn Post an „Herrn Gaßmann“ kommt 

Heute ist sie ihr eigener „Herr“, entscheidet selbst. Zwei Jahre ist ihre Tochter alt, als sie die Magnus Mineralbrunnen GmbH & Co. KG als Inhaberin übernimmt. 55 Angestellte arbeiten mit ihr, zwei Berater sind eng an ihrer Seite. Mit mehr als 55 Millionen Abfüllungen im Jahr gehört die Quelle zu einer der größten Getränkehersteller in Norddeutschland. Neben dem Wasser in verschiedenen Ausführungen gibt es Schorlen, Limonaden, Brausen und Sportdrinks. Und bald wird sich dies noch steigern, denn Gaby Gaßmann hat sich dazu entschieden, die Produktionsstätte in Norderstedt zu erweitern, 4.000 Quadratmeter hat sie bauen lassen, mit einer zweiten Abfüllanlage, Lager- und Logistik-Gebäuden. Ein Schritt, der unternehmerischen Mut fordert. „So manche bauliche Verzögerung und damit verbundene Kapazitätsengpässe haben mich dann doch mal etwas in Unruhe versetzt, aber so ist es nun mal als Unternehmerin: Da muss man durch.“ Auch wenn die Männerdomäne Wasserwirtschaft von immer mehr Frauen durchbrochen wird, scheint die Denke bei einigen noch nicht so weit zu sein. So schmunzelt sie schon beim ein oder anderen Schriftverkehr – wenn zum Beispiel Post an „Herrn Gaßmann“ adressiert ist oder am Telefon nach dem Inhaber gefragt wird: „Dass eine Frau und auch noch eine Mutter ein Unternehmen führen kann, scheint noch nicht in allen Köpfen angekommen zu sein.“

Die Uhr lässt sich nie wieder zurückdrehen 

Gegen die Aussage „Herausforderung – Spagat zwischen Familie und Beruf“ wehrt sie sich etwas: „Das wird immer so negativ gesehen. Wir Frauen haben doch alle Vorteile der Welt – wir können Kinder kriegen und trotzdem Karriere machen. Jeder Zeitpunkt ist möglich, ob während des Studiums oder im Job, mit jungem Kind oder wenn es aus dem Haus ist. Zum Glück gibt es Kitas, Ganztagsschulen oder generationsübergreifende, freie Organisationen, die unterstützen, so dass man als Frau nicht mehr entweder/oder entscheiden muss.“ Bei der externen Betreuung sieht Gaby Gaßmann sogar Vorteile: Die Kinder fänden es fast toll, mit Gleichaltrigen zusammen zu sein. Sie würden ihrer Meinung nach aber auch früher erwachsen.

Dass sie in einer privilegierten Stellung mit ihrer beruflichen Zeiteinteilung ist, dessen ist sich die „Power Mum“ bewusst: „Das ist Luxus. Mein Kind war ein absolutes Wunschkind. Ich bin nicht strikt von 8 bis 20 Uhr im Büro. Ich kann um 14 Uhr gehen, wenn etwas mit der Kleinen ansteht. Mein Kind soll Zeit mit mir erleben, diese Zeit ist wertvoll und damit einzigartig. Die Uhr lässt sich nie wieder zurückdrehen.“ Dankbar ist Gaby Gaßmann, dass sie mit einer Kinderfrau, die sich seit der Geburt 2012 um die Tochter kümmert, ihrer Familie und guten Freunden vertrauensvolle Menschen hat, die ihr den Rücken stärken. „Meine Tochter spielt die erste Rolle. Werte wie Liebe, Respekt, Empathie und soziale Kompetenz sind mir in der Erziehung wichtig, Mathe und Deutsch kommen von alleine.“

Happy mum – happy kid 

Als Mutter zieht sie trotz ihrer bedingungslosen Liebe klare Grenzen. Schlimm findet sie, wenn Kinder als Partner erzogen werden: „Viele verwechseln Kind und Freund. Ein Kind ist ein Kind und braucht einen Korridor. Ich bin Mutter aus vollem Herzen, aber unabhängig davon muss ein Kind lernen, dass die Mutter ein eigenes Leben hat.“ Zeit für sich selbst – als Frau – gehört für Gaby Gaßmann zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Und die nimmt sie sich:  „Es gibt ja den Spruch „Happy wife – happy life“ – für jede Mutter sollte gelten: „Happy mum – happy kid“. Ihr Rezept für Mütter, die eine Karriere anstreben? „Sei mit dir im Reinen und liebe das, was du tust – dann bist du erfolgreich!“

Text: Nathalie E. Reinschmidt

Über Gaby Gaßmann
Geboren 1973 in Rothenburg (Wümme), ­absolviert sie nach dem Abitur 1993 bis 1995 eine Bankausbildung bei der ­Commerzbank. Danach folgt das Studium der Betriebs­wirtschaftslehre an der Fachhochschule ­Lüneburg bis 1999. Sie arbeitet dann als Junior-­Beraterin in der ­Werbeagentur ­„Heimat“ in Berlin. 2000 ­hospitiert sie bei diversen ­Wasserquellen und praktiziert in der Magnus Mineralbrunnen GmbH & Co. KG des Vaters. 2001 übernimmt sie die Geschäftsleitung und kauft das ­Unternehmen 2014.