Christina Block: Familien-unternehmerin im Porträt

Unternehmerin Christina Block
Unternehmerin Christina Block

“Familie und Firma gehören zusammen“ 

Botschafterin, Gesellschafterin und Vierfach-Mama: Christina Block gibt Einblicke in ihren Alltag, sie verrät, worauf sie bei der Erziehung ihrer Kinder Wert legt und was es bedeutet, in einem Familienunternehmen aufzuwachsen.

Mit schnellen Schritten kommt Christina Block durch die Empfangshalle des Grand Elysée Hotels: „Es ist mal wieder so eine Woche“, wird sie später erzählen. Gute Laune hat sie trotzdem. Wir setzen uns in das Café im hinteren Teil des Hotels. Auf dem Weg dorthin wird sie von den Gästen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Grand Elysée herzlich gegrüßt.

Christina Block ist nicht im operativen Geschäft, sondern strategisch tätig. Sie ist Botschafterin des Grand Elysée Hotels und Gesellschafterin der Eugen Block Holding GmbH. Mit ihren beiden Brüdern und ihrem Vater sitzt sie im Aufsichtsrat des Familienunternehmens. Wer denkt, dass ein paar jährliche Aufsichtsratssitzungen nicht so arbeits- oder zeitintensiv sind, liegt falsch. Ein Unternehmen zu lenken bedeutet Verantwortung und Einsatzbereitschaft: „Zu meinen Kernaufgaben gehört das Vermitteln zwischen dem Aufsichtsrat, den Mitgesellschaftern, den Mitarbeitern, dem Vorstand und meinem Vater. Das bedeutet sehr viel Zeitaufwand – und sehr viel Diplomatie.“ Repräsentationsaufgaben und Abendveranstaltungen sind selbstverständlich.

Ich trage gerne die Verantwortung für das Familienunternehmen

Bevor Christina Block ins Unternehmen ihres Vaters einstieg, hatte sie den Ehrgeiz, etwas Eigenes aufzubauen. Ähnlich wie der Vater 50 Jahre zuvor, besorgte sie sich Kapital von der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg und startete ihr eigenes Bistro: Prima Pane. Insgesamt drei Filialen eröffnete sie in der Hansestadt. Zehn Jahre lang betrieb sie die Läden, bis ihr Vater mit der Nachfolgefrage auf sie und ihre Brüder zukam. „Ich trage die Verantwortung gerne für das Familienunternehmen – nicht nur für mich, sondern auch für meine Kinder und die folgenden Generationen.“ Sie schloss ihre Bistros und nahm die Erfahrungen aus der Selbstständigkeit ins Familienunternehmen mit.

Neben ihrer Verantwortung als Gesellschafterin trägt die alleinerziehende Mutter auch die Verantwortung für ihre drei Töchter (13, 10, 8 Jahre) und ihren fünfjährigen Sohn. Wie das funktioniert? „Das weiß ich manchmal auch nicht so genau“, sagt sie und lacht. Sie hat fünf Kalender in ihrem Telefon, einen für jedes Kind und ihren eigenen. In „Peak Zeiten“, wie sie sie nennt, läuft sie von einem Termin zum nächsten – und diese Woche ist ein solcher „Peak“. Das geht nur mit einem unheimlichen Maß an Organisation, in der jede Zeitlücke sinnvoll genutzt und vieles parallel gesteuert wird. Dann gibt es aber auch Phasen, in denen die 45-Jährige durchatmen kann, zum Beispiel jedes zweite Wochenende, wenn die Kinder bei ihrem Vater sind. Um die vollgepackten Tage besser zu bewältigen, macht sie viel Sport. Klingt stressig? Nicht für Block: „Ich mag dieses Leben. Ich könnte es wahrscheinlich jeden Tag ändern, aber genauso gefällt es mir – genauso erfüllt es mich.“

Als Unternehmerin will Christina Block andere berufstätige Mütter unterstützen: „In der Block Gruppe haben wir eine Familienbeauftragte, die sich darum kümmert, Frauen nach der Elternzeit wieder zu integrieren. Sie hilft zum Beispiel bei der Suche nach einem Kitaplatz.“ Block will den Mitarbeiterinnen damit ein Zeichen geben, dass sie im Falle eines Kinderwunsches mit Unterstützung rechnen können. In Bezug auf die Männer-Frauen-Ratio sieht Block Verbesserungspotenzial im eigenen Unternehmen: „Wir haben viele Betriebsleiterinnen, aber leider noch wenig Bereichsleiterinnen. Das liegt daran, dass man als Bereichsleiterin viel reisen muss. Ich bin sehr für ein Modell, bei dem eine Arbeitsstelle geteilt werden kann“.

Vor allem meine Töchter sollen sich nicht in irgendeiner Weise abhängig machen

Ihren Kindern möchte die vierfache Mutter vor allem eines vermitteln: Unabhängigkeit. „Vor allem meine Töchter sollen sich nicht in irgendeiner Weise abhängig machen, weder finanziell noch in anderen Lebensbereichen“, sagt die Hamburgerin. Deshalb erzieht sie sie konsequent zur Selbstständigkeit, lässt sie mit der Bahn oder dem Fahrrad zu ihren Verabredungen fahren und verzichtet auf ein Kindermädchen. Die 13-Jährige macht sich ihr Mittagessen auch mal selbst.

Die Kinder müssen zwar nicht operativ einsteigen, doch wenn sie alt genug sind, werden ihre vier sowie die Kinder ihres Bruders Gesellschafter im Familienunternehmen. Deshalb sollen sie den Wert, den das Unternehmen für die Familie hat, von klein auf schätzen lernen: „Ich würde mich freuen, wenn die Kinder die gleiche Leidenschaft für das Unternehmen entwickeln würden wie ich.“ Kindergeburtstage werden bei Jim Block gefeiert und zu Schulfesten bringt Christina Block selbstverständlich die Block Burger mit. „In einem Familienunternehmen gehören die Familie und das Unternehmen eben zusammen“, sagt sie. Ihre Begeisterung scheint sich zu übertragen: Ihr kleiner Sohn äußerte neulich den Wunsch, später mal Lastwagenfahrer für das Blockhaus werden zu wollen.

Text: Natalja Fischer

Über Christina Block 

Als Botschafterin des Hotels Grand Elysée und Gesellschafterin der Eugen Block Holding GmbH ist Christina Block für die strategische Weiterentwicklung des Familienunternehmens verantwortlich. Bevor sie in das Unternehmen der Familie einstieg, sammelte sie Hotellerie-Erfahrung in Atlanta und Peking, studierte in New York und Edinburgh und eröffnete anschließend die italienischen Bistros Prima Pane in Hamburg, die sie zehn Jahre lang führte. Die alleinerziehende Mutter hat drei Töchter und einen Sohn.