BRITISCHER CHARME UND HAMBURGER HERZ

Martin Murphy in seinem Büro
Martin Murphy in seinem Büro

Martin Murphy baut auf Hamburg

Er ist gebürtiger Engländer und in Hamburg zu Hause. Als Partner in dem erfolgreichen Architekturbüro „Störmer Murphy and Partners“ ist Martin Murphy unter anderem an der Realisierung des Hamburger Hotel-Großprojekts „The Fontenay“ beteiligt. Mit HANSEstyle sprach der 51-Jährige über Identität, seinen beruflichen Traum und darüber, warum er sich in der Hansestadt vollkommen fühlt.

Mut. Ein großes Wort, das zunächst nicht unbedingt mit dem Thema Architektur in Verbindung gebracht wird. Für Martin Murphy jedoch ist es unumgänglich, wenn man Architektur schaffen will, die eine Stadt prägt. Eine Architektur, die nachhaltig und weitsichtig ist, wie die von Georges-Eugène Haussmann, der als Stadtplaner im 19. Jahrhundert das Pariser Stadtzentrum prägte und eine von Murphys größten Inspirationen ist: „Er hatte den Mut, die halbe Stadt niederzureißen und das Paris zu schaffen, das wir heute kennen“.

Martin Murphy möchte, dass die Menschen bei seinen Arbeiten ein zweites Mal hinschauen. Ein Projekt, mit dem er dieses Ziel sicher erreicht, ist das Fünf-Sterne-Superior-Hotel The Fontenay.
2013 gewann das Büro von Störmer Murphy and Partners mit seinem Konzept den Wettbewerb. Es ist eine Chance, die so schnell nicht wiederkommt, und es ist ein Grundstück, wie es so bald nicht wieder zu finden sein wird, meint der Hamburger Architekt. Die besondere Aufgabenstellung dabei: Eine Verbindung der Tradition des Hotels Vier Jahreszeiten und der Moderne des – ebenfalls von seinem Büro entworfenen – Designhotels „Side“. Doch wodurch hat ihr Konzept überzeugt? „Ich denke, der entscheidende Faktor war neben unserer Leidenschaft die Lust darauf, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen. Wir haben dem Gebäude durch die Materialität und die organische Form eine Identität verliehen“, so der Architekt. Die Assoziation von Hamburg mit weiß verputzten Bauten rund um die Alster wurde aufgegriffen, jedoch neu interpretiert. Keramik heißt das Zauberwort. Ein glänzendes, maritimes Material. Kombiniert mit der Formsprache, die von jedem Zimmer aus den bestmöglichen Blick auf die Alster bietet, wurde ein einmaliges Konzept geschaffen. Eine der größten Herausforderungen des Projekts stellte das Untergeschoss dar, in dem eine „Mini-Servicestadt“ aufgebaut werden musste. Das Lager, die Technik und andere wichtige Service-Points des Hotels sind dort positioniert. „Aufgrund der Gebäudeform, die kaum eine gerade Wand bietet, mussten wir ein eigenes statisches System entwerfen. Das war für uns neues Territorium“, blickt Murphy zurück.

„… eine Stadt ist von Menschen gebaut, nicht von Beton.“
Martin Murphy

In die Höhe bauen
Was bringt die architektonische Zukunft? Der Architekt hat einen Traum für Hamburg: ein Hochhaus mit Wohn- und Büroflächen, Entertainment und Gastronomie, „ein urbanes Konzept für eine Weltstadt“, wie Murphy sagt. Manchmal gehen Träume in Erfüllung: Jüngst erhielt Störmer Murphy and Partners den Zuschlag für ein neues Projekt am Baakenhafen: die „Wildspitze“,
Deutschlands erstes Holzhochhaus mit einer Höhe von etwa 64 Metern. Rund 190 Wohnungen, ein Drittel davon öffentlich gefördert, werden ergänzt durch Büro-flächen, Gastronomie und Entertainment-Angebote, zum Beispiel das erste deutsche Naturfilm-Kino.

Seit 25 Jahren nun fühlt sich Martin Murphy in Hamburg heimisch: Doch nicht nur die Architektur, sondern vor allen Dingen die Hamburger selbst sind es, die ihn von der Stadt überzeugten, denn „eine Stadt ist von Menschen gebaut, nicht von Beton“, betont er.

Im Gespräch mit: Louisa Wölke | Fotos: Marius Engels

 

Keramik – ein Material, das Martin Murphy liebt

 

Über Störmer Murphy and Partners
Gegründet wurde das Architekturbüro 1990 in Hamburg von Jan Störmer im Zusammenschluss mit Will Alsop, damals als Alsop & Störmer Architects. 2002 wurde der zweite Partner, Holger Jaedicke, ernannt. Seit 2009 firmiert das Unternehmen als Störmer Murphy and Partners. Mit Schwerpunkt auf Hotels, Büro- und Verwaltungsgebäude reicht das Portfolio von denkmalgeschützten Bauten über Neuplanung und Innenausbau bis zum Städtebau. Martin Murphy ist seit 2005 Partner des Büros. Er wurde in Wallasey, England geboren und studierte in London, Canterbury und Madrid.