Anne Meyer-Minnemann: Gala-Chefin im Interview

Gala-Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann
Gala-Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann

“Ziele erreichen und Träume leben”

Anne Meyer-Minnemann ist seit 2014 Chefredakteurin des Lifestyle-Magazins Gala. Im Interview erzählt uns die alleinerziehende Zweifach-Mama, wie sie den Alltag zwischen Job und Familie managt, warum es Müttern im Berufsleben nicht leicht gemacht wird und was sich im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dringend ändern muss.”

HANSEstyle: Sie haben geschafft, wovon viele träumen und sind bei der Gala von der Volontärin bis zur Chefredakteurin aufgestiegen. Was hat Ihnen auf diesem Weg geholfen?

Anne Meyer-Minnemann: Immer, wenn ich beruflich vorwärts kommen wollte, habe ich es bei meinem jeweiligen Chef angesprochen. Das ist etwas, was Frauen unbedingt machen sollten – leider tun sich viele damit schwer. Frauen sind oft zu bescheiden und wollen nicht den Anschein erwecken, mit ihrer Leistung zu prahlen.

Neben Ihrer Position als Chefredakteurin sind Sie alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern (13 und 11 Jahre). Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Ich habe Menschen, die mir dabei helfen: eine Haushälterin und ein Au-pair-Mädchen, das am Nachmittag dafür sorgt, dass die Kinder ihre Hausaufgaben machen oder Querflöte üben. Und die Kinder haben einen wunderbaren Vater, mit dem ich mir das Sorgerecht teile. Wir kriegen das sehr gut hin.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrer Rolle zwischen Mutter und Managerin?

Allem gerecht zu werden, einen guten Job zu machen und eine gute Mutter zu sein, die für ihre Kinder da ist, ist eine Herausforderung. Ich habe für mich die Devise ausgerufen: Mut zur Lücke. Man muss sich selbst verzeihen, wenn hin und wieder etwas unter den Tisch fällt. Ich kann mein Kind vielleicht nicht zum Flötenunterricht bringen, aber wenn das Konzert stattfindet, bin ich da. Man muss schauen, dass man die wichtigen Momente der Kinder teilt und in den nicht so wichtigen einfach mal loslässt.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihren Kindern?

Wenn ich nicht gerade auf Reisen bin, wecke ich meine Kinder auf, bringe ihnen einen Tee ans Bett, schmiere ihnen die Butterstullen für die Schule. Und wenn ich abends nach Hause komme, koche ich für uns. Mir ist es wichtig, ein geregeltes Familienleben zu haben, die Mahlzeiten zusammen zu verbringen und sich auf dem Laufenden zu halten. Das ist entscheidend, wenn man den Tag über nicht zu Hause ist.

Würden Sie gerne mehr Zeit zu Hause verbringen?

Ich glaube, dass es nicht wichtig ist, wie viel Zeit ich im Haus bin, sondern wie viel Zeit ich tatsächlich intensiv mit meinen Kindern verbringe. Wenn sie mich brauchen, bin ich für sie da. Abends setze ich mich oft zu meiner Großen ans Bett und sie zeigt mir ihre Snapchat-Geschichten und ihre Fotos, so dass ich an ihrem Leben teilnehme. Und wenn tagsüber etwas anliegt, schreiben wir das in unseren Familien-Chat.

Möchten Sie beruflich ihren Töchtern ein Vorbild sein?

Mir ist wichtig, dass meine Töchter starke Frauen werden, die selbstbewusst ins Leben hinausgehen und wissen, dass sie alles erreichen können, was sie wollen. Wenn das nun Mutter von fünf Kindern und Hausfrau sein sollte, wäre das für mich auch in Ordnung. Aber ich glaube schon, dass es gut ist, ein Vorbild für seine Kinder zu sein und zu zeigen, dass man frei und unabhängig ist, dass man seinen Weg verfolgen, seine Ziele erreichen und seine Träume leben kann. Egal, für welchen Lebensweg man sich entscheidet.

Welche Werte wollen Sie Ihren Kindern noch mitgeben?

Es ist mir wichtig, meinen Kindern Respekt vor anderen Menschen beizubringen. Das ist ganz gut gelungen, glaube ich. Meine Kinder würden nie jemanden anders behandeln, nur weil er nicht so ist wie sie. Wir leben in einer globalisierten Welt: Wenn ich mich da vermauere, nicht über meinen Tellerrand schaue und anderen Kulturen, Menschen, Geschlechtern und Körpern keine Offenheit entgegenbringen kann, dann bin ich falsch beraten in dieser neuen Zeit.

Es wird oft gesagt, dass es mit Kindern schwieriger ist, berufliche Ziele und Erfolge zu erreichen. Sind Kinder Karrierekiller?

Ich bin das beste Beispiel, dass das nicht der Fall ist. Bei mir hat weder das erste noch das zweite Kind meine Karriere gekillt. Das Problem sind vielmehr die Bedingungen, die Frauen in den Unternehmen vorfinden.

Welche sind das?

Es wird Druck gemacht, dass die Mütter in Vollzeit wiederkommen, in Teilzeit droht häufig ein unattraktiverer Job. Es gibt für Führungskräfte kaum Möglichkeiten, in Teilzeit zu arbeiten. Viele Unternehmen bieten auch immer noch nicht die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Außerdem gibt es Vorurteile, dass Frauen mit Kindern möglicherweise weniger leistungsfähig sind, weil sie an anderer Stelle viel leisten müssen. Dabei sind gerade Mütter supereffizient.

Wie könnte der Wiedereinstieg erleichtert werden?

Homeoffice, Flexibilität und Jobsharing sind Möglichkeiten. Auch Betriebskindergärten sind ein Thema. Und ich denke, dass der Blick auf Väter ein sehr altmodischer ist, der dringend geändert werden muss. Junge Männer nehmen zwar vermehrt Elternzeit, aber maximal ein halbes Jahr. Männliche Führungskräfte nehmen meist gar keine Elternzeit, denn das wird immer noch mit Skepsis betrachtet. Aber Väter und Mütter sind gleichberechtigt. Beide haben den gleichen Anspruch darauf, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Auch Väter im Management könnten Elternzeit nehmen oder in Teilzeit arbeiten. Solange Männer dann aber schief angeschaut werden, wird sich leider nicht viel ändern und auch keine Erleichterung für die Frauen geschaffen werden.

Sind Sie nach der Geburt Ihrer Kinder in Teilzeit gegangen?

Ich bin nie in Teilzeit gegangen. Ich habe ein anderes Modell gewählt: Ich habe bei beiden Kindern sehr lange Elternzeit genommen, jeweils zweieinhalb Jahre. Es war mir wichtig, in der frühen Prägungsphase für die Kinder da zu sein und eine gute Mutter-Kind-Beziehung aufzubauen. Aber: Ich habe während der Elternzeit 20 Stunden pro Woche gearbeitet, habe Projektarbeit gemacht, Sonderhefte konzipiert, Jahresrückblicke entworfen. Das ist wirklich wichtig, um den Anschluss nicht zu verlieren. Als die Kinder im Kindergartenalter waren, bin ich mit voller Kraft wieder eingestiegen.

Wie stehen Sie zu einer Frauenquote?

Ich denke, die Quote ist leider ein notwendiges Übel. Noch. Solange wir zu wenige Frauen in entscheidenden Positionen haben, muss erst einmal eine Quote her, damit sich etwas ändert. Wenn die gläserne Decke durchbrochen und eine faire Verteilung erreicht ist, wird sich ohnehin etwas ändern, schon allein, weil dann eine ganz andere Personalpolitik betrieben wird.

Was gefällt Ihnen an Hamburg?

Ich liebe diese Stadt mit allem was sie hat. Ich liebe die Gegensätzlichkeit zwischen der Schanze und Pöseldorf und zwischen dem Kiez und Blankenese. Ich liebe die Weltoffenheit und dieses Relaxte der Hamburger. Ich mag das Höfliche und dass man gut miteinander umgeht. Ich mag das Grün der Bäume und den brackigen Geruch der Elbe. Das ist einfach mein Zuhause.

Interview: Natalja Fischer

Über Anne Meyer-Minnemann

Ihre Karriere begann sie bei der Hamburger Morgenpost. Schnell wurde man bei der Gala auf die talentierte Gesellschaftsreporterin aufmerksam und warb Anne Meyer-Minnemann ab. Dort stieg die Hamburgerin zunächst zur Ressortleiterin und später zur Chefreporterin auf. Seit 2014 ist die 46-jährige Chefredakteurin der Gala und damit die erste Frau an der Spitze des Lifestyle-Magazins. Anne Meyer-Minnemann lebt mit ihren beiden Töchtern in Rotherbaum.