Zwischen Kunst & Vandalismus

Graffiti-Künstler N.O. Madski und Galeristin Isabella Augstein haben dasselbe Ziel: Graffiti gesellschaftsfähig machen | Foto: Marius Engels für HANSEstyle

Künstler und METROPOLE.KREATIV-Teilnehmer N.O.Madski über die Kreativität in Graffiti

Mechanisch konstruierte und Sci-Fi abstrahierte Buchstaben sind die Charakteristika des Style-Writings von N.O.Madski. Der international arbeitende Künstler lebt und arbeitet seit 2004 in Hamburg. Dabei wird er von der Golden Hands Gallery und deren Inhabern, Isabella Augstein und Dr. Christoph Tornow, unterstützt. Genau wie N.O.Madski setzt die Galerie auf expressive, außergewöhnliche Graffiti-Kunst. Ein Treffen mit einem beeindruckenden Hamburger Graffiti-Künstler.

Der Name N.O.Madski
N.O.mad, also Nomade, war für 20 Jahre mein Sprühername. Als ich zunehmend künstlerisch arbeiten wollte, ging es darum, das einerseits beizubehalten und gleichzeitig zu verändern. N.O.Madski kann man auch als richtigen Namen verstehen – das ist der Clou daran: Norbert Otto Madski.

Layers spraypaint on canvas, 100 x 80 cm | Foto: N.O.Madski

 Sein Weg in die Graffiti-Szene
Ich bin schon relativ lange dabei. Als Zwölfjähriger wurde ich in Bremerhaven damit konfrontiert. Das Faszinierende für mich war, dass Graffiti eine Alternative war zu dem, was ich im traditionellen Setting erlebte: Man wächst auf, alles ist vorgedacht, Schule, Job und so weiter. Und es gibt so viele Erwartungen – durch Eltern oder Bekannte oder Verwandte und auch die Gesellschaft. Graffiti war einfach ein Alternativentwurf, der nicht nur einen politischen Charakter hatte und das Abtauchen in eine Schattenwelt bedeutete, sondern der die Kreativität in den Mittelpunkt stellte.

Darum Graffiti
Graffiti hat einen Kern von Revolution. Ich gehe irgendwohin, gestalte etwas mit Farbe, tue keinem weh und drücke mich dabei aus. Das ist die künstlerische Freiheit schlechthin.

Immer wieder neu: Die„Style-Writings“
Graffiti ist inzwischen in der Kunst und auch in der Kunstwahrnehmung stark durch einen illustrativen Charakter gekennzeichnet. Im eigentlichen Graffiti, das sich im Zuge des American Hip-Hop entwickelt hat, ging es um: ICH schreibe meinen Namen an die Wand, ICH bin hier, ICH bin etwas wert, ICH bin kreativ. Es geht also eigentlich um das Schreiben. Und wenn wir von „Style-Writing“ reden, dann beinhaltet das eine bestimmte Form von Ästhetik. Für mich war relativ schnell klar, dass ich Originalität möchte. Der klassische Sprayer sprüht sein Kürzel in immer der gleichen Weise immer wieder. Mein Anspruch ist, dass ich immer wieder neu kreiere und neu gestalte. Dafür bin ich im Graffiti-Kontext auch bekannt geworden. Dass ich meinen Schriftzug immer neu interpretiere.

The Yellow Sign, acrylic on canvas, 90 x 90 cm, 2017 | Foto: N.O.Madski

Von der Hauswand auf die Leinwand
Ich habe irgendwann für mich gesagt, dass ich das weiterentwickeln möchte, nicht nur die Wand draußen benutzen, sondern diese Ästhetik auch weiterbringen und weiter abstrahieren will. Da ist eine Leinwand ein geeignetes Medium. Natürlich spielte dann auch mit rein, dass ich möchte, dass meine Arbeit auf möglichst vielen Ebenen Anerkennung erfährt. Dafür ist die Golden Hands Gallery ein Ort. Außerdem hat mich dieses „Graffiti ist keine Kunst“ immer furchtbar schockiert. Was ist denn Kunst? Es geht doch letztlich immer um den freien persönlichen Ausdruck.

Graffiti = Vandalismus?
Wir leben in einer total konsumorientierten Gesellschaft. Keiner würde auf die Idee kommen, es schlimm zu finden, wenn auf einem Zug Coca-Cola stände. Die Frage ist immer: Wer hat dafür bezahlt? Natürlich: Wenn es darum geht, dass Fensterscheiben zerkratzt oder eingeworfen werden, ist es etwas anderes. Ein entscheidender Punkt ist für mich die Zweckentfremdung. Bei Zügen kann man das sehr gut sehen. Die Funktion eines Zuges ist es, den Transport von A nach B zur Verfügung zu stellen. Ob er jetzt eine bemalte Oberfläche hat oder nicht, spielt für seine Funktion keine Rolle.

Graffiti und das Gesetz
Von der Gesetzeslage ist es so, dass Graffiti juristisch nicht nur als Verschmutzung gilt, sondern auch als Beschädigung. Graffiti befeuert eine Diskussion um Eigentum, Ästhetik und Kunst – und das ist super.

Aus der Ausstellung KAYA VI with Nomad, Kerstin Brätsch/Debo Eilers, Gallery MeyerKainer, Wien, 2014 | Foto: N.O.Madski

Das ist für ihn Kunst
Aus meiner Perspektive ist Kunst eine Art von Sprache, in der man sich ausdrückt und etwas gestalten kann. Das heißt natürlich nicht, dass jeder, der sprechen kann oder im Zweifelsfall etwas gestaltet gleich ein Künstler ist. Es muss auch eine Spur hinterlassen, also etwas verändern, eine Perspektive aufbrechen. Oder auch revolutionieren. Aus diesem Denken heraus bin ich, wie das auch Beuys vertreten hat, der Meinung, dass jeder Mensch ein Künstler sein kann und vielleicht auch sein muss, wenn wir gemeinsam in einer Gesellschaft leben und das Ziel verfolgen, das Leben als eine für alle positive Geschichte zu gestalten.

Sein Motto
Als ich jung war, habe ich mal einen englischen Leitsatz gelesen: ,Don’t warm at the fire, be the flame‘. Ich gestalte mein Leben und bin dabei vielleicht für andere ein Vorbild.

Über den METROPOLE.KREATIV AWARD
Ich sehe den Award als eine Chance. Ich finde es schön wenn es Möglichkeiten für Leute gibt, die nicht den klassischen Weg gegangen sind, sich darzustellen, ihre Kunst zu zeigen und auch etwas zu bewegen.

Im Gespräch mit: Anne Simone Krüger


Golden Hands Gallery:

In der Golden Hands Gallery präsentieren die Inhaber Isabella Augstein und Dr. Christoph Tornow aufstrebende und etablierte Künstler aus der nationalen und internationalen Urban-Art-Szene. Im Vordergrund stehen Werke von Graffiti-Künstlern und deren Integration in die Kunstbranche. In ihrer Funktion als Galeristen, beraten Isabella Augstein und Dr. Christoph Tornow Kunstliebhaber zum Aufbau und zur Erweiterung ihrer Sammlungen und beschaffen auf Wunsch Arbeiten von renommierten Künstlern.

Golden Hands Gallery
Kaiser-Wilhelm-Straße 85
20355 Hamburg
www.goldenhandsgallery.com