WISSENSCHAFT & FANTASIE

Frankie Gao vereint die Natur mit dem Universum, wie bei ihrem dreiteiligen Werk „Triptych“ Triptych 183,55 x 86 cm Bleistift, Tusche und Acryl auf Papier 2017

Die Kunst der Frankie Gao 

Aufgewachsen in China, Studium in den Niederlanden, New York und Beijing, Herz verloren in Hamburg: Die bildende Künstlerin Frankie Gao ist fester Bestandteil der internationalen Kunstszene. In ihren Werken verbindet sie mit Tusche und Graphitstift wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Astronomie mit der Philosophie des Menschseins. Heute lebt die 34-Jährige in der Hansestadt und zählte zu den Bewerberinnen für den von HANSEstyle initiierten Metropole.Kreativ Award 2017. Was die Künstlerin inspiriert und was ein Kinderbuch damit zu tun hat, verriet sie im Interview mit HANSEstyle.

Sie sind geboren und aufgewachsen in Beijing, China.
Wie kamen Sie nach Hamburg?
Das war ein glücklicher Zufall. Der Wunsch, die Welt zu entdecken, führte dazu, dass ich mich nach der Universität für ein dreijähriges Masterprogramm und anschließend für ein weiteres Studium in Europa – in den Niederlanden – entschied. Dort traf ich meinen heutigen Lebensgefährten, der in Hamburg arbeitete. Nach sechs Jahren Fernbeziehung beschloss ich, auch nach Hamburg zu ziehen.

Wer hat Ihre Kunst am meisten geprägt?
Hieronymus Bosch, ein niederländischer Maler der Renaissance.

Worum geht es in Ihren Werken?
Meist befasse ich mich mit Science-Fiction, wissenschaftlicher Forschung, Dokumentarfilmen über die Quantenphysik, der Dunklen Materie sowie der Überlegung, wie das Universum und die menschliche Existenz zueinander in Beziehung stehen. Viele meiner neuesten Arbeiten sind von einer Reihe philosophischer Fragen inspiriert: „Wer sind wir?“ und „Was bedeutet es, menschlich zu sein in diesem Universum?“.

Welche Technik benutzen Sie bei Ihrer Kunst?
Graphitstift und Tinte. Unabhängig von der Größe der Arbeit beginnt alles mit einem einzigen Linienstrich – wie das Universum, beginnend vom Urknall.

Wer oder was inspiriert Sie?
In der dritten Schulklasse gab es einen beliebten japanischen Manga namens „Saint Seiya“, der von zwölf Heiligen Kriegern erzählte, die gegen böse Geister kämpften. Dieser Manga lehrte mich die zwölf Konstellationen, neun Planeten im Sonnensystem sowie das Universum. Später kauften mir meine Eltern wissenschaftliche Kinderbücher. Eines von ihnen handelte von Astronomie und bot mir die verschiedensten Erkenntnisse, zum Beispiel wie schnell Licht reisen kann. Als neunjähriges Mädchen war ich über all das sehr erstaunt und träumte davon, wie es wohl im Weltraum sei. Mit 24 Jahren wendete ich mich dem tibetischen Buddhismus zu, der zu den wichtigen Wendungen in meinem Leben gehört und mich zu einem noch tieferen Verständnis unserer Welt und des Universums führte. Jede einzelne Entdeckung begeistert mich und gibt mir die Kraft, morgens früh aufzuwachen und mit der Arbeit zu starten.

 

Was war bisher das aufregendste Projekt in Ihrer Karriere als Künstlerin?
An dem aufregendsten Projekt arbeite ich seit Anfang 2017: die Serie „In einer Galaxie nicht so weit, weit weg“, in der ich eine Reihe von fragmentierten, mystifizierenden Fantasien erzähle, die Expedition, fremde Planeten sowie ihre Metamorphose beinhalten.

Ist Hamburg für Sie eine Kunst-Metropole?
Mit seiner Offenheit und Vielfalt sowie der Diversität der Menschen aus aller Welt, ja. Abgesehen davon bietet  Hamburg viele Museen, Galerien und kulturelle Attraktionen. Einer meiner Favoriten ist das Museum für Kunst und Gewerbe mit regelmäßig neuen Ausstellungen.

Was kann Hamburg noch verbessern?
Die verstärkte Förderung von Künstlern durch Stipendien und Programme, mehr Galerien sowie internationale Kunstevents würden Hamburg zu einer stärkeren Wahrnehmung als Kunststadt verhelfen.

Können Sie von Ihrer Kunst leben? Wer fördert Sie?
Ein Künstler zu sein, ist eine Berufung, kein Job, den man wählt, um Rechnungen zu bezahlen. Ich habe das Glück, einige freiberufliche Jobs im Kunstmarketing und Projektmanagement sowie der Illustration und Art-Direktion ausüben zu können. Außerdem unterstützen mich meine Eltern.

Beitrag: Louisa Wölke | Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle | Foto Kunstwerk: Frankie Gao

 

Frankie Gao erklärt Redakteurin Louisa Wölke die Idee hinter ihrem Werk „Water #2“

 

Frankie Gao
Sie verbindet in ihrer Kunst ihre Gedanken zum Großen Ganzen: dem Universum, der Existenz und menschlichen Gesellschaft. Ihre Verbildlichungen dieser Themen faszinieren Menschen auf der ganzen Welt. Unter anderem in New York, Beijing, London und Hamburg waren Frankie Gaos Werke bereits zu sehen. Ihr Werk „Water #3“ ist Teil der Ausstellung des Kahnweilerpreises 2017. Die Ausstellung eröffnet am 26. November 2017 im „Museum Pachen – Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts“ in Rockenhausen.

Weitere Informationen: https://www.frankiegaovisual.com