Wirtschaftsjunioren Hamburg

Zwei Wirtschaftsjunioren: Unternehmerin Katharina Gräfin von Polier und Bänker Niels Pirck in der Handelskammer Hamburg.
Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Die jungen Macher bei der Handelskammer Hamburg – frische Dynamik aus Tradition für die Wirtschaft Hamburgs

Die Handelskammer Hamburg gilt als älteste Handelskammer Deutschlands und ist seit dem 1. 1. 1867 die Nachfolgerin der am 19. 1. 1665 gegründeten Commerz-Deputation. Sie vertritt ca. 150.000 Mitgliedunternehmen. In ihrem Sitz in der Neuen Börse am Adolphplatz sind auch die Wirtschaftsjunioren Hamburg angesiedelt. In dem traditionsreichen Gebäude trifft HANSEstyle den ersten Sprecher des Vorstands der Wirtschaftsjunioren, Niels Pirck und die Pressebeauftragte Katharina Gräfin von Polier. Enthusiastisch erzählen der 37-Jährige und die 34-Jährige über die Arbeit in der „Innovationswerkstatt“ der Handelskammer, die von ihnen mit wirtschaftlichen Themen begleitet wird und geben Einblick in die spannende Bedeutung der Wirtschaftsjunioren für Hamburg.

Über die Gründung
Gegründet wurden die Wirtschaftjunioren bei der Handelskammer Hamburg 1952, um dem Nachwuchs aller Hamburger Unternehmer in ehrenamtlicher Funktion eine bedeutende Rolle innerhalb der Handelskammer Hamburg zu geben. Seitdem engagieren sich die Wirtschaftsjunioren für wirtschaftliche und soziale Belange in Hamburg.

Die Philosophie
Die Wirtschaftsjunioren sehen sich als die Stimme der jungen Wirtschaft. Vernetzung, Vielfalt, Veränderung und Verantwortung sind die vier Vs, die das Credo der Wirtschaftsjunioren prägen nach dem Motto „Handeln für Hamburg“. Finanziert werden sie durch die Beiträge ihrer Mitglieder.

Wer mitmacht
130 Führungskräfte und Unternehmer, die mit ihren innovativen Ideen etwas in der Hamburger Wirtschaft bewegen wollen. Zu finden sind Mitglieder aus sämtlichen Branchen, vom Ein-Mann-Betrieb bis hin zu großen Firmen, z. B. aus Mode, IT, Handel, Logistik etc. Großer Wert wird auf Branchenvielfalt gelegt, um Synergieeffekte zu schaffen. Der Anteil von Frauen und Männer ist mit 50:50 Prozent ausgeglichen.

Über die Aufnahmebedingungen
Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in der Handelskammer Hamburg, des eigenen Unternehmens oder dem, bei dem man angestellt ist. Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 230 Euro pro Jahr. Man bewirbt sich schriftlich und wird zu einem Vorstellungsgespräch mit einem Mitglied des Vorstands geladen. Der Bewerber muss unter 40 Jahre alt sein und den Vorstand mit ehrlicher Absicht und dem Willen zum Engagement überzeugen. Einmal im Jahr trifft der Vorstand gemeinsam die Entscheidung über die Aufnahme. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass die Wirtschaftsjunioren konkret an Unternehmen herantreten und so neue Mitglieder ansprechen.

Dynamik und Aktivität erwünscht
In Hamburg besteht die besondere Usance, dass die Mitgliedschaft auf fünf Jahre begrenzt ist. So soll dafür gesorgt werden, dass keine verkrusteten Strukturen entstehen können. Diese fünf Jahre kann das Mitglied sehr aktiv gestalten: z. B. durch innovative wirtschaftliche Konzepte Neues bewegen, Betriebe besichtigen, andere Branchen kennenlernen, wirtschaftsbezogene Trainings absolvieren oder betreuen, Seminare besuchen, am Thema Bildung mitarbeiten, Vorträgen lauschen oder selbst Vorträge halten. Eingeladen wird zu Konferenzen in Norddeutschland, nationalen Konferenzen europaweit oder auf der ganzen Welt. Wer einmal Wirtschaftsjunior war, hat ein besonderes Standing, das sich für den weiteren Berufsweg durchaus positiv auswirken kann. Nach Aufgabe der Mitgliedschaft gibt es die Möglichkeit, sich im Verein der ehemaligen Junioren auf endlose Zeit zu engagieren, hier steht dann das Netzwerken im Vordergrund.

Katharina Gräfin von Polier ist verantwortlich für die Pressearbeit und Niels Pirck ist erster Sprecher im Vorstandsteam der Wirtschaftsjunioren | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle
Katharina Gräfin von Polier ist verantwortlich für die Pressearbeit und Niels Pirck ist erster Sprecher im Vorstandsteam der Wirtschaftsjunioren | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Über die Organisation
Der Vorstand ist für die gesamten Tätigkeiten gegenüber der Handelskammer als auch der Mitglieder und die Strategie verantwortlich. Sechs Mitglieder der Wirtschaftsjunioren bilden den Vorstand für ein Jahr mit einem ersten Sprecher, derzeit Niels Pirck, dem zweiten Sprecher Lars Hartenstein und dem Kassenwart Marcel Block. Ergänzt wird das Team des Vorstands, dem auch Alexander Jamil, Mathhias Kuhaupt und Thorsten Preisegger angehören, durch Entsandte der Handelskammer Hamburg: das feste Vorstandsmitglied Dr. Dirck Süß und der Leiter der Geschäftsstelle der Wirtschaftsjunioren, Jürgen Sosnowski. Die Vorstandsmitglieder betreuen in ihrer Funktion je einen der fünf Ausschüsse der Wirtschaftsjunioren. Einmal im Monat gibt es ein fixes Datum, an dem alle Wirtschaftsjunioren anwesend sind, außerdem ein monatliches Treffen des Ausschusses, in dem das jeweilige Mitglied tätig ist. Hier stehen Räumlichkeiten der Handelskammer zur Verfügung oder man trifft sich in einem der Unternehmen.

Die Ausschussarbeit
Es gibt fünf Ausschüsse, in einem muss jedes Mitglied aktiv sein: Existenzgründung, Handel/Verkehr, Industrie/Umwelt, Internationales und Schule/Wirtschaft. Die Wirtschaftsjunioren beschäftigen sich hier ausführlich mit diversen Themen, bringen ihre persönliche Erfahrung mit ein und arbeiten diese aus. Inhalte der Ausschüsse sind auch projektbezogene Themen. Diese werden intern vorgestellt und der Handelkammer präsentiert. Derzeit gibt es ein Arbeitsteam Olympia mit dem Ziel der Mobilisierung der Bevölkerung Hamburgs und damit der Beleuchtung der Chancen und Risiken für Hamburg.
Im Kontext der Paralympics analysiert der Ausschuss Handel/Verkehr die Zugänglichkeit und Bedingungen für Menschen mit Behinderung in Hamburg. In einer öffentlichen Veranstaltung werden die Ergebnisse der Bevölkerung Hamburgs im Hinblick auf das Referendum für Hamburg am 29. November zugänglich gemacht.

Wichtige Projekte
Es gibt Projekte mit internem und externem Bezug, wobei das Angebot sehr vielfältig ist:
In der Nachwuchsförderung werden bei den „Klassenpatenschaften“ Abiturklassen über einen Zeitraum begleitet und bezüglich ihres zukünftigen Berufswunsches beraten, auf einen Studiengang vorbereitet oder für mögliche Bewerbungsgespräche trainiert. Mit „1000 und Deine Chance“ unterstützen die Wirtschaftsjunioren bundesweit Sozialpädagogen gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, um benachteiligten Jugendlichen beim Berufseinstieg zu helfen. Netzwerk bedeutet u. a. durch den „Ausflug nach Feierabend“ einen Einblick in ein unbekanntes Land zu bekommen. Gastreferenten aus fernen Ländern berichten über wirtschaftliche und kulturelle Gegebenheiten in ihrer Heimat. `Herzlich WJ’llkommen´ ist eine Reihe von Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Handelskammer und der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Aufgabe ist die wirtschaftliche und soziale Integration von Neu-Bürgern in Hamburg. Beim Transfer werden neben dem  Bewerbertraining für Schüler auch Schulleiter gecoacht, die neu in dieser Position sind. Diese werden hinsichtlich des veränderten Wirtschaftsgefüges der heutigen Schulbetriebe intensiv betreut.
Besonderen Fokus legen die Wirtschaftsjunioren auf das Thema „Gründer“. Projekte wie Gründertreff, Gründerakademie oder Gründergeist sind hier zu nennen, die sich immer zum Ziel setzen Erfahrungen zu vermitteln und Starter in der Selbständigkeit mit Rat und Tat zu unterstützen und sie zu trainieren. Mit dem GründerGeist ist ein jährlicher Businessplan-Wettbewerb ins Leben gerufen worden, bei dem Experten die drei besten Ideen von Gründern bewerten und diese mit einem Geldpreis von 1.000 bis 3.000 Euro belohnt werden.

(Internationale) Vernetzung
Bundesweit gibt es den Dachverband der Wirtschaftsjunioren Deutschland, die wiederum auch Teil des internationalen Verbandes „Junior Chamber International“ sind. Der Vorteil dieser Vernetzung ist nicht nur, dass man auch über die Grenzen Hamburgs hinaus Ansprechpartner für wirtschaftliche Themen hat. Es sind bereits Freundschaften zwischen Hamburg und den anderen 209 Mitgliederkreisen und damit den gesamt 10.000 Mitgliedern in Deutschland entstanden. Selbst im Ausland helfen sie sich untereinander – es ist kein Problem, bei Fragen eines der gesamt 200.000 internationalen Mitgliedern zu kontaktieren.

Ihr soziales Engagement
Mit dem Leuchtturmprojekt Make A Difference Day – MADD wird seit zehn Jahren ein Sportfest der besonderen Art für Menschen mit und ohne Behinderung gefeiert. Finanziert wird die Veranstaltung durch das Sponsoring von namhaften Firmen, mit Spenden und dem Erlös des Kochbuchs der Wirtschaftsjunioren „Hamburg isst anders“, das durch eine Projektidee des Ausschusses Industrie/Umwelt entstand.

Text: Nathalie E. Reinschmidt


Niels Pirck, 37, Regionaleiter der Hamburger Sparkasse AG, wird seiner Rolle im Vorstand der Wirtschaftsjunioren durch großes Engagement gerecht. Schon die Tradition seiner Bank verband ihn mit den Wirtschaftsjunioren – 2012 wurde er Mitglied. „Durch die neuen Tätigkeitsfelder und das persönliche Einbringen mit Reden, Vorträgen und Präsentationen sehe ich eine große Bereicherung zu meiner eigentlichen Tätigkeit.“ Trotz des hohen Arbeitsaufwandes seines täglichen Jobs, ist er im Monat zusätzlich noch fast 40 Stunden für die Wirtschaftsjunioren tätig. Er engagiert sich gern in internationalen und sozialen Projekten, da seine berufliche Tätigkeit eher auf die Region bezogen ist und sich für ihn so neue Perspektiven erschließen.


Katharina Gräfin von Polier, 34, Unternehmerin aus Leidenschaft, gründete 2010 „knights & roses“. Ihre hochwertigen Ledertaschen und Accessoires stehen für die Symbiose Tradition und Modernität, ihre Designideen gibt es in renommierten Geschäften in ganz Deutschland und Online. Bei den Wirtschaftsjunioren ist sie seit 2015 mit Herzblut dabei: „Als gebürtige Hamburgerin besitze ich einen angeborenen Patriotismus. Ich war mit meinem Unternehmen gesettled und hatte Lust, neue Erfahrungen zu machen und dabei anderen zu helfen. So bewarb ich mich.“ Als Mutter einer halbjährigen Tochter powert sie neben Business noch über 20 Stunden für die Wirtschaftsjunioren. Sie bringt die Erkenntnisse, die sie weltweit als selbständige Unternehmerin gesammelt hat, auch in den Ausschuss Internationales mit ein.