Windsor-Punk aus Hamburg Ciddy

Klassisch, extravagant, provokant - interessant: Bent Angelo Jensen
Foto: PR

Zwischen Tradition und Provokation:
Bent Angelo Jensen ist „Herr von Eden“

Jan Delay, Wolfgang Joop und Thomas Gottschalk tragen seine Kollektionen. Er selbst verlässt nie ohne Anzug das Haus: Modedesigner Bent Angelo Jensen. Der Gründer von „Herr von Eden“ liebt die Tradition – und Provokation. Trends lassen ihn kalt, lieber setzt er sie selbst. Bent Angelo Jensen ist einer der extravagantesten, einflussreichsten deutschen Modedesigner. Er pflegt den klassischen Stil der Herrenmode und fordert ihn zeitgleich selbstbewusst heraus.

In den Adern von Bent Angelo fließt dänisches Blut. Er ist in Sønderborg geboren, in Flensburg aufgewachsen und lebt seit nunmehr 20 Jahren in Hamburg. Seine ersten Schritte auf dem Hamburger Modeboulevard ging Jensen mit dem Second Hand Store „24 Hours – 24 Cabins“ im Karolinenviertel. 1998 nannte er sein Geschäft in „Herr von Eden“ (HvE) um und spezialisierte sich mit Anzügen und Jackets auf gehobene Vintage-Herrenausstattung. Kurz darauf entwarf der Autodidakt seinen ersten eigenen Anzug, den seine ältere Schwester Britta, gelernte Schneiderin, anfertigte. Herr von Eden wuchs und wuchs, eröffnete Standorte und weitete die Kollektionen aus – bis hin zu Damenmode. Als er 2013 in eine finanzielle Schieflage geriet, erfuhr er großen Rückhalt durch zahlreiche Hamburger Prominente. Heute konzentriert der Designer sich wieder ausschließlich auf Herrenmode. Mit jedem Anzug, den der 39-Jährige entwirft, rückt er seinem Ziel ein Stück näher: Die perfekte Silhouette. Jensen liebt es traditionell und provokant; seinen Modestil nennt er deshalb gern „Windsor-Punk“. Dieser manifestiert sich in einer Kombination aus Nostalgie und Avantgarde. Das Stammhaus von HvE befindet sich in der Hamburger Marktstraße, auch in Berlin und Köln gibt es Boutiquen. Der Modedesigner wohnt in St. Georg und ist glücklich mit der House- und Techno-Produzentin Esther Silex aus Köln liiert.


Wie tickt DER HvE-Gründer?
10 Fragen an Bent Angelo Jensen

1. Planen oder machen?
Beides bringt einen voran. Zu Beginn meiner Karriere, mit Anfang zwanzig, dominierte eindeutig das „Machen“. Heute beeindruckt mich so mancher Aktionismus aus dieser Zeit, den nötigen Schneit und Mut bringe ich inzwischen deutlich seltener auf. Mittlerweile überzeugen mich gut durchdachte und geplante Prozesse. Erfahrener, konservativer – und erfolgreicher!

2. Fliege oder Krawatte?
Immer anlassgerecht! Versteht sich doch von selbst … Denn jede Krawatte und Schleife (korrekte Bezeichnung einer „Fliege“) hat ihre ganz eigene Wirkung im Gesamtlook und auf das Gegenüber. Schleifen sind meiner Empfindung und Einschätzung nach charmanter und entwaffnen, wer sie gern trägt ist klar im Vorteil.

3. Schuhe: Lack oder Leder?
Lack ist auch Leder … Und ich lebe nicht vegan. Lackschuhe bitte stets zum Smoking!

4. Gürtel oder Hosenträger?
Easy … Den hochwertigen Ledergürtel bitte zur Jeans, Chino, Moleskin­ und Cordhose. Dazu Strick und Lederjacke … Die vielen schönen HvE-Hosenträger bitte zu delikaten Wollstoffen wie zu Anzughosen und Anzügen.

5. Kino oder Theater?
Je nachdem, was geboten wird.

6. Fahrrad oder Auto?
Natürlich das Fahrrad! Ich lebe seit 20 Jahren in Hamburg (Ciddy!) und genieße es jeden Tag, keinen PKW zu besitzen. Ständig Parkplatznot, Knöllchen und Beulen … Das macht einen doch fertig! Ich liebe die Flexibilität durchs Laufen, U­-/S­-Bahn fahren und natürlich den 24/7­-­Service von Hansa 211 211!

7. Hund oder Katze?
Selbst bin ich mit mittelgroßen bis großen Hunden aufgewachsen und bilde mir ein, „Hundesprache“ zu können … Ich liebe Hunde sehr, kann kaum an einem vorübergehen ohne ihn zu grüßen. Aktuell ist jedoch „Killer Cat VERON“ bei uns zu Hause zu Gast, er bringt es (hoffentlich!) mit den Untermietern in Ordnung. Es leben 1 bis 2 Mäuse hinterm Kühlschrank. Die Fallen haben sie nicht beeindruckt, jetzt muss Veron für Ordnung sorgen.

8. Welche Stadt: Hamburg, Paris oder New York?
Immer wieder und für immer Hamburg ;­-). Jedoch sind die märchenhaften Kulissen in Paris und New York unersetzlich und ein gelegentliches Muss.

9. Feiern: Club, Bar oder Restaurant?
Privat bei Freunden oder ins Restaurant „Gitane“ in der Gurlittstraße (St. Georg), anschließend in den Club und im Idealfall legt mein Herz „Esther Silex“ oder Stefan aka DJ Koze auf. Dann wird gefeiert!

10. Wein, Bier oder Longdrink?
Gegen den Durst ein alkoholfreies Weizen oder ein Flensburger Pilsener. Als Aperitif ein Glas Champagner. Im Sommer viel Weinschorle – wenn es der richtige Wein ist. Zum Lift­-off supersonic Moscow Mule oder Hendrick’s Gin & Tonic!

Text: Sarah Bischoff