„Was soll ich in Bayern?!“

Ein Tanz auf den Spätsommer. Katja Lauritzen genießt das Scharbeutzer Flair | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Ostsee-Holstein-Tourismus e. V., spricht über den aktuellen Wandel der Ostseeregion, neue Hotels und die Hotspots des Nordens

In den letzten Jahren ist die Nebensaison stärker in den Fokus gerückt. Warum zieht es die Menschen jetzt besonders auch im Winter an die Ostsee?
Es gibt immer mehr Gäste, die in der „dunklen Jahreszeit“ hierher kommen, um die andere Seite der Küste zu genießen – das Ruhige, die Strandspaziergänge, Well-nessangebote, kulturelle oder kulinarische Angebote. Früher war das nicht so ausgeprägt – im Winter war die Küste nahezu „ausgestorben“. Der Wandel ist gut sichtbar, zum Beispiel in Scharbeutz. Durch gezielte Investitionen in die öffentliche Infrastruktur wurde der Ort zeitgemäß gestaltet, so dass zum Beispiel viele neue gastronomische Angebote entstanden sind. Ein Ergebnis dieser verbesserten Infrastruktur ist, dass sich zunehmend auch neue Hotels ansiedeln.

Welche neuen Hotels machen dieses Jahr auf?
Im September hat die „Bretterbude“ in Heiligenhafen aufgemacht und im Dezember eröffnet dort das neue „Beachmotel“ – beides Lifestylehotels. Auf dem Priwall wird ab nächstem Jahr eine neue Kombination aus Hotel, Tagungshotel und Ferienwohnungsanlage gebaut. Und ein a-ja-Resort eröffnet dort 2018, nachdem bereits im letzten Jahr eins in Grömitz eröffnet hat. Beispiele für neue Hotelprojekte gibt es noch mehr an der Küste.

Wie verändern die neuen Hotels die Region?
Mit den Hotels gibt es nun unter anderem Wellnessangebote. Ich mochte früher Wellness nur ungern mit der Ostsee in Schleswig-Holstein herausstellen. Wir hatten zwar u. a. den „Alten Meierhof“ in Glücksburg oder das „Hotel Hohe Wacht“ in Hohwacht – letztlich aber viel zu wenig! Es ist sehr schön, dass sich das Angebot jetzt entwickelt und wir dieses Segment stärker bewerben können.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Urlauberzahlen?
Die Situation bei uns ist sehr positiv. Letztes Jahr hatten wir z. B. 5,8 Prozent mehr Gäste und 2016 werden wir schätzungsweise wieder 5 Prozent mehr Gäste haben. Das liegt vor allem an den neuen Kapazitäten. Wir haben bzw. werden noch ca. 6.000 neue Betten an der Küste hinzu bekommen, im letzten Jahr waren es schon 2.000. Da müssen die Zahlen einfach steigen. Es sei denn, es gäbe eine Verdrängung, also dass die alten Hotels darunter leiden, dass es neue gibt. Aber das merken wir derzeit nicht.

Reisen Sie als Touristikerin viel herum?
Für mich ist wichtig, in den Orten zu sein, weil sich gerade so viele Entwicklungen auftun – die würde ich sonst nicht mitbekommen. Aber ich bin nicht nur unterwegs. Viel geht ja auch per Telefon und E-Mail.

Sie kommen gebürtig aus der Lüneburger Heide. Also nicht aus Ihrem heutigen Wirkungskreis …
Gerne wäre ich gebürtige Schleswig-Holsteinerin. Dafür wohne ich schon lange hier und kann mir auch nicht mehr vorstellen, woanders zu leben. Außer in Hamburg. Was soll ich in Bayern?! Hier gibt es eine so wahnsinnig hohe Lebensqualität.

Backstage in Scharbeutz: Katja Lauritzen beim Shooting mit Tim Wendrich an einem dieser besonders schönen Spätsommertage 2016
Backstage in Scharbeutz: Katja Lauritzen beim Shooting mit Tim Wendrich an einem dieser besonders schönen Spätsommertage 2016

Welches sind Ihre persönlichen Lieblingsplätze an der Ostsee?
Das sind einige. Aber das Bootshaus mit dem Beachclub am Schloss Weissenhaus gelegen mag ich derzeit besonders. Da können die Kinder am Strand spielen und wir genießen ein Glas Wein. Ansonsten kommt es immer darauf an, wozu wir gerade Lust haben. Manchmal ist uns die Küste auch zu voll, dann ist es schöner, mit dem Kanu auf einem der Seen in der Holsteinischen Schweiz zu fahren.

Welche Kernzielgruppe sprechen Sie an? Wie wichtig ist Hamburg für die Ostseeregion?
Hamburg ist ganz wichtig, aber auch Niedersachsen, das nördliche Nordrhein-Westfahlen, Hessen, Süddänemark und Südschweden. Das ist unser Radius. Hamburg ist ein wichtiger Premiummarkt und gerade auch für Tagesausflüge in die Lübecker Bucht sehr wichtig. Wir haben es im Übrigen auch schon in der Hauptstadt versucht – aber die Berliner fahren eher nach Usedom oder Rügen.


Und was macht die Ostsee-Holstein-Tourismus-Geschäftsführerin gerne in ihrer Freizeit?
Katja Lauritzen: Joggen und Pilates – das macht den Kopf frei und hält mich fit. Ansonsten habe ich zwei Kinder, fünf und neun Jahre alt. Wenn ich nach Hause komme ist klar, wie das Programm läuft.