Von den Benken in die Köpfe

Model, Autorin, Influencerin: Marie von den Benken

Ob „Germany’s Next Topmodel“, Politik oder vegane Ernährung – die aparte Hamburgerin Marie von den Benken steht als Model, Autorin und Twitter-Persönlichkeit öffentlich zu ihrer Meinung und überzeugt dabei nicht selten mit sarkastischem Wortwitz. Mit HANSEstyle sprach die 28-Jährige über persönliche Grenzen, ihr Influencer-Dasein und die Model-Realität. 

Vom Modeln zum „stern“
„Mit 14 Jahren wurde ich in Hamburg von der Agentur Place Models angesprochen. So begann ich zu modeln, zunächst am Wochenende und in den Ferien. Nach dem Abitur wurde das mehr.
Modeln alleine war mir auf Dauer aber zu eintönig. 2011 entdeckte ich Twitter, wo Wortspielverrückte wie ich sofort ein Zuhause finden. So ergaben sich auch Anfragen wie die von stern online.“

Germany’s Next Topmodel: Fluch oder Segen
„Betrachtet man Germanys Next Topmodel nicht als Blaupause des Modellebens, ist das TV-Format durchaus unterhaltsam und bietet den Teilnehmerinnen einen Mehrwert. Die Mädchen können in sehr komprimierter Zeit viele Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen. Sie können sich den Weg als seriöses Model durch so ein Format aber auch schnell verbauen, wenn sie im Fernsehen mit negativen Charaktereigenschaften assoziiert werden. Ob die Sendung Bestand hat? Ich sage es mal so: Gäbe es Aktien von Germany’s Next Topmodel, würde ich welche kaufen.“ 

#metoo in der Modelbranche
„Die #metoo-Kampagne hat gezeigt, dass das Thema sexuelle Übergriffe alle Branchen betrifft. Natürlich ist die Modelbranche prädestiniert für solche Vorfälle. Gerade junge Models haben oft Hemmungen, Grenzen zu ziehen. Bewegungen wie die #metoo-Kampagne werden Wirkung zeigen: Frauen werden bestärkt, an die Öffentlichkeit zu gehen und die Gesellschaft wird für das Thema sensibilisiert, so dass ein potenzieller Täter sich einen Übergriff genauestens überlegen wird.“

Mit 14 Jahren wurde Marie von den Benken von einem Model Scout entdeckt

Bis hierhin und nicht weiter
„Für mich ist die Grenze erreicht, wenn ich etwas unangemessen finde oder ein ungutes Gefühl bekomme. Ich spreche dies dann einmal an und wenn sich nichts ändert, breche ich einen Job ab. Man muss lernen, diese Stringenz auch im Privaten zu leben.“

Topmodels von heute
„Topmodels wie in den 90ern gibt es nicht mehr. Dafür steht heute am ehesten jemand wie Cara Delevingne – eine Persönlichkeit, die neben dem Modeln ihre anderen Talente kreativ auslebt.“

Traumberuf Model
„Es fasziniert mich, ungeschminkt ans Set zu kommen und von einem Team so verwandelt zu werden, dass du für ein perfektes Bild jemand völlig anderes sein kannst. Reizvoll ist auch, dass jeder Tag neu ist: neue Projekte mit unterschiedlichsten Menschen, an Orten auf der ganzen Welt.“

Traum versus Realität
„Viele Leute denken, Models wären hübsche – meist dumme – Kleiderständer, die Schmuck und Kleidung geschenkt bekommen, viel reisen und dafür sogar bezahlt werden. Was man nicht sieht ist, dass ein Model rund um die Uhr auf seine Hülle, seinen Körper, achten muss. Auch die psychische Belastung ist nicht zu unterschätzen: Als Model wird man immer auf sein Äußeres reduziert. Selbst wenn man alles für das perfekte Aussehen macht, kann man bei zehn Castings acht Absagen bekommen. Das nicht persönlich zu nehmen, ist immer wieder eine Herausforderung.“

Twitter, Brands und Influencer
„Es ist großartig, durch meine Arbeit und meine Reichweite Dinge unterstützen zu können, von denen ich denke, dass sie für meine Follower interessant sind oder die Welt ein bisschen besser machen. Auf Twitter folgen mir viele wichtige Personen und Multiplikatoren aus Politik und Medien. Ich arbeite zudem als Autorin. Insofern bin ich vielleicht keine klassische Influencerin.“

Im Gespräch mit: Louisa Wölke | Fotos: Marius Engels

Posen am Set: Marie von den Benken mit Redakteurin Louisa Wölke

Über Marie von den Benken
Marie von den Benken wurde 1989 in Hamburg geboren. Heute ist sie als Model und Autorin tätig. Mit über 230.000 Abonnenten auf Instagram und 124.000 Followern auf Twitter
(@regendelfin) agiert sie außerdem als Influencerin für Marken wie Stella McCartney. Unter anderem schreibt die Hamburgerin auf ihrem eigenen Blog sowie als „Stern-Stimme“ auf
www.stern.de eine Kolumne mit dem Fokus auf das Thema Modeling.