Til Schweiger

Schauspieler, Autor, Regisseur, Produzent: Til Schweiger (51) ist einer der einflussreichsten Köpfe im deutschen Film- und Fernsehgeschäft. In kaum zu fassender Regelmäßigkeit lockt er Millionen Menschen in die Kinos – mit Filmen wie Keinohrhasen oder Kokowääh hat er Kinogeschichte geschrieben. Til Schweiger ist ein umtriebiger Mensch, eine Auswahl: Im Juni gewann er eine Lola – mit 6,25 Millionen Kinobesuchern ist Honig im Kopf unumstrittener Publikumsliebling. Kürzlich startete das Onlineportal „Barefoot Living“, auf dem es viele von Schweigers Lieblingsteilen zu kaufen gibt. Bald beginnen die Dreharbeiten für den Kino-Tatort. Und Til Schweiger wird Gastronom. In diesem Jahr wird er in der Innenstadt seiner Wahlheimat Hamburg das Restaurant „Barefood“ eröffnen.

Was für ein Mensch ist Til Schweiger? HANSEstyle trifft ihn exlkusiv auf Mallorca. Er lud uns auf seine Finca ein, dorthin, wo er Ruhe findet. Wir unterhielten uns mit einem authentischen, interessanten wie interessierten Menschen. Gemeinsam durchleben wir ein außergewöhnlich intensives Gespräch unter anderem über seine Schulzeit (Abiturnote 1,7!), seine beruflichen Anfänge und sein Lieblingsessen. Und über das, was für ihn wirklich zählt im Leben. Lernen Sie Til Schweiger RUNDUM besser kennen.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstlye

Ich bin möglichst oft auf Mallorca. Häufig, wenn ich an Drehbüchern arbeite. Hier habe ich die Muße, zu schreiben.

Der Ballermann ist nur ein kleiner Strip, an dem die Ballermänner unter sich bleiben. Für mich ist der Ballermann allerdings nichts.

Ich habe oft und lang in Hotels gelebt. Ich bin einfach froh, wenn ich Zuhause sein kann. Auf Mallorca zum Beispiel verlasse ich das Haus nur selten – meist nur zum Einkaufen oder Essen gehen.

Gießen ist meine Heimat. Da bin ich aufgewachsen, da leben meine Eltern und besten Freunde.

Ich bin dort Zuhause, wo meine Familie ist. Sie ist in Hamburg.

Nach den USA kamen für meine Frau und mich zwei Städte in Frage: Hamburg und München.

Zwischen Starnberg und München habe ich nach einem Bauernhof gesucht. Dann haben wir das Haus im Niendorfer Gehege gefunden.

Hamburg ist die schönste unter den großen deutschen Städten.

Grundsätzlich kann ich in Hamburg in Ruhe leben. Das schätze ich sehr. Aber auf den Hamburger Dom kann ich nicht gehen.

Die guten Schulnoten sind mir nicht zugeflogen. Vor den Abiturprüfungen bin ich morgens um halb sechs aufgestanden und auf den Sportplatz gerannt. Dann in die Schule, danach zum Lernen nach Hause. Ich bin nicht feiern gegangen – wie meine ältesten Kinder heute.

Eine meiner Abiturprüfungen habe ich über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus abgelegt – das Thema hat mich auch persönlich sehr beschäftigt.

Die anderen waren auch nett, aber ich war der netteste der drei Schweiger-Söhne.

Meine Eltern waren Lehrer. Ich wollte auch Lehrer werden. Anfang der 80er gab es eine Lehrerschwemme. Mir war klar, dass ich in die Arbeitslosigkeit hinein studiert hätte.

Die Schauspielerei war eine Entscheidung aus der Not heraus. Ich hatte einfach keine bessere Idee.

Ich habe damals ein Mädchen kennengelernt. Eine Schauspielerin aus Hamburg, die in Gießen im Theaterensemble war. Sie hat immer gesagt: ‚Du musst Schauspieler werden.’

Ich war vier Monate mit dem Rucksack in Griechenland unterwegs um herauszufinden, was ich aus meinem Leben machen will.

Ich war nicht davon überzeugt, dass ich es als Schauspieler schaffen würde.

Ich habe eine eigene Meinung. Die äußere ich.Das werde ich bis an mein Lebensende tun.

Bis zu meinem 30. Geburtstag wollte ich mir Zeit geben. Bekomme ich als Schauspieler bis dahin einen Fuß in die Tür, mache ich weiter.

Ich habe nicht von Hollywood oder dem Oscar geträumt. Einmal eine Episodenhauptrolle im Tatort!

Es macht mir Spaß, mich im Film zum Horst zu machen.

Nach „Manta, Manta“ glaubten viele Zuschauer, dass ich wirklich Bertie sei.

Es war nie mein Anspruch, den Erfolg von „Keinohrhasen“ zu toppen.

Wenn ich einen Film mache, wünsche ich mir, dass er möglichst vielen Menschen gefällt. Tut er das, freue ich mich. Wenn nicht, bin ich traurig. Aber Erfolgsdruck empfinde ich dabei keinen.

Ein Film, der die Menschen zum Weinen bringt, ist leichter zu machen als ein Film, der sie zum Lachen bringt.

Romantic Comedy ist die Königsdisziplin. Das wird auch in Hollywood jeder bestätigen.

Man kann mit einem unbe-kannten Schauspieler und einer guten Geschichte mehr erreichen als mit einem Superstar in dem falschen Film.

Die erste Regel lautet immer: Du darfst nicht langweilen!

Auch bei schwierigen Filmen wie „Honig im Kopf“ gibt es keine Szenen, die durchhängen.

Die Auseinandersetzung mit Didi Hallervorden war echt und heftig. Jetzt ist alles gut. Und seine Performance im Film ist genial.

Schauspieler bekommen von mir ein Maximum an Vertrauen.

Würde ich auf ein richtig gutes Drehbuch über den Nationalsozialismus stoßen, würde ich einen Film über diese Zeit machen.

Ich bin mit Prison Break zum Serienjunkie geworden.

Meine Lieblingsserie ist „Justified“ mit Timothy Olyphant. „The Walking Dead“ hat mir gefallen und die erste Staffel „Homeland“ auch.

Eine europäische Serie, die mir gefällt, ist „Braquo“.

Es ist schwierig, einen guten Kinofilm zu schreiben. Eine Serie zu schreiben, die Zug hat wie ein Kinofilm – das ist sauschwer. In Deutschland sehe ich dafür derzeit keine Autoren.

Champions League, mal einen Tatort. Klassisches Fernsehen gucke ich ansonsten kaum.

Ich drücke Bayern München die Daumen. HSV-Fan zu sein muss ganz schön wehtun.

2016 kommt unser Tatort ins Kino. Er spielt von Istanbul bis Moskau. Das ist mit einem Fernsehbudget nicht zu machen.

Jede Rolle hat etwas mit dem Schauspieler selbst zu tun: Man sucht die Parallelen zur Figur; man spielt aus seiner Erfahrung und Phantasie. Deswegen bin ich aber kein Nick Tschiller, der Türen eintritt und – überspitzt gesagt – erst schießt und dann fragt.

Es macht mir Spaß, Nick Tschiller zu spielen.

Wenn man auf Facebook zur Unterstützung syrischer Flüchtlingskinder aufruft, erntet man viel Empathie. Doch genauso den blanken Hass.

Wie die Deutschen ticken, weiß ich nicht. Sie ticken so unterschiedlich.

Um in Deutschland Anerkennung zu bekommen, muss man sterben (wie Bernd Eichinger) oder zurücktreten (wie Thomas Gottschalk).

Wenn ich etwas ungerecht finde, sage ich das.

Am liebsten koche ich Pasta. Mit verschiedenen Soßen: Arrabbiata oder eine ganz einfache Tomatensoße mit verschiedenem Gemüse. Oder Pasta mit Butter, Salbei und Parmesan. Pasta mit Erbsen und Schinken, aber ohne Sahne. Legendär ist meine Bolognese.

Mir ist wichtig, dass es den Menschen um mich herum gut geht.

Ich habe mir schon als Jugendlicher die Frage gestellt, was der Sinn des Lebens ist.

Kinder zu bekommen ist das eine. Zu lieben und geliebt zu werden ist das andere. Um Kinder und um Liebe. Nur darum geht es im Leben!

Es gibt viele Menschen, denen ich mit Rat und Tat zur Seite stehe.

Erfolg ist schöner als die Niederlage. Doch sie kann inspirierend sein, wenn man sich von ihr nicht unterkriegen lässt.

Wer geliebt werden will muss bereit sein, selbst Liebe zu geben.

Vielleicht floppt der nächste Film. So ist es eben: No risk, no gain.

Das Gespräch führte: Christian Bauer