Taschenliebe

Friederike Quast inmitten ihrer eigenen Taschenkollektion im Hamburger Hotel The George | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle

Mit tausend Taschen um die Welt

Seit mehr als zehn Jahren reist Friederike Quast kreuz und quer über den Globus mit Zwischenstopps in den Modemetropolen der Welt. Sie lebt aus dem Koffer, eine eigene Wohnung hat die 35-Jährige seit Jahren nicht mehr. Kurz: Ihr Leben ist eine einzige Reise. Auf einem ihrer Zwischenstopps in Hamburg erzählt uns die sympathische Designerin von ihrem spannenden Weg  in die Modebranche.

„Ich wurde in Berlin geboren, bin aber in der Nähe von Hamburg aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach dem Abi habe ich Work-and-Travel in Neuseeland gemacht. Zurück Zuhause stand ich vor der Frage, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Ich begann Grafikdesign zu studieren, merkte aber schnell, dass das nicht der Weg war, den ich gehen wollte. Darum beschloss ich mutig zu sein, die Richtung zu wechseln und meinen Weg in die Modewelt einzuschlagen. Ich sagte mir, wenn ich schon meinen Traum verwirkliche, dann studiere ich nicht in Hamburg, sondern in einer Modemetropole und bewarb ich mich am Istituto Marangoni in Mailand für den Studiengang Modemanagement.

„Estella“ mit silber-schimmernder Phython, Balltasche „Olympia“ und „Eve“ aus gestanztem Wildleder mit Details aus Glattleder | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle
„Estella“ mit silber-schimmernder Phython, Balltasche „Olympia“ und „Eve“ aus gestanztem Wildleder mit Details aus Glattleder | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle

Direkt im Anschluss an das Studium bekam ich einen Praktikumsplatz bei Ungaro. Ich bin heute noch dankbar, dass ich meine ersten Schritte bei dieser Firma machen durfte. Zu der Zeit arbeitete dort Giambattista Valli als Designer. Er hat mir die Liebe zum Detail und zur Handarbeit nahegebracht. Diese Erfahrungen inspirieren und beeinflussen meine Arbeit noch immer. Meine nächste Station war Luxury Goods International, ein Teil der Gucci-Gruppe. Für das Verständnis über Produktionsabläufe waren die dort gesammelten Erfahrungen wichtig; aber der kreative Aspekt hat mir gefehlt. Also wechselte ich 2005 in die Produktentwicklungsabteilung von D&G Dolce & Gabbana. Drei Jahre lang konnte ich meine Kreativität und meine Detailliebe ausleben und eng mit den Design-Teams zusammenarbeiten. Ich bin zwar immer viel gereist, aber zu dieser Zeit fing mein „Gipsy-Leben“ an und ich bin seitdem durchgehend unterwegs. Auf der ganzen Welt habe ich nach neuen Inspirationen gesucht. Den Höhepunkt meines Fashion-Nomadenlebens erreichte ich in meiner Zeit bei dem Badehosen-Label Vile-brequin, wo ich die Produktentwicklung leitete. Im letzten Jahr hatte ich um die siebzig Flüge angesammelt.

Candy Colours für den Sommer: Backpack „Estella“, Modell „Sienna“ und Wallet „Mina“ im Snake-Skin-Style | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle
Candy Colours für den Sommer: Backpack „Estella“, Modell „Sienna“ und Wallet „Mina“ im Snake-Skin-Style | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle

Nach 15 Jahren bei verschiedenen Unternehmen, jeder Menge toller Erfahrungen und noch mehr Flugmeilen im Gepäck wollte ich etwas Neues, Eigenes machen. Ganz frauentypisch habe ich immer schon Taschen und Schuhe geliebt. Durch meine Reisen trage ich viele Dinge mit mir herum – Taschen jeder Art gehören damit zwangsweise zu meinem Alltag. Aus der Zusammenarbeit mit einer mexikanischen Desi-gnerin hat sich die Idee entwickelt, sich mit einem Handtaschenlabel selbständig zu machen. So gegründete ich vor gut einem Jahr mein eigenes Label und habe im Februar 2015 meine erste Kollektion in Mailand und München vorgestellt.

Ich würde den Stil meiner Taschen als sporty-chic bezeichnen, mit einem maskulin-femininen Mix. Eine hohe Qualität, die Verarbeitung ausgewählter Materialien und das Made in Italy sind mir wichtig. Ich sehe einen Trend zur Individualisierung, die die Trägerin herausstellen. Diese Kombination aus Qualität, innovativem Design mit einem persönlichen Touch machen mein Label aus. Ich orientiere mich weniger an dem, was andere Designer machen, sondern lasse mich durch meine eigenen Ideen und Inspiration wie Kunst, Natur oder Sport aus anderen Bereichen leiten. Während der Produktion verbringe ich viel Zeit beim Hersteller in der Nähe von Florenz. Ein Teil meiner Ideen entsteht erst dort während des Herstellungsprozesses.

Momentan sind meine Produkte nur online oder bei exklusiven Einladungs-Events erhältlich. Langfristig möchte ich einen eigenen Laden haben. Durch die vielen Touristen hat Hamburg ein internationales Publikum, das die Stadt für mich so attraktiv macht. Denn mein größter Wunsch ist, das Label Friederike Quast international bekannt zu machen – das entspricht meinem Lebensstil.

Wenn ich nicht unterwegs bin, mache ich viel Sport und versuche jedes Jahr eine neue Sportart zu lernen. Als Ausgleich zu den hektischen Großstädten, in denen ich beruflich unterwegs bin, verbringe ich viel Zeit in der Natur. Ich liebe es am Wasser zu sein! Im Sommer die Möglichkeit zum Stand Up Paddling auf der Alster zu haben oder am Elbstrand zu entspannen, machen Hamburg so besonders für mich. Die krassen Kontraste der Stadt inspirieren mich:

Designerin Friederike Quast im Gespräch mit Autorin Marike Götz | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle
Designerin Friederike Quast im Gespräch mit Autorin Marike Götz | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle

Auf der einen Seite die oberen Zehntausend rund um Alster und an der Elbe, auf der anderen Seite die ausgeprägte alternative Szene der Schanze. Diese Extreme machen die Stadt für mich aus.“

Das Interview führte: Marike Götz