Steven Gätjen

Bevor er zum ZDF wechselte, war er gut vier Jahre an der Seite von Stefan Raab zu sehen. Bereits als Gastgeber der ProSieben Formate Schlag den Raab, Schlag den Star, der Wok-WM und zum Beispiel der Stock Car Crash Challenge erreichte Steven Gätjen regelmäßig ein Millionenpublikum. Doch von Starallüren keine Spur. Im Gegenteil: Ein schlagfertiger, sympathischer Gesprächspartner besucht den Verlag. Authentisch – hier wie im TV. Blonde Haare und blaue Augen bei durchtrainierten 1,86 Metern Körpergröße.

Schon zu seinem Karrierebeginn 1996, als er im Alter von 24 Jahren beim Musiksender MTV vor der Kamera stand, galt er als eines der größten Talente seines Metiers. Heute gehört Steven Gätjen zu den bekanntesten Fernsehgesichtern des Landes. Geboren wurde er im Südwesten der USA in Phoenix, Arizona. Im Alter von drei Jahren kam er mit den Eltern und seinen Geschwistern in die Hansestadt an die Elbe und wurde zum echten Hamburger Jung. Doch auch heute fühlt er sich mit den USA noch eng verbunden. Besonders mag er San Francisco und von dort aus den Weg auf dem Highway No. 1 gen Süden, der vorbeiführt an Monterey und Carmel, wo Clint Eastwood einst Bürgermeister war. Steven Gätjen 360 Grad – lernen Sie den Moderator RUNDUM kennen.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle

Wenn man nach 17 Jahren wechselt, überlegt man natürlich, wie man den Zuschauern des neuen Senders nahekommt.

Meine Karriere ist nie linear verlaufen.

Wir haben eine ganz einfache Währung: die Quote.

Das Feedback von Zuschauern und Menschen auf der Straße interessiert mich mehr als die Quote.

Ich weiß, was ich kann. Ich weiß, wer ich bin.

Ein paar Mal auf die Schnauze zu fallen ist besser, als nie etwas auszuprobieren. Ich will mir später nicht selbst sagen müssen, dass ich es nicht versucht habe.

Im Leben ist es wie beim Boxen. Einfach aufstehen und weitermachen.

Manchmal sind Feedbacks gut. Manchmal sind Feedbacks schlecht.

Die viereinhalb Jahre mit Schlag den Raab, der Wok-WM, der Stock Car Crash Challenge oder zum Beispiel mit Turmspringen waren eine gute Schule.

Heute kann ich sagen: Ich will nicht Opdenhövel sein, ich will nicht Gottschalk sein. Ich will Steven Gätjen bleiben.

Mir ist privat wie beruflich wichtig, dass ich mich mit Menschen umgebe, die mit mir klar und deutlich auch über Defizite sprechen.

Kritik mag keiner. Der Umgang mit Kritik ist

besonders dann schwierig, wenn sie von Menschen kommt, mit denen ich privat und beruflich eng verbunden bin.

Ich versuche, im Job nicht anders zu sein als privat.

Entweder gefällt jemandem mein Gesicht, meine Größe, wie dick oder wie dünn ich bin. Oder eben nicht.

Im Laufe meiner Karriere wurde mir oft gesagt: ‚Du kannst es nicht‘!

„Alle sagten: Es geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach gemacht!“ Ich liebe diesen Spruch und versuche, ihn mir in vielen Situationen als Leitbild zu nehmen.

Ich bin mutiger geworden. Denn ich habe realisiert, dass das Leben endlich ist.

Über den Verlauf der ersten Monate beim ZDF bin ich happy. Auch wenn sie nicht ganz so erfolgreich waren, wie wir alle gehofft haben.

Es werden gute Dinge über meine Arbeit gesagt, es werden schlechte Dinge über meine Arbeit gesagt. Gestern, heute, morgen. Das gehört einfach dazu. Ich liebe meinen Job.

Vor Livesendungen bin ich aufgeregt.

Zu wissen, dass die Dinge nicht perfekt laufen können, hilft mir beim Umgang mit der Aufregung.

Livesendungen sind wie das Leben: Egal wie gut du vorbereitet bist – du weißt nie, was passiert. Das Leben schlägt ja auch immer seine ganz eigenen Kapriolen.

Ich habe keine Angst mehr davor, zu scheitern.

Manchmal geht etwas schief. So ist das Menschsein.

Fehler gehören dazu. Wir wollen doch auch gar nichts Perfektes. Die Zuschauer möchten das nicht und ich selbst will das auch nicht.

Ich bin gern ein Mensch mit Ecken und Kanten.

Ob ich mich für meinen Übergang vom Privatfernsehen ins Öffentlich-Rechtliche verändern musste?
Nein. Das Alter, die Erfahrungen, die Lebensumstände. Im Laufe der Jahre habe ich mich verändert.

Authentizität und Leidenschaft zum Beispiel machen einen guten Moderator aus.

Es ist immer wichtig, dass man liebt und lebt, was man macht.

Auch ich bin ein Verkäufer. Der eines Formats – einer zeitlich begrenzten Show.

Das Internet ist ein Segen für das Fernsehgeschäft. Es zwingt einen dazu, sich neu zu erfinden.

Ich habe mich leider schon mehrfach selbst gegoogelt. Nach der Bekanntgabe, dass ich zum ZDF wechseln würde und nach der ersten Show zum Beispiel.

Sich selbst zu googeln scheint ein Masochismus zu sein, dem man manchmal unterliegt, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Gesund ist das nicht unbedingt.

Ob auf meiner eigenen Facebook-Seite oder auf der Facebook-Seite vom ZDF: Wenn in bösartigster Form auf mich eingeknüppelt wird, reagiere ich darauf. Das habe ich mir angewöhnt.

Persönliches, direktes Feedback ist meist charmant, offen und ehrlich. Im Netz geht es anders zu, dort heißt es: ‚Erst einmal draufhauen ohne Sinn und Zweck‘.

In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist.

Ich bin unwahrscheinlich viel unterwegs. Ob mit Flieger, Bus oder Bahn. Das Pensum hält man nicht durch, wenn man nicht fit ist.

Sport ist für mich der beste Ausgleich. Dabei kann ich abschalten.

Ich boxe für mein Leben gern. Bringe mich so an meine körperlichen Grenzen. Nach fünf Minuten Training denke ich nicht mehr nach. Dann frage ich mich nur noch, wie ich die nächste Übung überstehen soll.

Fußball und Basketball spiele ich auch nach wie vor sehr gern.

In Hamburg lebe ich, weil ich diese Stadt liebe. Weil meine Familie und meine Freunde hier sind.

Ich gucke mir gern an, was die anderen machen. Ob nun ein Kerner, ein Pilawa oder ein Pflaume. Natürlich verfolge ich auch, was Herr Gottschalk macht.

Joko und Klaas: Die beiden mag ich sehr, beide sind ganz feine Kerle – mit einem leicht verrückten Tatendrang.

Elton mag ich auch.

Das Internet ist ein Segen für das Fernsehgeschäft. Es zwingt einen dazu, sich neu zu erfinden.

Jeder möchte unterhalten werden. Es muss doch nicht immer die Moralpredigt mit erhobenem Zeigefinger sein.

Wichtig ist, dass man Träume hat. Jeder Mensch auf dieser Welt muss einen Traum oder mehrere Träume haben. Träume sind ja nicht Schäume, sondern sie sind Ziele, die man sich unterbewusst setzt.

Wenn du an etwas glaubst, ist das wie ein ‚Mind Boomerang‘. Wirf ihn, schmeiß ihn raus! Auch wenn er zu weit, zu schief oder etwas zu kurz fliegt. Irgendwie kommt er zurück.

Der Glaube daran, alles erreichen zu können. Das mag ich am Amerikanischen Traum.

Man darf sich nicht von dem beeinflussen lassen, was andere einem sagen – wenn sie dir vorschreiben wollen, was du darfst und was nicht.

Das Kinderbuch, das mein Bruder und ich geschrieben haben, hat 15 Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung in Anspruch genommen. Ich bin großer Fan der Jack Reacher-Bücher.

YouTube ist wie MTV und VIVA früher. Es ist eine Plattform, auf der man sich austoben kann.

Es ist großartig, wie viele Talente per YouTube die Möglichkeit haben, sich zu zeigen. Dagi Bee und die Lochis zum Beispiel. Außerdem braucht das deutsche Fernsehen Nachwuchs.

Schon historisch gesehen bin ich HSV-Fan. Jahrelang hatte ich eine Dauerkarte. Ich habe schon Kevin Keegan, Horst Hrubesch und Manni Kaltz trainieren sehen.

Eine so geile Stadt wie Hamburg braucht zwei Vereine. Ich bin mit Freunden oft am Millerntor.

HSV und St. Pauli – beide Vereine sind so konträr, dass man beide mögen kann, ohne sich selbst zu verkaufen.

Das Gespräch führte: Christian Bauer