Stephan Luca

Er selbst hat sie nie gezählt, also können wir nur schätzen: In um und bei 150 Fernseh- und Kinofilmen müsste Stephan Luca bereits mitgespielt haben. Und – zumindest in den letzten Jahren – oblag ihm dabei häufig eine der Hauptrollen. Geboren in Stuttgart, nennt Stephan Luca (42) längst Hamburg seine Wahlheimat. Der Schauspieler gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten des Landes. Zum Beispiel war er 2016 im Rahmen der Dreharbeiten zur deutsch-amerikanischen Krimi-Serie „Crossing Lines“ gemeinsam mit Donald Sutherland am Set. Es folgten Dreharbeiten in Südafrika und auf Mallorca, gerade war er für den Kinofilm „Die Pfefferkörner“ in Italien. Wir treffen Stephan Luca, als er von Dreharbeiten aus Halle an der Saale zurückkommt. Dort stand er für die Verfilmung der Krimi-Reihe „Zorn“ von Bestseller-Autor Stephan Ludwig vor der Kamera. Stephan Luca spielt die Hauptfigur Claudius Zorn, einen vom Leben gezeichneten, zur Sucht tendierenden aber auf seine grantige Art liebenswerten Hauptkommissar.

Star-Allüren sind ihm fremd. Ganz im Gegenteil. Stephan Luca ist einnehmend sympathisch, klug und herzlich. Er hat zwei Töchter, 19 und 8 Jahre alt. Am liebsten verbringt der Schauspieler die freie Zeit mit diesen beiden. Was Stephan Luca auch liebt: In Lech am Arlberg zu sein und dort gleich morgens als erster ins Gelände zu gehen – für die langen Abfahrten abseits der Piste.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle

 

Ich bin Schauspieler. Für mich gab es keine andere Option.

Auf der Waldorfschule wurde mir der Samen der Schauspielerei eingepflanzt.

Bei jedem Buch ist mir aufgefallen, dass ich die Rollen spiele. Beim Lesen habe ich gedanklich angefangen, zu agieren. Da wusste ich: Ich will die Schauspielerei ausprobieren.

Ich wollte studieren, um das Schauspiel-Handwerk richtig zu lernen.

Ich bin zu einem Berufsinformationszentrum gegangen und habe dort gefragt: Wie werde ich Schauspieler?

Ich wollte ans Theater, an die großen Bühnen.

Ich habe mit großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern gearbeitet, die keine Berufsausbildung haben. Ich nehme sie genauso ernst wie Schauspieler mit abgeschlossenem Studium.Die Schauspielerei habe ich so konsequent verfolgt wie kaum etwas anderes in meinem Leben.

Ich habe als Schauspieler gelernt, in einen Bereich einzutauchen, in dem die Rolle agiert – und nicht mehr ich selbst.

Schauspieler sind Geschichtenerzähler. Wir erwecken Dinge zum Leben.

Vor jedem ersten Drehtag einer neuen Produktion schlafe ich kaum. Alles, was ich mir in der Vorbereitung auf den Film und die Figur erarbeitet habe, dreht sich in Kopf und Magen. Es erinnert mich an das Lampenfieber vor der Premiere am Theater.

Der Koch ist die wichtigste Person am Set. Es gibt niemanden, der mehr Verantwortung für die gute Stimmung im Team hat.

Nach Drehschluss ziehe ich mich gern zurück und genieße die Zeit mit meinen Kindern oder Freunden. Oder einfach nur die Ruhe.

Nach dem Abitur bin ich viel gereist. Einmal wäre ich fast in Kanada hängen geblieben, während ich dort als Ski-Guide gearbeitet habe.

Vielleicht komme ich auf den Beruf des Skilehrers noch einmal zurück. Als Altersmodell.

Es gibt keinen objektiv richtigen oder falschen Lebensweg. Es gibt nur den eigenen.

Fehler zu machen gehört dazu. Hauptsache, man ist mutig und probiert Dinge aus!

Veränderung ist die einzige Konstante im Leben.

Ich habe keine Angst vor Kritik.

Ich lese Kritiken – ob gute oder schlechte – immer seltener.

Eine gute Quote hat noch nie einen guten Film ausgemacht. Und anders herum auch nicht.

Manche Kollegen nehmen die Quoten als Wettkampf. Ich habe nie gezählt, in wie vielen Filmen ich mitgespielt habe.

Ich habe Filme gedreht, bei denen ich heute denke: Die waren nicht gut.

Ob ein Filmkuss romantisch sein kann? Die letzten Küsse, die ich im Kino gesehen habe, empfand ich alle als romantisch. Die auf der Leinwand und die davor.

Der Tanz meines Lebens: immer wieder Neues ausprobieren.

Nach der Komödie am liebsten den Thriller. Die Abwechslung ist mir wichtig. Ich bin sehr dankbar, dass ich so frei auswählen kann.

Ich würde mich bei verschiedenen Rollenangeboten immer für das entscheiden, bei dem für mich das größere Risiko besteht.

Als Schauspieler will ich immer noch eine Stufe weiter kommen.

Es ist unfair, aber männliche Schauspieler haben es im Alter etwas leichter.

Ich finde es gut, wenn sich Schauspieler dem Alter stellen, wenn sie selbstbewusst zeigen, dass sie nicht mehr zwanzig oder dreißig sind.

Der deutsche Film ist auf einem guten Weg. Wir können international mithalten. Derzeit entstehen Formate, die sind innovativ, klug, mutig, manchmal dreist und politisch unkorrekt.

Ob ich in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder der „Lindenstraße“ mitspielen würde? Ich bin für eine Serie vielleicht nicht der Richtige.

Ich brauche immer wieder unterschiedliche Rollen.

Seriendarsteller beurteile ich nicht negativ. Zum Beispiel habe ich mit Daniel Fehlow zusammengearbeitet (Anm. Daniel Fehlow spielt Leon Moreno in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“). Er ist ein großartiger Schauspieler.

Mario Adorf, Armin Mueller-Stahl, Senta Berger, Iris Berben. Sie gehören zu den Grand Dames und Messieurs des deutschen Films.

Zu den mir liebsten Schauspielern gehören: Maximilian Brückner, weil er mir seit unserem gemeinsamen Film DIE ROUTE ein wichtiger Freund ist. Axel Ranisch, weil er bei unserer gemeinsamen ZORN-Reihe der beste Partner der Welt ist. Und Kollegen wie Devid Striesow, die durch ihre Spielfreude, ihr Talent, ihre Genauigkeit und ihren Wagemut großartig sind.

Ich hatte die Freude, mit Donald Sutherland zu drehen. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie ein Mann im Alter von 81 Jahren mit so viel Elan, Disziplin und Lust am Set ist. Wie jung und frech er agiert!

Kommissar zu sein – das ist ein riesiges Geschenk für mich (Anm. Stephan Luca spielt Hauptkommissar Zorn auf Basis der gleichnamigen Romane von Bestseller-Autor Stephan Ludwig).

Halle schenkt uns eine unglaubliche Aufmerksamkeit (Anm. Alle Zorn-Krimis spielen in Halle an der Saale). Die Menschen in Halle sind ehrlich. Ich mag sie sehr. In Halle bin ich Kommissar. Dort werde ich mit ’Herr Zorn’ angesprochen.

Fragen nach meinen Kindern beantworte ich nicht oder nur einsilbig. Ihr Schutz ist mir wichtig.

Ob es für mich schwieriger ist, eine Beziehung zu einer Frau zu führen, weil ich in der Öffentlichkeit stehe? Ich finde es als Mann grundsätzlich schwierig, eine Beziehung zu einer Frau zu führen.

Ich bin eher Experte für schwierig als für einfach. Meine Biografie ist ja auch dementsprechend.

Zwei Dinge machen es für mich als Schauspieler besonders schwierig, Beziehungen zu führen: Ich bin sehr viel unterwegs. Und ich lebe mit der Unsicherheit, nicht zu wissen, wo ich in einem
halben Jahr sein werde.Wenn mich Menschen ansprechen, freue ich mich meistens darüber.

Ich bin alles zwischen Clown und Bösewicht.

Im Internet gibt es ein paar kranke Gestalten, die gefallen mir nicht.

Kommentare im Internet gucke ich mir für gewöhnlich nicht mehr an.

Es gibt Groupies. Aber das hat für mich nie eine Rolle gespielt.

Liebe verstehe ich, Hass ist mir fremd.

Abenteuerurlaub ist mir lieber als Wellnessurlaub. Für ein Gefühl von Wellness reicht mir die Dusche.

Die Berge und das Meer sind meine großen Energiequellen.

Nach harten Dreharbeiten in Hamburg ankommen heißt für mich: morgens einen Espresso bei Toni, mittags eine Nudel bei Enzo, abends ein Steak und ein Glas Wein bei Brian. Dann weiß ich wieder, wer ich bin.

Beim HSV wurden viele falsche Entscheidungen getroffen. Es fehlt an Philosophie und derzeit an einem Führungsgespann, das dem
Verein ein Gesicht gibt. Das alles zu sehen, tut mir richtig weh. Aber da ich manchmal auch ein Träumer bin:
Ich glaube, dass der HSV irgendwann die Wende schafft.

Wenn ich früh morgens um die Alster laufe, spüre ich, dass ich zu Hause bin.

Ich finde es als Mann grundsätzlich schwierig, eine Beziehung zu einer Frau zu führen.

Das Gespräch führte: Christian Bauer


Über Stephan Luca:

Geboren 1974 in Stuttgart, lebt der attraktive Schauspieler mit jugoslawischen Wurzeln seit knapp zwanzig Jahren in Hamburg. 1997 kam Stephan Luca in die Hansestadt, um an der Hochschule für Musik und Schauspiel sein Studium zu absolvieren. Einige Jahre später wurde er für die Theater-Hauptrolle in Romeo und Julia mit dem Friedrich-Schütter-Preis ausgezeichnet. In der Rolle des Kommissar Claudius Zorn hat er eine seiner Lieblingsfiguren gefunden. In Halle drehte er bereits den fünften Teil der Zorn-Reihe, die auf den Kriminalromanen von Bestseller-Autor Stephan Ludwig basieren. Als einer der beliebtesten Schauspieler Deutschlands ist Stephan Luca für Filmproduktionen auf der ganzen Welt unterwegs. Am 06. Januar 2017 um 20:15 Uhr ist er in dem ARD-Abenteuer „Eva über Bord“ zu sehen. Die Dreharbeiten fanden in Thailand statt. Im Februar 2017 wird er erneut in Südafrika vor der Kamera stehen.