Sibel Kekilli

Obwohl sie eigentlich nie vorhatte, vor der Kamera zu stehen, gehört Sibel Kekilli heute zur Spitze des deutschen Filmgeschäfts. Internationale Bekanntheit erlangte die Schauspielerin durch die amerikanische Serie Game of Thrones – die gern auch als „beste Serie der Welt“ bezeichnet wird. Vier Staffeln lang war Sibel Kekilli dort als „Shae“ zu sehen, die Geliebte von Tyrion Lennister, gespielt von Hauptdarsteller Peter Dinklage. Sibel Kekilli lebt in Hamburg. Geboren wurde die Schauspielerin 1980 als Tochter türkischer Einwanderer in Heilbronn. 2003 wurde sie entdeckt und von Regisseur Fatih Akin für die weibliche Hauptrolle im Filmdrama „Gegen die Wand“ besetzt. Damit gelang ihr der Durchbruch. Ein Leben ohne Schauspielerei kann sich Sibel Kekilli nicht vorstellen. Das immer wieder Neue, die Herausforderung, die wechselnden Rollen – das reizt sie. Doch auch hinter den Kulissen zeigt die Hamburgerin Engagement: Insbesondere setzt sie sich für Frauenrechte ein, zum Beispiel als Botschafterin der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“. Für ihren Einsatz wurde sie jüngst von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Lernen Sie mit Sibel Kekilli eine außergewöhnliche Frau RUNDUM kennen.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle

Ich lebe lieber im Hier und Jetzt. Das ganze Leben verschwenden wir nämlich sonst immer in der Vergangenheit.

Ich bin glücklich, dass ich jetzt lebe, dass es mir jetzt gut geht. Man darf nichtvergessen, wie wunderbar der Moment ist.

Ich höre mit dem Kieler Tatort auf. Das habe ich im Laufe des letzten halben Jahres für mich entschieden.

Beim Tatort war ich seit 2010 dabei. Jetzt ist es aber einfach Zeit, Sarah Brandt Lebewohl zu sagen.

Die meisten Menschen üben immer den gleichen Beruf aus, um ihre Miete bezahlen zu können. Das ist völlig normal und in Ordnung. Doch ich bin auch
Schauspielerin geworden, weil ich genau das nicht machen möchte. Ich will mich austoben und kreativ sein.

Ich brauche immer eine neue Herausforderung.

Kommissarin Sarah Brandt – ich mochte die Rolle sehr. Vielleicht könnte man über Sarah Brandt immer noch etwas Neues erzählen. Aber ich glaube, dass für mich nach so langer Zeit der Moment gekommen ist, um zu sagen: „Es ist gut.“

Natürlich weiß ich heute noch nicht, welche Rollen ich in Zukunft spielen werde. Doch eines habe ich gelernt im Leben: Es kommt, wie es kommt.

Ich bin ich. Punkt.

Es war schön, ein Teil der Game of Thrones-Familie zu sein.

Von Anfang an bei dieser Serie dabei zu sein und zu erleben, wie sie gewachsen ist, war etwas ganz Besonderes.

Ich habe mich bei Game of Thrones selbst synchronisiert.

Die Premieren von Game of Thrones waren zwar in den USA, gedreht haben wir aber in Europa. Die ersten zwei Jahre habe ich mir die fertigen Game of Thrones-Folgen nicht angesehen. Wenn der Hype um etwas herum zu groß wird, sperre ich mich dagegen.

Es ist schon komisch: Das Genre Science-Fiction ist in den USA riesig, doch deutsche Science-Fiction- Produktionen gibt es so gut wir gar nicht. Kürzlich habe ich die neue  Serie Westworld gesehen. Sie ist super – und unglaublich intelligent gemacht.

Amerikanische Serien gucke ich auf Englisch an. Wir sollten aufhören, immer alles zu synchronisieren.

In die USA auszuwandern ist für mich kein Thema. Amerikaner warten nicht auf europäische Schauspieler. Manchmal klappt es, wie bei Christoph Waltz. Doch ich glaube, dass man diesen Erfolg nicht forcieren kann.

Ich bin gerne hier in Deutschland, denn ich arbeite hier, habe hier meinen Job. Ich finde das europäische Kino sehr interessant. Aber natürlich sage ich nicht nein, wenn ein gutes Angebot aus den USA kommen sollte.

Wenn sich etwas Interessantes ergibt, schön. Dafür bin ich offen.

Irgendwann habe ich mich gegen eine klassische Schauspielausbildung entschieden. Ich bin eher eine „Bauch-Schauspielerin“. Trotzdem arbeite ich natürlich mit einem Coach an mir und meiner Technik.

Nur dadurch, dass ich auch mal falle, kann ich Höhen erleben. Das ist doch besser, als wenn es immer gleichbleibend wäre.

Auch wenn mich jemand darum bitten würde, etwas vorzusingen: Ich singe nicht gern, weil ich glaube, dass ich es einfach nicht kann.

Man braucht Menschen um sich herum, die einem ehrlich die Meinung sagen.

Ich bin manchmal zu ehrlich. Ich gerate lieber mit jemandem aneinander, als dass ich nicht die Wahrheit sage.

Kritikfähig bin ich. Aber ich teile auch aus. Deshalb wird es immer wieder Menschen geben, die mit meiner Direktheit nicht umgehen können.

Ich vertrage und ertrage einiges, weil ich loyal bin. Doch wenn es zu viel wird, ist es zu viel. Und dann ist es auch vorbei. Allerdings habe ich auch schon öfter gedacht, dass ich die Reißleine früher hätte
ziehen müssen.

Ich liebe Hamburg.

u. v. m.

Das Gespräch führte: Christian Bauer


Sibel Kekilli:

Schon ihre erste Filmrolle in Fatih Akins Film „Gegen die Wand“ sorgte für große Aufmerksamkeit. Das Milieudrama wurde 2004 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Mittlerweile ist die Hamburgerin ein internationaler Star, war vier Staffeln lang Teil der amerikanischen Serie Game of Thrones. Gerade verkündete sie den Austritt aus dem Kieler Tatort, in dem sie sieben Jahre lang Kommissarin Sarah Brandt spielte. Doch man kann sicher sein: Die nächsten großen Rollen werden bald kommen.

Backstage am HANSEstyle-Set. Sibel Kekilli mit
Christian Bauer