PEER PETERSEN

Peer Petersen in seinem Neumann's in der Langen Reihe

Der Erfolgsgastronom aus dem Hintergrund

Smart ist er in seinem Anzug und könnte problemlos als Model für Männermode durchgehen. Souverän und locker kommt er rüber und entschuldigt gleich seinen „Aufzug“, er habe nach dem Interview noch eine Sitzung. Er ist zwar  Gastronom, aber in erster Linie Geschäftsmann und eben nicht der Wirt hinterm Tresen, dessen Name – wie bei einigen Kollegen – im Vordergrund steht. Deshalb sind auch seine Lokale in Hamburg nicht nach ihm benannt, sondern aus dem Kontext ihrer Genese entstanden. Das hat der gelernte Koch ganz bewusst gemacht:  So ist zum Beispiel das „Wellingten“ nach seiner Lage in Wellingsbüttel benannt – das „The Locks“ in Poppenbüttel ist die ehemalige „Schleuse“ (Anm. der Red.: Schleuse heißt „Lock“ auf Englisch).

WENN ICH AN ETWAS FREUDE HABE, MACHE ICH ES EINFACH!

Zum „Neumann’s“ kam es durch eine Kindheitserinnerung: Als kleiner Stepke tobte Peer Petersen in der von seiner Mutter geführten Bäckerei „Neumann“ im Grindelhof umher und noch heute erkennt man am Strahlen seiner Augen, dass es eine wunderbare Zeit für ihn gewesen sein muss. Kein Wunder, dass der Nostalgiker 2012 zuschnappte, als eine Lokalität im Grindelviertel frei wurde. So setzte er mit diesem Restaurant nicht nur namentlich seiner Kindheit ein Denkmal im Stadtteil – erstmals platzierte er sich außerhalb der Tore seiner Hummelsbütteler Heimat und seiner vier Läden dort „mit“, wie er sagt, „entspannter Gastronomie“. “Weinkneipen“ nennt er die „Neumann’s“-Läden, denn der Genuss von Wein steht im Vordergrund. „Es ist kein Muss hier zu essen, jeder Gast ist herzlich willkommen, auch einfach nur um einen Wein zu genießen.“ Trotzdem kann man hier herrlich schlemmen, „international rustikal“ wie Petersen seine Karte nennt: vom Wiener Schnitzel über Flammkuchen, Rinderfilet aus der Region und fangfrischen Fisch, aber auch  Käse- und Wurstvariationen lassen sich gut zu einem der 50 erlesenen Weine naschen. 2015 folgte in der Langen Reihe eine weitere Dependance des „Neumann’s“, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreut. Erneut eingerichtet im gemütlichen Stil: ein Mix aus Bänken und Stühlen mit gerahmten, stilvollen Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden. Wieder sein persönliches Konzept mit eigens kreierten Farbwelten. Geplant ist ein weiteres „Neumann’s“, am liebsten in Winterhude und dann mit kleiner Kochschule, hier will er eine Art Genusswelt aufbauen.

Das Balducci im Alstertal-Einkaufszentrum lädt zur Shopping-Pause

 

Im Neumann’s in der Langen Reihe lässt es sich gemütlich verweilen

GASTRONOMIE MIT DEM RICHTIGEN KONZEPT HAT ZUKUNFT 

Petersen glaubt daran, dass Gastronomie, mit dem richtigen Konzept betrieben, immer eine Chance hat: „Face to Face – Geselligkeit wird nie durch eine virtuelle Welt abgelöst werden.“ Für ihn gilt das Credo, dass Qualität sich auszahlt. Egal welches Produkt in seinen Läden verkauft wird, es ist von ihm ausgesucht und nur in begrenzten Mengen erhältlich. Er reist durch die Länder und kauft Erlesenes ein. So zum Beispiel das frisch gepresste Öl, das er aus Maremma in Italien bezieht. Es stammt von 100 Jahre alten Olivenbäumen, 11.000 Liter gibt es pro Jahr, davon verwendet er 4.000 Liter. Wenn nichts mehr davon da ist, ist eben nichts mehr davon da. Oder das Brot aus der hauseigenen Bäckerei des „Balducci“ im Alstertal-Einkaufszentrum. Auf der Suche nach exzellentem Brot wollte er nicht auf handelsübliche Backwaren zurückgreifen und lässt seitdem selber backen, ohne Zusatzgarmittel oder Gärschränke. 500 Brote können produziert werden – wenn diese verkauft sind, gibt es keine mehr und die Auslagen sind leer.

„Geselligkeit wird nie durch eine virtuelle Welt abgelöst werden.“
Peer Petersen

Apropos „Balducci“ – mit einer zweiten Dependance erobert der Unternehmer seit November Barmbek. In der neu entstandenen Massaquoipassage am Barmbeker Bahnhof hat er 80 Sitzplätze auf mehr als 300 Quadratmetern zur Verfügung. Als Italien-Liebhaber hofft er auf großen Zulauf durch die zentrale Lage. Zusätzlich betreibt er noch die hauseigene Kantine der Unfallversicherung VGB im Gebäude. Ein drittes „Balducci“ würde er gerne in der Innenstadt platzieren: „Doch das existiert als Vision, keiner kann sagen, ob es klappt.“

Bleibt neben all dem Business für den Familienvater noch Zeit für daheim?
Er schmunzelt und zeigt ein Foto, das ihm seine siebenjährige Tochter von ihrem Zahn geschickt hat: „In erster Linie bin ich Familienmensch, jeden Morgen bringe ich meine Kleine zur Schule und ein Tag am Wochenende ist immer Papa-Tag!“

Autorin Nathalie E. Reinschmidt mit Peer Petersen in seiner „Weinkneipe“ Neumann’s

Wein-Tipps

Peer Petersens Gaumenfreuden für kalte Wintertage

Perfektes Rot
2014er Ronchedone, Ca dei Frati, Lombardei
„Ein saftiger, samtiger Wein, der mit Waldbeerduft, Amarenakirsche und Gewürzaromen überzeugt.“ 

Sanft in Weiß
2015er Riesling Lösslehm, Achim Von Oetinger, Rheingau
„Der Riesling Lösslehm verführt mit seinem fein-fruchtigen Duft. Reifer Pfirsich, feine Zitrusnote und elegante Mineralität machen mit jedem Schluck Lust auf mehr.“

 

Autorin: Nathalie Reinschmidt | Fotos: Marius Engels, Fotos der Restaurants: PR

 

Über Peer Petersen
Seine Ausbildung zum Koch absolvierte Peer Petersen im Hotel Europäischer Hof in Hamburg, gefolgt von Stationen im Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg und im Hotel Edwardian in London.

Durch  ein Studium an der Hotelfachschule Heidelberg, diversen Winzerpraktika und seiner Tätigkeit als Foodberater, konnte der Hamburger Gastronom über die Jahre Know-how in verschiedenen Fachgebieten der Gastronomie sammeln, die er seit 1995 allesamt in seine eigenen Restaurants einfließen lässt.

Weitere Informationen:
http://www.balducci-hamburg.de
www.mellinghus.de
http://wellingten.de
http://www.the-locks.de
http://neumanns-bistro.de