Mit Tradition zur Innovation

Senator mit Weitsicht: Frank Horchs Büro bietet einen Blick über die Dächer der Stadt | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, ist ein Mann des Meeres – und des Handschlags.

Im Gespräch mit HANSEstyle erzählt Wirtschaftssenator Frank Horch von der Förderung junger Unternehmen, den Werten des Ehrbaren Kaufmanns und seinem Weg in die Politik.

HANSEstyle:  Sie waren beruflich erfolgreich und stets parteilos. Was führte Sie in die Politik?
Senator Frank Horch: „Könnten Sie sich vorstellen, in die Politik zu gehen?“ Vor allem zu Beginn meines Berufslebens habe ich diese Frage vehement verneint.

Von 1969 bis 1974 habe ich in Hamburg Schiffbau studiert und bin im Anschluss im Bereich Entwicklung und Produktion für die Phoenix AG tätig gewesen. Bereits im Jahr 1991, im Alter von 43 Jahren, leitete ich über 8.000 Beschäftigte. Damals wurde mir schnell bewusst, dass man eines nie vergessen darf: Mitarbeiter sind das höchste Gut eines Unternehmens. Schon damals waren mir die soziale Verantwortung und Gerechtigkeit besonders wichtig. Werte also, für die die SPD eintritt. Auch wenn ich keiner Partei angehöre, so bin ich im Herzen doch Sozialdemokrat. Das ist vielleicht schon durch meine Familiengeschichte vorgegeben: Mein Vater ist aus Ost-Preußen geflohen. Ich wuchs in einfachen Verhältnissen auf und erinnere mich daran, dass es oft nicht einfach war, die Familie sattzubekommen. Trotzdem unternahmen meine Eltern alles, um mir eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Damals war es alles andere als selbstverständlich, dass man Abitur machen konnte.

Als ich schließlich Mitte der 90er Jahre in die Friedrich Krupp AG einstieg, war die Hamburger Wirtschaft vor allem von der Dienstleistungsbranche und der Medienlandschaft geprägt. Von Vertretern der Industrie und von Verbänden hörte ich immer wieder: „Mensch, Horch, du musst dich engagieren!“ Ich begann, für Hamburg als Industriestandort zu kämpfen, denn ich bin zutiefst überzeugt, dass Industrie Arbeitsplätze langfristig sichert. So bin ich Vorstandsmitglied des Industrieverbands Hamburg, ab 2007 dann Vorstandsvorsitzender geworden. Schon bald danach wurde ich als Präses der Handelskammer Hamburg vorgeschlagen. Das war eher ungewöhnlich, denn bis dahin zierten die Ahnentafel lediglich Großreeder und Privatbankiers. Dann kam ich – ein bürgerlicher, ein leitender Angestellter. Das war ein Novum! Die Arbeit hat mir große Freude bereitet. Drei Jahre lang stand ich der Handelskammer vor.

Einer, der meinen Werdegang intensiv beobachtete, war unser heutiger Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Er kannte mein Handeln und schätzte die Werte, für die ich einstand. Nachdem im Jahr 2011 die schwarz-grüne Koalition zusammengebrochen war, schlug er mich als Wirtschaftssenator vor. Daraufhin verlängerte ich meine Amtszeit als Präses der Handelskammer nicht, sondern kandidierte 2011 für das Amt des Senators der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation.

Senator mit Weitsicht: Frank Horchs Büro bietet einen Blick über die Stadt | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Sie stammen aus einfachen Verhältnissen und sind einen bemerkenswerten Karriereweg gegangen. Treibt Sie der Wunsch an, dies auch anderen, gerade jungen Menschen, ermöglichen zu wollen?
Zweifellos. Ich halte zum Beispiel sehr viel vom dualen Bildungssystem, da ich überzeugt bin, dass die Kombination aus wissenschaftlichem Hintergrund und hohem Praxisbezug, verbunden mit einer gewissen Lebenserfahrung, viele Türen öffnet.

Welchen Fokus legen Sie auf die Förderung junger Unternehmen?
Über 800 Jahre ist Hamburg als traditionelle Handels- und Hafenstadt gewachsen. Doch die Digitalisierung sorgt in traditionellen Geschäftsfeldern für einen Paradigmenwechsel.Das Stichwort lautet: Zukunftsprojekt Industrie 4.0. Wo sonst unter anderem Fläche, Technik und Umschlagtätigkeit gefragt waren, spielen nun Automatisierungen und Kommunikation eine maßgeblichere Rolle. In diesem Rahmen bringt unser Mittelstand immer mehr hochinnovative Unternehmen hervor, die sich mit genau diesen Herausforderungen befassen. Einige dieser Startups haben sich bereits auf dem Weltmarkt etabliert. Andere sind auf einem guten Wege dorthin. Die Hamburger Wirtschaft benötigt ein Upgrade in Form von jungen Unternehmen mit frischen Geschäftsideen. Mit ihnen stellen wir uns der Digitalisierung und machen Hamburg zukunftssicher. Deshalb wollen wir jungen Unternehmerinnen und Unternehmern, ob aus der Region oder von außerhalb, mit innovativen Finanzierungswegen ein deutliches Signal geben: „Kommt her!“ oder „Bleibt hier!“ Ich bin stolz darauf, dass wir allein in 2014 über 300 Startups – unter anderem durch Venture Capital und Crowdfunding – fördern konnten.

Hamburg im Vordergrund, im Hintergrund und im Herzen: Wrtschaftssenator Frank Horch Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und die nachhaltige Verhaltensweise gehören zu den Werten eines Ehrbaren Kaufmanns. Wie bedeutend sind die noch?
Bei allen Geschäften, ob groß oder klein, ob national oder international, sind die Tugenden des Ehrbaren Kaufmanns von ausschlaggebender Bedeutung. Was passiert denn, wenn man sich nicht an ihnen orientiert, wenn kein Vertrauen unter Geschäftspartnern herrscht? Dann macht man einmal Geschäfte miteinander – und dann nie wieder. Besonders in unruhigeren Zeiten, wie wir sie international gerade erleben, sind diese Grundtugenden von besonderer Bedeutung. Wir sollten sie sogar noch viel stärker in den Vordergrund stellen! Wenn ich zum Beispiel einen Vertrag unterschreibe, setze ich nicht nur formal meinen Namen darunter, sondern stehe dafür ein, ihn mit Leben zu füllen und darauf aufbauend die Zukunft zu bestimmen.

Im Gespräch mit:  Sarah Bischoff und Christian Bauer


PERSÖNLICHE FRAGEN AN DEN SENATOR

Wie halten Sie sich fit?
Grundsätzlich gehe ich bei einer 6- bis 7-Tage-Woche, was Essen, Trinken und Schlaf angeht, sehr diszipliniert vor. Wenn Zeit bleibt, verbringe ich jede freie Stunde auf dem Wasser. Das Segeln ist für mich ein Quell der Erholung.

Welches ist Ihr Lieblingssegelschiff?
Mein eigenes. Es trägt den Namen HORGE. Das setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben meines Nachnamens und aus meinem Geburtsort Geversdorf, einer Gemeinde in der Nähe von Cuxhaven, zusammen.

Wo segeln Sie am liebsten?
Die Ostsee ist für mich in allen Belangen das schönste Segelrevier der Welt. Seit knapp 60 Jahren habe ich ein eigenes Boot. Mit dem Schiff, das ich heute besitze, verfolge ich noch ein großes Reiseziel: das ganze Baltikum absegeln.

Wer gehört zu Ihrer Besatzung?
Meine Familie. Vor allem meine Frau, unsere Kinder gehen ihre eigenen Wege. Ich bin aber auch gern mit meinem Enkel unterwegs, er ist ein guter und interessierter Segler. Aber auch enge Freunde sind ein fester Bestandteil meiner Besatzung.

Was ist das Standardessen an Bord?
Wenn ich für die Verpflegung an Bord verantwortlich bin, gibt es ganz bescheiden Joghurt und Müsli, gern mit Früchten. Sonst ist es ganz abhängig davon, wer mit mir segelt.


Über Frank Horch:

Frank Horch wird am 25. Februar 1948 in Geversdorf, im Landkreis Cuxhaven, geboren. Mit 21 Jahren beginnt er sein Schiffbaustudium in Hamburg. Begleitend arbeitet er als Konstrukteur auf der Mützelfeld-Werft Cuxhaven und bei HDW Hamburg. Direkt im Anschluss an sein Studium tritt er 1974 als Entwicklungsingenieur bei der Phoenix AG ein, wo er in den kommenden Jahren als Hauptabteilungsleiter im Bereich Entwicklung, Direktor für Entwicklung und Produktion sowie als Mitglied des Aufsichtsrates für leitende Angestellte tätig ist. Mit 43 Jahren wird er Generalbevollmächtigter der Phoenix AG. Im Jahre 1994 übernimmt er für die Friedrich Krupp AG die Leitung des Werkes Hamburg-Harburg Krupp Kunststofftechnik. Ab 1997 ist Horch Vorsitzender der Geschäftsführung der Krupp bzw. ThyssenKrupp Elastomertechnik. Im Zeitraum von 2005 bis Ende 2007 sitzt er der Geschäftsführung der Harburg-Freudenberger Maschinenbau GmbH vor. Daraufhin ist Horch von 2008 bis 2011 Mitglied der Geschäftsführung Blohm + Voss Shipyards & Services GmbH. Zeitgleich wird er zum Präses der Handelskammer Hamburg gewählt und übt dieses Amt für drei Jahre aus. Seit dem 23. März 2011 ist Frank Horch Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.