Mit Erfahrung und Gespür zur Diagnose

„Krankheiten und Lebensstil stehen in einem engen Zusammenhang.“ - PD Dr. Algenstaedt | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Top-Medizinerin

Privatdozentin (PD) Dr. med. Petra Algenstaedt ist Leiterin des Ambulanzzentrums für Endokrinologie und Diabethologie am Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE). Die Fachärztin für Innere Medizin betreibt außerdem die Privatpraxis Medicum Eppendorf, ein Zentrum für ganzheitliche Medizin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In HANSEstyle berichtet sie über das Spektrum ihrer Tätigkeit und den Herzenswunsch nach mehr Aufklärung und Bewusstsein der Ärzte und Patienten, was oftmals lange Leidenswege verkürzen oder beheben könnte.

PD DR. ALGENSTAEDT ÜBER …

… Schwerpunkte in ihrer beruflichen Tätigkeit als Endokrinologin
Ich befasse mich vor allem mit Störungen an den hormonbildenden Organen. Dort, wo wir Hormone bilden, kann es zu Fehlfunktionen kommen – bis hin zum Totalausfall. Das kann beispielsweise durch angeborene Defekte, Tumorbildung oder einen Unfall geschehen. Der Patient ist sich über die Ursache seiner Symptome, wie zum Beispiel Schlafstörungen oder Depressionen, nicht immer bewusst und er kommt oftmals erst nach langem Leidensweg zu uns. Hier wird dann abgeklärt, ob eine Depression und Dauermüdigkeit beispielsweise Folge einer Fehlfunktion der Schilddrüse sind. Erkennen wir eine Störung des hormonellen Regelkreises, lässt sich diese sehr gut behandeln.

… ihren Ansatz bei der Sicht auf den Patienten
Mir ist es wichtig, den Menschen als Ganzes zu sehen, ihm genau zuzuhören, offen zu sein auf der Suche nach den Ursachen seiner Beschwerden. Es ist fast wie in einem Kriminalfall – ich achte auf sämtliche Indizien und füge die Puzzle-Teile zusammen. Manchmal liefert der Patient dazu selbst in einem kleinen Nebensatz unbewusst den Hinweis. Möglicherweise sehe ich bereits bei der ersten Begegnung mit ihm im Rahmen der Blickdiagnose eventuelle Veränderungen in dessen Physiognomie. So kann beispielsweise eine Störung der Wachstumshormone zur Beeinflussung der Gesichtsform, der Hände oder Füße führen. Dies sind oftmals seltene Erkrankungen, die nur der Spezialist klar zuordnen kann.

… Diagnosen und Erkenntnisse anhand des Blutbildes
Bei den zunehmenden Möglichkeiten im Bereich der Frühdiagnostik sehe ich auch die Gefahr einer Überinterpretation. Eine Veränderung am Organ muss nicht zwangsläufig eine Erkrankung bedeuten! Es kommt auf den Einzelfall und das Gesamtbild an. Ausschlaggebend ist für mich die versierte Analyse des Blutbildes, um zu erkunden, ob tatsächlich ein Leiden vorliegt. Dies gegebenenfalls in Kooperation mit den Laboren oder Kollegen anderer Fachgebiete. Für mich bedeutet Erfahrung und Gespür auf dem Weg zur endgültigen Diagnose sehr viel.

… die Dinge, die ihr beruflich besonders am Herzen liegen
Ich wünsche mir mehr Bewusstsein in der Öffentlichkeit – also bei Patienten, Hausärzten und auch Psychologen – über die Zusammenhänge zwischen Hormonen, Krankheiten und Psyche. Sehr gerne würde ich entsprechende Schulungen sehen! Viele ungeklärte Leiden gehören in die Hand eines erfahrenen Endokrinologen und können verkürzt oder behoben werden. Eine Fehlfunktion kann sich auf den ganzen Körper auswirken! Ganz besonders wichtig ist mir, auf die Zusammenhänge zwischen unserem Lebensstil und Krankheiten hinzuweisen, denn ich habe täglich mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht zu tun, die davon unmittelbare Folge sein können. Wir sollten auf Industrie-Food verzichten, uns von der heute geforderten Omnipräsenz und entsprechendem Dauerstress distanzieren und wieder mehr auf unsere wahren Bedürfnisse hören! Dies sollten schon die Kinder in der Schule lernen. Die Prävention und Aufklärungsarbeit liegt mir hierbei am Herzen.

… das Potential der Endokrinologie
Zurzeit beschäftige ich mich sehr mit dem Thema „bioidentische Hormone“. Mit ihnen lassen sich viele Erkrankungen nebenwirkungsarm behandeln. Die bisherigen standardisierten Hormontherapien – beispielsweise bei Wechseljahresbeschwerden – hatten teilweise verhängnisvolle Nebenwirkungen. Im Medicum Eppendorf kann ich mich diesem Thema vermehrt widmen. Die entsprechenden Heilerfolge machen mich vereinzelt selber sprachlos. Ich wünsche mir, mit diesem klaren Konzept den Menschen zu helfen, die aus dem Dschungel von Überangebot und Verlorenheit nach langer Suche schließlich zu mir kommen.

Im Gespräch mit: Daniela Stubbe


Über PD Dr. Petra Algenstaedt:

Nach dem Studium der Humanmedizin und Facharztausbildung für Innere Medizin am UKE verbrachte Petra Algenstaedt drei Jahre an der Harvard Medical School in Boston, wo sie sich mit ihrem Forschungsschwerpunkt im Diabetesbereich weiter spezialisierte. Nach ihrer Rückkehr etablierte sie ihre eigene Arbeitsgruppe am UKE und leitet dort seit ihrer Habilitation 2007 das Ambulanzzentrum Diabetologie und Endokrinologie. Daneben bietet die engagierte Mutter von drei Kindern in der Praxis im Medicum Eppendorf spezielle Hormonsprechstunden für Erwachsene und Kinder sowie Jugendliche an und widmet sich beherzt den Themen Prävention und Patientenaufklärung.


Über das Ambulanzzentrum des UKE:

Eine hochspezialisierte ambulante Versorgung von Patienten auf universitärem Niveau – so lautet das Konzept des im Jahre 2004 gegründeten Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) des UKE. Unter einem Dach arbeiten 25 verschiedene Fachbereiche Hand in Hand, um Patienten eine optimale und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung zu ermöglichen. Dies geschieht über den kontinuierlichen interdisziplinären Austausch der zuweisenden Kollegen – oft auf Basis jahrelang bestehender Kontakte. Dadurch werden unnötige Doppeluntersuchungen, Wartezeiten und Anspannung für den Patienten vermieden.