Lisa Tomaschewsky

Sie ist ein Shootingstar. Erst vor gut zwei Jahren entschied sie sich endgültig für die Schauspielerei. Nach einem kurzen Intermezzo bei „Verbotene Liebe“ lief schon im letzten Jahr der erste Kinofilm mit ihr in der Hauptrolle an. In „Heute bin ich blond“, einer von Regie-Schwergewicht Marc Rothemund („Sophie Scholl – Die letzten Tage“, „Mann tut was Mann kann“) inszenierten Tragikomödie, spielt Lisa Tomaschewsky die an Krebs erkrankte Sophie. Nicht nur als sie sich vor laufender Kamera den Kopf rasiert, rührt sie viele Zuschauer zu Tränen. Für ihre Darstellung bekommt sie beste Kritiken. Es ist eine Rolle, die sie auch menschlich nachhaltig geprägt hat. In Itzehoe geboren und in Glückstadt aufgewachsen lebte Lisa Tomaschewsky viele Jahre in Hamburg. Bis zu ihrer Trennung von Model Lars Burmeister. Auch darüber spricht die Schauspielerin erstmals bei HANSEstyle. Mit 14 Jahren beginnt sie zu modeln und arbeitet in ihrer ersten Karriere für Marken wie Triumph und Tommy Hilfiger, einmal zieht sie sich für den Playboy aus. Später bricht sie mit der Branche und wechselt zum Schauspiel. Ein Model kann keine ernstzunehmende Schauspielerin sein? Lisa Tomaschewsky beweist das Gegenteil. Sie ist ein Naturtalent. Die Rolle in „Verbotene Liebe“ erhielt sie nach ihrem ersten Casting, kurz darauf begeisterte sie Marc Rothemund. Wie das möglich ist? Überzeugen Sie sich selbst! Lernen Sie eine junge Frau zwischen Stolz, Schönheit, Wut, Witz und Verzweiflung kennen. Ausgesprochen vielseitig ist sie, diese Lisa Tomaschewsky.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle

Ich war auf einer kooperativen Gesamtschule. Berührungsängste gegenüber körperlich oder geistig behinderten Menschen habe ich nicht. Ich weiß, wie viel Spaß man gemeinsam haben kann.

Drei Monate vor der Realschulprüfung bin ich von der  Schule entlassen worden. Ich war einfach nicht da. Abschlüsse sind gut für den Lebensweg. Doch ob ich einen Stempel habe oder nicht – ich weiß auch so, was Sache ist.

Ich wollte raus und die Welt sehen. Das hat mich beim Modeln angetrieben.

Beim Modeln geht es immer ums Schönsein, es geht um den perfekten Körper. Dabei finde ich es viel sympathischer, wenn Frauen so sind wie sie sind.

Von einem Model wird erwartet, dass es immer trainiert, immer frisch frisiert und pedikürt ist. Früher hat man in der Modebranche noch gutes Geld verdient. Aber die Relation zwischen Aufwand und Ertrag hat sich verändert.

Eine Freundin von mir ist bei der Berlin Fashion Week drei Shows gelaufen. Sie war froh, dass sie davon ihre halbe Monatsmiete zahlen konnte.

Da ich nicht so groß bin, ging es beim Modeln immer um mein Gesicht oder meinen Körper.

Beim Modeln war ich immer halbnackt, ich stand immer im Mittelpunkt. Doch mir hat nie jemand in die Augen geguckt. All das Unpersönliche, was in der Modebranche steckt, will ich einfach nicht mehr.

Ich bereue nicht, dass ich im Playboy war.

Ich wollte kreativ arbeiten. So kam ich zur Schauspielerei.

Wenn ich aufgeregt bin, klingt meine Stimme leise, piepsig und krächzig.

Mein erstes Casting war ein Volltreffer. Doch darauf war ich eigentlich gar nicht vorbereitet. Auf einmal hatte ich einen festen Job bei „Verbotene Liebe“.

„Heute bin ich blond“ ist vor etwa einem Jahr in die Kinos gekommen. Jeden Tag danke ich Gott, dass ich diesen Film machen und Sophie spielen durfte.

Es war beängstigend, sich selbst so zu sehen: Der Kopf nass rasiert, keine Augenbraunen, keine Wimpern. Man lernt sich aus einem ganz neuen Blickwinkel kennen.

Eine solche Glatze gibt einem ein beklemmendes Gefühl. Doch wäre die Gesellschaft nicht so oberflächlich, wäre es scheißegal. Aber sie gucken nunmal auf einen, wenn man keine Haare hat.

Eine Glatze kann ein Neustart sein. Du kannst alles neu machen, du kannst Neues probieren.

Wie man sich Mut macht, wenn man Krebs hat? Ich weiß nur, wie Sophie es gemacht hat. Sie hat die positive Energie darin freigesetzt.

Es gibt nicht mehr dich und das Finanzamt oder dich und böse Menschen, die dich ärgern. Es gibt nur noch dich und den Krebs. Deine Aufgabe ist, zu überleben. Und das ist die einzige Aufgabe, die du dann hast.

Ich habe das Gefühl, dass sich unsere Gesellschaft mit diesem ständigen Höher, Schneller, Weiter selbst vergiftet.

Wie es mit meiner Karriere weitergeht? Das liegt nicht nur in meiner Hand.

Mein Sternzeichen ist Krebs, Aszendent Waage.

Es kann auch sein, dass nichts mehr kommt. Vielleicht fasse ich nicht nachhaltig Fuß. Wenn kein Job mehr kommt oder ich nicht mehr drehe, werde ich mein Abitur nachholen.

Ich brauche keine riesige Wohnung und kein großes Auto. Es ist schön, wenn man beides hat, aber es ist auch vollkommen ok, wenn man beides nicht hat.

Geld kann ein Motivator sein, aber nur wegen des Geldes würde ich mich nicht für eine Rolle entscheiden.

Lisa stammt von Elisa. Das kommt aus dem Griechischen und heißt Vollkommenheit. Doch ich weiß gar nicht, ob Vollkommenheit etwas so Positives ist.

Ursula Karven sagte mir: „Behandle dich so wie deine beste Freundin. Dann wird es dir auch so gehen wie deiner besten Freundin.“

Auch wenn man manchmal denkt, dass es nicht weitergeht. Das tut es doch.

Nach der Trennung wollte ich etwas Neues ausprobieren. Jetzt wohne ich in Berlin. In derselben Straße wie meine beste Freundin.

Seit ich in Berlin wohne war ich nur ein einziges Mal in einem Club. Dort bin ich fast kollabiert. Es waren einfach zu viele Menschen.

Ich will auch nicht im Club herumhüpfen. Essen gehen ist mir lieber.

Egal, wie eng es auf einem Segelboot ist, egal wie viele Beulen es hat: Man fühlt sich frei.

Bei der Arbeit kann man mich ruhig anschreien, aber privat bin ich total geräuschempfindlich. Da mache ich mir höchstens leise Klassikradio an.

Ich habe einen Garten. In Berlin, mitten im Wald am See. Dort kann ich sein, wie ich bin. Dort gibt es keine Rolle, keine Beziehung, kein gar nichts. Dort gibt es nur meinen Hund und mich. Und einen Spaten zum Umgraben.

Ich bin in Glückstadt am Wasser aufgewachsen. Mein Vater ist Bootsbaumeister.

Ich bin seetauglich.

Ich war früher fast jeden Tag an der Elbe.

Ich bin mit Sea Shepherd auf die Straße gegangen und habe gegen die Delfin-Tötung in Japan demonstriert. Das würde ich jederzeit wieder tun.