LEBENDIGE INNENSTADT

Andreas Rehberg von Grossmann & Berger befürwortet eine attraktive Innenstadt

Belebte Plätze, individuelle Geschäfte und mehr Bewohner: HANSEstyle sprach mit dem Spezialisten Andreas Rehberg – er ist Geschäftsführer des
Immobiliendienstleisters Grossmann & Berger – über neue Immobilienprojekte in der Hamburger Innenstadt und die Attraktivität der City.

HANSEstyle: Worin besteht die Herausforderung bei der Umsetzung neuer Projekte in der Innenstadt – worauf muss besonders geachtet werden?
Andreas Rehberg: Gerade im Innenstadtbereich müssen die Vorgaben zur Nutzung und zum Stadtbild beachtet werden. Bauliche Verände-rungen wie zum Beispiel die Aufstockung von
Immobilien, die notwendig ist, um dem Wachstum der Stadt gerecht zu werden, müssen ins Stadtbild passen. Neben öffentlich nutzbarem Raum muss auch Wohnraum entstehen – dabei soll die Innenstadt so attraktiv wie möglich gestaltet werden, um sie weiter zu beleben. Derzeit entstehen interessante Kombinationen, in denen Hotels, Wohnungen sowie Einzelhandels- und
Büroflächen vorhanden sind. Wie die Stadthöfe, das Quartier am Klosterwall oder das Springer Quartier.

Der Konkurrenzdruck durch das Online-Geschäft ist im Einzelhandel groß. Welche Bedeutung hat der Einzelhandel für solche Mischkonzepte?
Der Einzelhandel befindet sich durch das Online-Geschäft tatsächlich in einem großen Umbruch. Besonders kleine Labels haben es im stationären Bereich nicht leicht: Ein Ladengeschäft – im Vergleich zum reinen Onlinehandel – ist mit hohen Kosten verbunden. Trotzdem brauchen Projekte wie die Stadthöfe individuelle Einzelhandels-konzepte. Durch sie wird eine noch höhere Aufenthaltsqualität geschaffen und die Immobilie wird aufgewertet.

Andreas Rehberg ist unter anderem Spezialist für die gewerbliche Innenstadt-Vermietung

Für einen gut funktionierenden Einzelhandel ist die Belebung der Innenstadt besonders wichtig. Wie kann die Frequenz in der City noch erhöht werden?
In anderen Metropolen – wie London oder Paris – herrscht Trubel. Dort ist Bewegung in den Innenstädten. In Hamburg haben wir so etwas nur an einem einzigen Ort: der Elbphilharmonie.
Ich finde es schade, dass öffentliche Plätze wie der Rathausmarkt und der Gänsemarkt nicht noch viel stärker bespielt werden – durch gastronomische Konzepte zum Beispiel. Durch gute, interessante gastronomische Angebote wird ganz grundsätzlich eine höhere Frequenz und Verweildauer erreicht. Durch zusätzliche Maßnahmen, um die Attraktivität dieser Plätze zu steigern – unter anderem durch Sitzgelegenheiten, Begrünung, Springbrunnen oder Kunst im öffentlichen Raum – würde zunehmende Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Zur Belebung der HafenCity wird das im Überseequartier geplante Einkaufszentrum von Unibail-Rodamco mit rund 70.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche beitragen.

Gehen Sie davon aus, dass dieses Einkaufscenter den Einzelhandel in der KernCity beeinflussen wird?
Es besteht zum Beispiel die Angst, dass weniger Touristen, die mit einem Kreuzfahrtschiff in der HafenCity anlegen, in die KernCity kommen. Ich kann mir schon vorstellen, dass das Center Auswirkungen haben wird. Doch trotzdem bleibt die City von ganz besonderer, eigener Bedeutung und absolut sehenswert.

Das macht ja eine gute Verbindung von HafenCity und KernCity nochmals wichtiger. Wie könnte die gegenseitige Erreichbarkeit beider Quartiere verbessert werden? Die Verbindung beider Stadtteile läuft derzeit über die schwierig zu überquerende Willy-Brandt-Straße. Ein Mobilitäts-Konzept mit einem von der Stadt eingerichteten Shuttle-Service könnte die Verbindung fördern. Eine andere Möglichkeit wäre auch, ausgewählte Wege zwischen KernCity und HafenCity durch eine botanische Achse oder eine Kunstmeile besonders attraktiv zu gestalten.

Im Gespräch mit Louisa Wölke und Christian Bauer

Fotos: Marius Engels

 

Andreas Rehberg und Grossmann & Berger
Die Grossmann & Berger GmbH ist einer der führenden Immobiliendienstleister für den Verkauf und die Vermietung von Gewerbe- und Wohnimmobilien in Norddeutschland – mit zehn Standorten in Hamburg sowie je einem in Berlin, Ahrensburg, Lüneburg und auf Sylt. Grossmann & Berger gehört zum deutschlandweiten Gewerbeimmobiliennetzwerk German Property Partners (GPP). Andreas Rehberg ist seit 2005 einer der Geschäftsführer bei Grossmann & Berger und leitet den Bereich gewerbliche Vermietung. Seit 2012 ist der Diplomkaufmann Sprecher der Geschäftsführung.

 

Einige ausgewählte Projekte, die in der City und HafenCity umgesetzt werden

Springer Quartier
„Im neuen Springer Quartier wird ein Mix aus Wohnungen, Büro- und Einzelhandelsflächen entstehen. Durch diese Konstellation wird die City West als zentrale Innenstadtlage deutlich aufgewertet.“ Adresse: Kaiser-Wilhelm-Straße | Fertigstellung: ab 2020

Campus Tower
„Der markante Neubau bildet den Auftakt zum Quartier „Baakenhafen“. Zudem schließt das Grundstück an das „Wissensquartier“ der HafenCity an. Das modulare Baukonzept ermöglicht individuelle Büroflächen und viele Nutzungsmöglichkeiten.“ Adresse: Versmannstraße | Fertigstellung: 3. Quartal 2018

Alter Wall
„Als Premiumstandort wird der Alte Wall in der Hamburger Innenstadt neue Impulse setzen. So wird die Verbindung vom Rathausmarkt über den Neuen Wall bis zum Rödingsmarkt als Querachse zur HafenCity möglich.“ Adresse: Alter Wall 2-32 | Fertigstellung: 2018

Watermark
„Im Mittelpunkt des Gebäudekomplexes steht der von dem Hamburger Architekturbüro „Störmer Murphy and Partners“ geplante 70 Meter hohe Bürohaus-Neubau. Dieses „Leuchtturm-Projekt“ besticht durch die direkte Elblage und den 360° Panoramablick.“ Adresse: Überseeallee 10 | Fertigstellung: 1. Quartal 2018

 

Fotos: Art-Invest (1), CADMAN (1), Garbe Immobilien-Projekte GmbH (1), STRABAG (1)