Label mit Star-Appeal

Designerin Kathrin Diedrich | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

  Nach den international erfolgreichen Designern Jil Sander, Wolfgang Joop und Karl Lagerfeld gilt sie als Hamburgs neue Modehoffnung: Katrin Diedrich (genannt Kadda) mit ihrem Label Ethel Vaughn! Ob Deichkind, Star-Choreograph Marvin A. Smith oder Yolandi Visser von Die Antwoord: sie alle tragen das Hamburger Mode-Label. In HANSEstyle stellt sich die frisch gebackene zweifache Mama vor.

„Aufgewachsen bin ich in Lippstadt, also im Ruhrpott. Nach dem Abi ging’s  nach Köln um Kunst und textile Gestaltung zu studieren. Das Kunststudium war nichts für mich und ich habe mich in Richtung Textildesign orientiert. Direkt im Anschluss an mein Studium habe ich mich selbständig gemacht. Der Entschluss zur Selbständigkeit kam noch bevor es das Label Ethel Vaughn gab. Vorher hatte ich mit einer Freundin ein kleines Streetwear-Label auf St. Pauli. Wir haben aber schnell gemerkt, dass unsere Ideen von Modelabel2  in verschiedene Richtungen gehen.

2010 habe ich mein eigenes Label gegründet. Bis ich meinen Stil gefunden habe, hat es ungefähr zwei Jahre gedauert. Besonders die Namensfindung war schwierig, denn meinen Mädchennamen Weber fand ich für eine internationale Marke unpassend. Da mein Mann und ich Familienmenschen sind, kamen wir auf die Idee, in unserem Umfeld nach einem Namen zu suchen. Bei einer Großtante meines Mannes wurden wir fündig:  Ethel Vaughn. 2012 habe ich meine ersten Teile verkauft. Es fing mit einem schwarzweißen Fledermauspullover mit roten Innentaschen an. Der True-Sweater aus der gleichen Kollektion ist immer noch mein Topseller. Dieser Pullover war der erste große Erfolg und ist bis heute das Aushängeschild des Labels.

Illustrationen der Designerin | Fotos: Ulrich Lindenthal-Lazhar

Mich macht es stolz, bekannte Gesichter in meinen Sachen zu sehen. Beispielsweise tragen Deichkind in ihrem Musikvideo von „So ’ne Musik“ das $$$-Outfit und Choreograph Marvin A. Smith hat sich für die Castingshow Got To Dance exklusiv von uns ausstatten lassen. Die südafrikanische Sängerin Yolandi Visser von Die Antwoord hat das $$$-Outfit zum Verkaufsschlager gemacht – da sie es selbst getragen und sich darin auf Instagram gepostet hat. Daraufhin haben wir ihr, als kleines Dankeschön, ein exklusives Outfit designt – sozusagen die Antwort auf Die Antwoord. Wir haben den $$$-Print aus Prawns und Essstäbchen nachgebaut, weil Yolandis Spitzname Prawnstar ist.

Ich bin ein Kind der 90er und besonders die Hip-Hop-Szene inspiriert mich. Das sieht man auch an meinen Klamotten! Die auffälligen Prints sind mein Markenzeichen geworden. Ich halte nichts von diesen überdesignten Schnitten und finde, Kleidung muss tragbar und bequem sein. Der Hamburger Modegeschmack ist wie der Hamburger selbst: Immer ein bisschen Understatement. In Hamburg verkaufe ich am meisten die schwarzweißen Sachen wie den Dollar-Sweater oder den black on black True-Pullover. Ich würde mich freuen, wenn die Hamburger sich ein bisschen mehr trauen würden hinsichtlich Klamotte. Ich arbeite daran.

Der True-Pullover ist bis heute Kaddas Bestseller

Natürlich finde ich es super, wenn ich höre, dass ich als Modehoffnung gehandelt werde und kann mir gut vorstellen, dass ich auch über Hamburg hinaus erfolgreich sein werde. Ich möchte gern wachsen, allerdings soll Ethel Vaughn ein Familienbusiness bleiben und ich möchte auch weiterhin in Hamburg produzieren. Mir ist es nicht wichtig, zweimal im Jahr eine neue Kollektion auf den Markt zu bringen. In einem Fami-lienbetrieb wie unserem und mit zwei kleinen Kindern ist das auch fast unmöglich. Mein Mann ist als Locationscout selbständig und unterstützt mich, wo er kann. Zusätzlich habe ich eine Schneiderin und eine Schnittdirektrice, die für mich arbeiten.

Natürlich freue ich mich, wenn wir weiterwachsen, aber die Base ist in Hamburg und soll auch hier bleiben.
Vor Kurzem habe ich mich mit anderen Designerinnen, die auch kleine Kinder haben, zusammengeschlossen und gemeinsam haben wir einen Laden, die Kleine Freiheit No.1 eröffnet. So kann ich neben dem Onlineshop auch ein Geschäft haben, ohne dass ich den ganzen Tag vor Ort sein muss. Und vor allem ohne die Angst, dass die Kinder zu kurz kommen. Das funktioniert super!“

Text: Marike Götz