Kostja Ullmann

Sein Name ist russisch, seine Wurzeln indisch, englisch, portugiesisch. Er selbst bezeichnet sich als „Hamburger Jung“: Kostja Ullmann (28) ist ein Kosmopolit in der deutschen Schauspielszene. Dass der gebürtige Hamburger nicht mehr nur in nationalen Kino- und Spielfilmen zu Hause ist, bewies er jüngst, als er in seiner Heimatstadt mit US-Schauspieler und Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman vor der Kamera stand. Momentan ist er als Geist James in „Rubinrot“ im Kino zu sehen. Bei seinem Besuch in der HANSEstyle-Redaktion trank er Yogi-Tee, lachte mit uns um die Wette und erzählte in entspannt-lockerer Atmosphäre aus seinem Leben. 360 Grad Kostja Ullmann – die folgenden Zitate stammen aus einem intensiven Gespräch mit dem Schauspieler.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle

Mein Sternzeichen ist Zwillinge. Eigentlich heißt es immer: „Oh, mein Gott – dann hast du zwei Gesichter!“ Aber das ist doch gut: So habe ich eines für die Schauspielerei und eines für mein Privatleben.

Meine Mutter ist in Indien geboren und in England aufgewachsen. Ihr Vater ist halb englisch, halb indisch, ihre Mutter ist halb englisch, halb portugiesisch. Ich bin Hamburger Jung.

Meine ältere Schwester war und ist meine beste Freundin. Mein Wunsch ist es, einmal mit ihr gemeinsam einen Film zu drehen. Wenn es nicht gerade ein Liebespaar ist.

Die Liebe meiner Schwester hätte mich früher fast umgebracht. Sie hat mich von hinten so fest umarmt, dass sie mich fast erwürgt hätte.

Ich bin in einem Künstlerhaus aufgewachsen. Der Beruf des Schauspielers war für mich damals schon etwas Normales. Zum Glück, denn deshalb nehme ich ihn auch heute nicht zu ernst.

Mit sechs Jahren kam ich zum Ballett. Das war als Kind natürlich nicht das Coolste.

Außer Gras habe ich keine Drogen probiert.

Haltung, Rhythmus- und Körpergefühl: Es muss nicht Ballett sein, aber wenn ich einmal einen Sohn habe, würde ich ihn zum Tanzen bringen.

Bei meinem ersten Casting kam der Regisseur zu mir nach Hause. Ich musste einmal fröhlich in die Kamera grinsen und einmal traurig gucken. So bekam ich meine erste Rolle.

Wenn ein neues Projekt anstand, musste ich in der Schule Gas geben. Denn nur wenn die Noten gut waren, durfte ich drehen. Das war für mich ein echter Anreiz.

Ich habe die Schule mit einem Realschulabschluss beendet. Ich hatte mich für die Schauspielerei entschieden.

Ich habe zweimal die Schule gewechselt. Zum Schluss war ich auf der Bugenhagen-Schule, einer Integrationsschule. Es ist ein wunderbares Konzept – so habe ich jegliche Berührungsängste gegenüber körperlich oder geistig behinderten Menschen verloren.

Ich habe einmal einen Rollstuhlfahrer gespielt. Vor den Dreharbeiten bin ich mit dem Rollstuhl in Hamburg und München durch die Innenstädte gefahren. Eine Erfahrung: Die Innenstädte sind wenig barrierefrei.

Wenn ich könnte? Dann würde ich dieses Jahr noch die Meisterschaft mit dem HSV feiern.

Der Reiz an der Schauspielerei liegt für mich darin, jemand anders sein zu können. Vor der Kamera kann ich Dinge ausleben, die privat nicht gehen.

Man muss schon vor dem Drehtag wissen, wie die Rolle sich an den verschiedenen Stellen im Drehbuch fühlt – was sie erlebt hat und was sie erleben wird.

Ich liebe Musicals.

Kostja ist die Abkürzung von Konstantin. Das kommt aus dem Russischen.

Gerade habe ich mit Philip Seymour Hoffman in Hamburg gedreht. Ich habe noch nie einen so unglaublich guten Schauspieler live erleben dürfen. Da muss man aufpassen, dass man nicht nur staunt, sondern seinen Text auch noch behält.

Sich in den Rollen verlieren zu können, ist wunderbar.

Ich wollte immer Qualität machen. Deshalb habe ich oft Low-Budget-Produktionen anderen Angeboten vorgezogen. Früher ist mein Konto daher schon mal ins Minus gerutscht.

Es kann sehr anstrengend sein, immer wieder alte Produktionen im Fernsehen zu sehen. Das Gute daran ist, dass ich so sehen kann, wie ich mich weiterentwickelt habe.

Jede Rolle eröffnet mir eine neue Welt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich möchte irgendwann einmal in einer Bollywood-Produktion mitspielen. Das Thema in Kürze: „Frau muss einen Mann heiraten, liebt aber einen anderen. Am Ende finden sie sich doch.“

Dazu viel Tanz und Singen. Das würde mir Spaß machen.