Jetzt ist die Zeit

Otto Wulff, Baugesellschaft, Stefan Wulff, Immobilien,

„Otto Wulff“ ist eine der größten Baufirmen Norddeutschlands. In HANSEstyle spricht Stefan Wulff, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt, über den richtigen Zeitpunkt für den Immobilienkauf, über Eigentum als entscheidende Altersvorsorge und über die in Hamburg immer wichtiger werdenden Stellplätze für Fahrräder.

HANSEstyle: Hamburg braucht bezahlbaren Wohnraum – so lautet eine der wichtigsten Forderungen im Hinblick auf die Wohnraum-Entwicklung in der Stadt. Was halten Sie für bezahlbar?
Stefan Wulff: Eine Kaltmiete zwischen acht und zwölf Euro pro Quadratmeter halte ich für bezahlbar. Ein solches Mietniveau kann sich ein großer Teil der Bevölkerung leisten.

Häufig werden die ansteigenden Mieten in Hamburg kritisiert. Wird stadtnahes Wohnen bald nur noch für vermögende Menschen möglich sein?
Das glaube ich nicht. Der Druck in den der Alster nahegelegenen- und Szene-Stadtteilen ist extrem. Dazu gehören zum Beispiel Eimsbüttel, Eppendorf, Harvestehude, Ottensen und Altona. Denn in diesen Stadtteilen mit Restaurants, Bars, vielen Einkaufsmöglichkeiten und dem gut ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr möchten sehr viele Menschen wohnen. Doch wer sich nach Wandsbek oder Harburg orientiert, findet noch Wohnungen. In Hamburg ist es ganz unterschiedlich: Wird eine Wohnung in Winterhude frei, stehen Sie bei einer Wohnungsbesichtigung schnell einmal mit 200 anderen Interessenten in einer Schlange, während wir in Billstedt – auch unweit von unserem Unternehmenssitz – manchmal einige Wochen benötigen, um eine Wohnung zu vermieten. Der hohe Wohnungsdruck zieht sich also nicht über ganz Hamburg, sondern er konzentriert sich auf die bevorzugten Stadtteile.
Darüber hinaus haben wir durch die Anstrengungen im öffentlich geförderten Wohnungsbau in Hamburg immer einen Drittelmix bei Neubauprojekten: ein Drittel öffentlich geförderte Wohnungen, ein Drittel frei finanzierte Miete und ein Drittel Eigentum. So wird versucht, die Gesellschaft möglichst gut abzubilden. Wir haben mit unserem Unternehmen derzeit zum Beispiel am Tarpenbeker Ufer in Groß Borstel ein Projekt mit 750 Wohnungen, davon 225 öffentlich gefördert.

Stefan Wulff in der Firmenzentrale in Hamburg Billstedt

Zu einem Drittel Eigentum: Die Immobilienpreise in Hamburg sind gestiegen. Ist der Markt überhitzt – kann sich ein Kauf noch lohnen?
Natürlich sind die Preise hoch. Doch in anderen Ländern, und in Deutschland zum Beispiel in München, sind die Immobilienpreise deutlich höher. Hamburg hat noch viel Potenzial. Wer heute einsteigt, wird einen Gewinn machen oder sein Geld zumindest wiederbekommen. Davon gehe ich aus. Klar: Die Preise sind hoch – doch durch die niedrigen Zinsen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen. Das gilt für Eigentumswohnungen genauso wie für den Hauskauf.

„Meines Erachtens ist Eigentum das einzig probate Mittel gegen Altersarmut.“
Stefan Wulff

Altersarmut ist ein Mega-Thema. Welche Bedeutung hat Eigentum im Hinblick auf die Altersvorsorge?
Wer eine Wohnung kauft, hat sie meistens beim Renteneintritt schon komplett bezahlt. Wer später in der eigenen Wohnung lebt, der muss zum Beispiel lediglich Strom-, Heizungs- und Wasserkosten zahlen – und das ist für die meisten Menschen zu schaffen. Und wer in Not gerät oder pflegebedürftig wird, kann die Wohnung verkaufen und damit auch diesen Teil des Lebens zumindest finanziell irgendwie abfedern. Meines Erachtens ist Eigentum das einzig probate Mittel gegen Altersarmut. Doch das will die Politik leider nicht immer hören. Ein Immobilienkauf – vor allem in Städten – ist eine absolut sinnvolle Vorsorge.

Dennoch ist die Eigentumsquote in Hamburg sehr niedrig …
… Hamburg hat eine Eigentumsquote von unter 20 Prozent, nur in Berlin ist sie noch geringer. Bundesweit sind es rund 45 Prozent. Hamburg hängt gnadenlos hinterher; da muss etwas passieren. In Schleswig-Holstein wird derzeit über die Befreiung von der Grunderwerbssteuer bei Käufen bis zu 500.000 Euro diskutiert. Eine solche Idee könnte auch in Hamburg –  hier liegt die Grunderwerbssteuer bei 4,5 Prozent – eine echte Entlastung für Familien und „Immobilienstarter“ bedeuten.

In der Stadtentwicklung ist die Mobilität ein bedeutendes Zukunftsthema. Nehmen Sie das als Bauunternehmer wahr?
Klar, die Mobilität verändert sich. Kürzlich hatten wir bei einem Projekt in Winterhude erstmals mehr freie Stellplätze in der Tiefgarage als Nachfrage aus dem Haus da war. Anstatt eines eigenen Autos, nutzen viele mittlerweile Carsharing-Modelle wie „car2go“ und „DriveNow“. Das Auto wird in der Stadt an Bedeutung verlieren. Dagegen werden Fahrräder immer wichtiger. Entsprechend muss darauf geachtet werden, dass genügend Stellplätze für Fahrräder vorhanden sind.

Mit Ihrem Unternehmen engagieren Sie sich für die Verschönerung der Hamburger Innenstadt. Schon 2005 bei der Entwicklung des ersten Business Improvement Districts (BID) am Neuen Wall waren Sie als Aufgabenträger dabei. Sind Sie mit der derzeitigen baulichen Entwicklung der Innenstadt zufrieden?
Absolut. In den BID-Gebieten hat sich die Attraktivität der Stadt deutlich erhöht. Wer ein BID betritt, registriert sofort die helleren, freundlicheren Beläge. Die Gehwege sind optimiert und verbreitert, die Fahrbahnen dagegen etwas eingeengt. Parkende Fahrzeuge sind nur selektiv vorhanden. Allein diese Kombination vermittelt das Gefühl der Großzügigkeit. So halten sich die Menschen viel lieber im öffentlichen Raum auf, sie fühlen sich hier wohler. Das wirkt sich messbar auf die Umsätze des Einzelhandels aus.

Das Gespräch führte: Christian Bauer | Fotos: Tim Wendrich

 

Über die Otto Wulff Baugesellschaft
1932 als Holzbaubetrieb in Hamburg-Billstedt gegründet, entwickelte sich die Firma in den 1950er und 1960er Jahren zu einem leistungsfähigen und erfolgreichen Unternehmen. Heute ist „Otto Wulff“ einer der größten Immobilienkomplettanbieter Norddeutschlands. Stefan Wulff führt das traditionsreiche Familienunternehmen in dritter Generation.