Jasmin Gerat

1,75 groß, kurze Locken, braune, ausdrucksstarke Augen, mitreißendes Lächeln – Jasmin Gerat betritt den Raum und erfüllt ihn. Ihr Stil: edel, weiblich, gekonnt. 1978 in Berlin geboren, steht sie bereits mit 15 Jahren vor der Kamera. Gestartet hat die inzwischen gelernte TV-Redakteurin ihre Karriere als Moderatorin und Model. Aus der deutschen Film- und Fernsehbranche ist Jasmin Gerat nicht mehr wegzudenken. Mit Engagements beim Tatort, bei SOKO Köln sowie diversen Spiel- und Kinofilmen und vor allem der Besetzung der weiblichen Hauptrolle in Till Schweiger’s Kokowääh 1 und 2 hat sich Jasmin Gerat als deutsche Schauspielgröße etabliert. Anfangs durch die Moderation von Bravo-TV, später durch ihre Rollen in Notruf Hafenkante und die langjährige Zugehörigkeit zum Team der Serie Küstenwache hat sie eine ganz besondere Bindung zu Hamburg und dem Norden aufgebaut. Eine spannende Frau, diese Jasmin Gerat. Und mit großem Herzen! Mit Hingabe setzt sie sich für Kinder und sozial benachteiligte Menschen ein. Erst kürzlich war sie als Aktionsbotschafterin der Initiative „1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis“ gegen Tetanus bei Neugeborenen von Pampers und Unicef in Äthiopien unterwegs. Für Fotoshooting und Gespräch kam der TV-Star zu HANSEstyle. Lernen Sie Jasmin Gerat 360 Grad – RUNDUM – kennen.

Fotos: Tim Wendrich für HANSEstyle

Ich bin mit 16 von zu Hause ausgezogen. Da war ein starker Sog, ich wollte so schnell wie möglich raus und die Welt erobern.

Ich war immer in der „Jungsecke“.

Meine älteste Freundin ist ein Mann.

Beruflich bin ich Autodidaktin.

Jeder Film spiegelt eine bestimme Lebensphase von mir wieder. Manchmal gucke ich gerne darauf zurück – und manchmal lieber nicht.

Von Action bis historisch kann ich mir noch Einiges vorstellen – das mit der Action am besten bevor ich 60 werde! Den Dreh zu ‚Heute bin  ich Blond‘ werde ich nie vergessen. Ich hatte nur drei Drehtage, aber die Arbeit war so intensiv und wegweisend wie manche Hauptrolle nicht. Durch meine Figur „Chantal“ (sie starb im Alter von 36 Jahren an Krebs) bin ich dem Leben noch einmal näher gekommen! Es war das erste Mal, dass ich keine fiktive Figur gespielt habe – dieser Frau und allen die sie kannten gerecht zu werden, war mein größter Antrieb.

„Chantal“ nach dem Drehen wieder gehen zu lassen hat einige Wochen gedauert und es war mit Trennungsschmerz verbunden – eine sehr tiefgreifende Erfahrung, die man logisch weder erklären noch verstehen kann.

Ob ich noch nervös werde? Vor jedem neuen Dreh denke ich: Jasmin, musste das sein, konntest du nicht was Vernünftiges lernen?! Warum denn VOR die Kamera! Bist Du irre!!!

Ich wollte schon immer da lang, wo die Angst am größten ist. Bescheuert, wenn man zum Beispiel eine Laudatio beim Filmpreis hält und merkt, dass man NULL Rampensau ist und vorher wie Espenlaub zittert.

Wenn ich nicht mehr auf-geregt bin, höre ich auf. Das habe ich mir geschworen.

Der Beruf hat mich ausgewählt. Ich wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, Schauspielerin zu werden. Mein Traum war es, Tierärztin zu werden.

Ich bin davon überzeugt, dass ich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. Auch wenn es sich manchmal nicht danach anfühlt.

Es gibt regelmäßig eine Bestandsaufnahme: Wo stehe ich, was will ich wirklich, was gibt es noch, das ich ausprobieren kann. An so einem Punkt stehe ich im Moment und bin gespannt, wohin die Reise geht.

Im Sommer 2016 war ich mit UNICEF für ‚Pampers‘ in Äthiopien – diese Reise steckt mir heute noch in den Knochen. Doch ich bin mir nicht sicher, wer von uns ärmer dran ist: ich empfinde unsere hoch modernisierte Gesellschaft oft als völlig degeneriert und vom natürlichen Umgang miteinander abgekommen.

Obwohl uns Menschen der Verstand mitgegeben wurde, setzen wir ihn leider zu selten für das Richtige ein.Menschen sind die schrägsten Lebewesen auf dem Planeten. Es gibt viele Tage, an denen ich an unserer Spezies zweifle und unser Verhalten auf diesem wunderschönen Erdball zum Schämen finde!

Meryl Streep, Robin Wright und Julia Roberts – denen könnte ich in Dauerschleife zugucken.

Ob ich gern Serien schaue? Mit “24” und Kiefer Sutherland hat meine Sucht angefangen; nächtelang ging das, egal wie früh ich am nächsten Tag ans Set musste.

Dann kam „Mad Man“: Don Draper (Anm. Die Hauptfigur Donald „Don“ Draper wird von Jon Hamm gespielt) und diese vielen genialen Frauenfiguren um ihn herum: Es war, als würde ich sie persönlich kennen – so sehr ist die Serie in mich reingekrochen. Ich habe in der Zeit an nichts anderes mehr gedacht und alle um mich herum damit genervt.

Im Moment gucke ich die zweite Staffel von Narcos. Was Wagner Moura (Anm. Wagner Maniçoba de Moura ist ein brasilianischer Schauspieler. In der Serie Narcos verkörpert er die Hauptfigur: Pablo Escobar) da spielt ist göttlich; nur seinetwegen halte ich die viel zu brutalen Szenen aus.

Mein Dickkopf ist Fluch und Segen zugleich.

Für mich zählten Taten schon immer mehr als Worte.

In seinen Schwächen erkennt man den Kern eines Menschen. Das ist, was mich reizt und berührt.

Mich wirklich auf jemanden verlassen zu können ist für mich das Größte.

Kollegen ohne Allüren sind meistens auch die, die ich als Schauspieler richtig gut und spannend finde.

Hinter Allüren verbergen sich Komplexe. Die sollten nicht am Set, sondern besser in Therapie behandelt werden.

Mit Lars Mikkelsen zu drehen war purer Genuss (Anm. Er war Jasmin Gerats Filmpartner in „The Team“, einer Serie, die in internationaler Koproduktion u.a. in Belgien, Dänemark und Deutschland entstand). Die Dänen sind einfach lässige, entspannte Hunde. Selten habe ich einen Kollegen getroffen, der so kollegial und selbstlos seine Arbeit macht! Er hat mich dazu inspiriert, sich während des Drehs immer auf die Lösung anstatt auf das Problem zu konzentrieren.

Auch wenn ich gern das Gegenteil behaupte, weil es natürlich cooler klingt: Älter werden fällt mir nicht leicht.

Die bekloppteste Worterfindung überhaupt: Anti-Aging.

Wie ich mich heute im Innersten fühle gefällt mir. Mit jedem Jahr mehr fühlt es sich an, wie nach Hause kommen. Dafür bezahle ich gerne mit einem schlafferen Hintern.Jeden Tag empfinde ich als Chance und Riesengeschenk!

Das Leben ist zu kurz für Smalltalk.

Wieso können wir uns nicht ganz klar und direkt sagen, was wir denken und fühlen?

Eine Glatze ist praktisch. Kurze Haare nicht, an denen musst du genauso viel rumzuppeln und schneiden wie an langen, damit sie gut liegen.

Monologisierende Männer sind der größte Abturner.

Authentizität und Verbindlichkeit sind sexy.

Großzügigkeit auf allen Ebenen, Humor und Rückgrat. Das ist eine unschlagbare Mischung! In Freundschaften stehe ich auf klare Ansagen. Für Wischiwaschi bin ich zu ungeduldig.

Ich liebe Hamburg. Hier mache ich Urlaub von Berlin. Die Menschen rennen hier nicht so.

Als echte Berlinerin darf ich das sagen: Hamburg ist einfach die schönere Stadt.

Die Alster mitten in der Stadt. Jedes Mal kommt es mir so vor, als würde ich sie zum ersten Mal sehen.

Ich kann mit der Schnoddrigkeit der Berliner sehr gut umgehen, ich habe sie ja mit der Muttermilch aufgesogen. Aber nach Hamburg zu kommen und höflich behandelt zu werden, ist immer wieder wie Weihnachten und Geburtstag zugleich.

Hamburg habe ich in meiner Zeit als Bravo-TV-Moderatorin kennengelernt. Das war eine wilde Phase! Ich war erst 17 und sehr, sehr neugierig.

Die meisten meiner Hamburg-Erlebnisse sind nicht jugendfrei.

Wenn ich Zeit habe, powere ich mich bis zur Grenze aus oder meditiere, ansonsten bin ich für meine Mitmenschen und mich selbst ungenießbar.

Ich liebe die Stille.

Ich bin extrem gerne mit mir alleine und geniesse es so sehr – da musste erst mal jemand kommen, der das Gefühl noch toppen kann.

Kinder beim Großwerden zu begleiten ist für mich die schönste und anstrengendste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann.

Eltern müssen den ganzen Tag knallwach sein. Deine Kinder fragen permanent nach dem Weg und wollen echten, zugewandten Austausch. Das ist nicht ohne und auch der Grund, warum ich oft schon um 21 Uhr ins Bett falle.

Der Alltag mit Kindern ist wie Jonglieren: viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten und dich darauf gefasst machen, dass jede Sekunde anders sein kann als geplant.

Das Gespräch führte: Christian Bauer