Jana Osterhus

Jana Osterhus in ihrem Atelier in der Johnsalle. Sie ist ein Lebemensch – das wird auch in ihren Bildern sichtbar | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

Das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen ist das Thema in ihren Malereien. Wie ein bildgewordenes Gedicht schafft Jana Osterhus, Teilnehmerin beim METROPOLE.KREATIV Award, mit ihrer Kunst bunte Traumwelten.

Zwischen Abstraktion und Figuration pendelnd erhalten Jana Osterhus‘ Bilder durch mehrfaches Übermalen sowohl eine immense räumliche als auch inhaltliche Tiefe. Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Anne Simone Krüger traf sich mit der Künstlerin, die in HANSEstyle verrät, warum sie ihre eigenen Werke immer wieder übermalt, wie sie schon als Neunjährige zur Kunst kam und was sie sich für die Verbesserung der Situation von Hamburger Künstlern wünscht.

Geburt einer Venus, Acryl auf Leinwand, 230 x 100 cm, 2016 | Foto: Jana Osterhus

Ihr Weg zur Kunst
Ich bin so auf die Welt gekommen. Das klingt wie ein schrecklich abgedroschenes Klischee und trotzdem ist es so. Als Dreijährige hatte ich zwei Berufswünsche: das eine war Gastwirtin und das andere war bildende Künstlerin. Dann hatte ich großes Glück, dass ich als Neunjährige zu einem sehr guten Unterricht bei dem ägyptischen Künstler, Yasser Shehata, kam. Er hat mir beigebracht, wie die alten Meister gemalt haben, die Kompositionsgrundlagen sowie Licht und Schatten zu setzen, also das klassische Programm, das man als Fundament braucht.

Lebensunterhalt
Ich habe drei Standbeine: Vormittags unterrichte ich in einem Kinderatelier.
Vor ein paar Jahren habe ich angefangen mit meinem Tanzpartner und Freund Tango für Senioren aufzubauen. Und dann habe ich meine eigene Kunst, meine Bilder.

Die Ideen hinter ihren Bildern
Die Ideen kommen einfach. Sie sind immer da. Manchmal sind es so viele, dass es sich ballt und mehr ist, als ich umsetzen kann. Dann muss ich mich entscheiden. Im Großen und Ganzen sind meine Themen die Dinge, die ich liebe oder die mich berühren.

Und Herodes weiß von nix, Acryl auf Schullandkarte, 120 x 90 cm, 2017 | Foto: Jana Osterhus

Bilder wie aus einem Traum
Was ich an diesem Traumhaften so schön finde ist, dass es eine gewisse Offenheit lässt. Jeder der darauf schaut, kann seine eigene Geschichte hineinsehen. Das ist für mich das Schöne an Kunst: wenn es die eigenen Türen oder die eigenen Fantasien dessen, der da schaut, öffnet.

Ihre Materialien
Im Prinzip verwende ich alles: Acryl, Tusche, Kohle, Edding … Ich beginne meine Bilder ähnlich wie die alten Meister – lege eine Grundierung, wenn es eine frische Leinwand ist und wenn es eine Übermalung ist, dann zählt das alte Bild.

Das Übermalen eigener Werke
Ich finde Übermalungen total spannend, weil dann nochmal ein neuer Faktor dazukommt. Und zwar die Zeit. Die Zeit, die irgendwie darin steckt und sich gleichzeitig wieder auflöst. Und womit man Vergangenes wieder in die Gegenwart heben kann. Das bekommt dann so ein Schillern. Meistens bleiben aber Teile stehen. Man weiß nur als Betrachter natürlich nicht welche. Ganz selten übermale ich wirklich alles.

Lunático, Acryl auf Leinwand, 100 x 210 cm, 2015 | Foto: Jana Osterhus

Das Leben als Inspiration
Man entwickelt sich ja immer und es gibt unglaublich viele Menschen und viele Künstler, die ganz tolle Sachen machen. Und von all diesen Menschen und Künstlern kann man auch immer etwas lernen und sich sein Universum bereichern lassen. Aber es ist nicht so, dass mich ein bestimmter Mensch beeinflusst hätte, sondern es ist tatsächlich mehr die Fülle all dessen, was es gibt.

Kunstexperten unter sich: Jana Osterhus mit Kunsthistorikerin und Kuratorin Anne Simone Krüger | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

Hamburg als Kunststadt
Hamburg ist eine Handelsstadt (lacht). Es gibt eine tolle Kunstszene, absolut. Die ist da und wenn man weiß wo man sie findet, dann hat man auch Freude damit. Ich finde jedoch Hamburg macht zu wenig daraus.

Mehr Support für Hamburger Künstler
Statt Atelierhäuser zu schließen, sollten neue eröffnet und Wohnateliers ganz offiziell zugelassen werden. Und es sollte mehr Ausstellungen geben, für die der Künstler ein Honorar bekommt.

Die Teilnahme am METROPOLE.KREATIV AWARD
Ich finde es schön, dass es diesen Kunstpreis gibt, denn es gibt in Hamburg insgesamt wenig regionale Ausschreibungen.

Das Gespräch führte: Anne Simone Krüger