IHRE BÜHNE IST DAS LEBEN, IHR LEBEN DAS THEATER

Dr. Isabella Vértes-Schütter

Dr. Isabella Vértes-Schütter ist die „Hanseatin des Jahres“

Betritt sie den Raum, erstrahlt dieser voller Wärme und Herzlichkeit. Kaum jemand schafft es, die Hingabe für seine Mitmenschen so sehr in eine positive Aura zu verwandeln wie sie. Seit über 20 Jahren führt Isabella Vértes-Schütter mit dem Ernst Deutsch Theater das größte private Sprechtheater Deutschlands, sie ist sozial und politisch engagiert und darum bemüht, ein von Toleranz und Nächstenliebe geprägtes Wertegefüge zu etablieren. Ein Vorbild – für die Gesellschaft, für die Politik und für Hamburg. Im Rahmen der Preisverleihung „Hanseatin und Hanseat des Jahres“  wurde Isabella Vértes-Schütter für ihre Leistungen ausgezeichnet.

Sie nennt sich selbst einen „in Hamburg geborenen Flüchtling“. Dass ausgerechnet ihr die Auszeichnung „Hanseatin des Jahres 2017“ für ihren Einsatz für die Stadt Hamburg verliehen wurde, kann sie selbst kaum fassen. „Ich war überwältigt und sprachlos. Es berührt mich, dass ich in der Stadt, die meine Familie aufgenommen hat, ausgezeichnet werde.“ Ihr Vater stammte aus Ungarn, floh damals nach Hamburg. Ihre Mutter war die bekannte
Opernsängerin Helga Pilarczyk und vermutlich Auslöser für Isabella Vértes-Schütters unbändige Liebe zur Bühne. Wann immer es möglich war, begleitete sie ihre Mutter zur Staatsoper und beobachtete sie vom Schoß der Maskenbildnerin oder aus dem Zuschauerraum. Ob es die Nähe zu ihrer Mutter war oder einfach so ein Gefühl: Isabella Vértes-Schütter fühlte sich schon immer angezogen vom künstlerischen Geschehen. Die Bühne war der Platz, wo sie sein wollte. „Als kleines Kind dachte ich, man muss singen, um zu leben“, erzählt die Intendantin des Ernst Deutsch Theaters. In ihrer Jugend begann Isabella Vértes-Schütter mit dem Schauspielunterricht. Für sie war klar: Ich gehe ans Theater.

Wenn der Vorhang fällt …

Früh in ihrem Leben gab es einen bedeutenden Wendepunkt: Als Jugendliche wurde Isabella Vértes-Schütter schwer krank. „Die Tür zum Theater ging zu. Ich musste mir eine Alternative schaffen“, erzählt sie. Zu dieser wurde sie von ihrer Erkrankung selbst geführt: „Ich habe mich in dieser Zeit viel mit den Themen Leben, Sterben, Krankheit und Gesundheit auseinander gesetzt.“ Was also wäre für eine Frau, deren Leben bis dato von der Bühne bestimmt wurde eine erfüllende Alternative? Es war die Medizin. Durch das Studium hoffte Isabella Vértes-Schütter, könne sie sich einige Fragen beantworten, die sich ihr aufgrund ihrer Krankheit stellten. „Ich habe das Medizinstudium geliebt. Für mein Umfeld war damals klar: Ich werde Ärztin“, berichtet sie. Glücklicherweise besserte sich ihr gesundheitlicher Zustand wieder. Und je gesünder sie wurde, desto mehr schweiften ihre Gedanken um ihre eigentliche Leidenschaft, die Schauspielerei. Bereits während des Studiums nahm die Hamburgerin erneut Schauspiel- und Gesangsunterricht. Ein Jobangebot in der Kinder- und Jugendpsychiatrie stellte sie vor die Entscheidung: Medizin oder Theater? Sie ließ ihr Herz sprechen und das Theater machte das Rennen. Isabella Vértes-Schütter begann ihre Schauspielausbildung, legte die Prüfung ab und kam nach einem Gastvertrag am Thalia Theater an den Platz, den sie heute ihr Zuhause nennt: das Ernst Deutsch Theater.

Diese Bühne gab ihr nicht nur ein Zuhause, sondern brachte ihr auch die große Liebe. Beim Vorsprechen im Ernst Deutsch Theater traf Isabella Vértes-Schütter ihren späteren Ehemann Friedrich Schütter, den Mitbegründer dieses Theaters. Gemeinsam bekamen sie Sohn Daniel. Kaum fünf Jahre danach erkrankte ihr Mann schwer. Nur drei Wochen später verstarb er. Vor seinem Tod gab die Schauspielerin ihm das Versprechen, gut auf den gemeinsamen Sohn Acht zu geben und das Theater in seinem Sinne weiterzuführen. Was da auf sie zukam, konnte Isabella Vértes-Schütter, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nur Schauspielerin, sondern auch Leiterin der „Hammoniale – Festival der Frauen“ auf Kampnagel war, nur erahnen. Plötzlich sollte sie das Theater leiten – mit dieser Tatsache konnten sich damals nicht alle Beteiligten anfreunden: „Es gab eine Menge Anfeindungen gegen mich. Sich dann gerade zu machen und an sich selbst zu glauben, war in dieser Zeit das Schwierigste. Doch das Versprechen an meinen Mann hat mich getragen.“

Im Ernst Deutsch Theater ist Isabella Vértes-Schütter zu Hause

Verlässliches Engagement

Heute wie damals leitet  Isabella Vértes Schütter „ihr“ Ernst Deutsch Theater mit Hingabe und schafft es dabei immer wieder, gesellschaftskritische und besonders relevante Themen für die Menschen zugänglich und zugleich aufwühlend auf die Bühne zu bringen. Bei der Arbeit gilt für die Intendantin: „Auf mein Wort ist Verlass.“ Der „Hanseatische Handschlag“ sei für sie ein in Hamburg immer noch weit verbreiteter Ethos. Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit seien für sie besonders wichtig.

Verlassen kann man sich auf Isabella Vértes-Schütter in jeder Hinsicht: Sowohl ihr sozialer als auch ihr politischer Einsatz kommen von Herzen: „Alle diese Themen bewegen mich. Ich kann gar nicht anders, als ihnen mein Engagement zukommen zu lassen.“ Und das macht die 55-Jährige mit Selbstverständnis. Ob als Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke oder in der Hamburger Bürgerschaft, ob als Fachsprecherin für Kultur in der SPD oder als Vorsitzende des Bertini-Preis e. V., der junge Menschen auszeichnet, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in Hamburg stark machen.

Besonders das Kinder-Hospiz Sternenbrücke ist für Isabella Vértes-Schütter eine Herzensangelegenheit: „Als die Initiatoren des Kinder-Hospizes mich fragten, ob ich die Schirmherrschaft übernehmen wolle, war das etwas ganz Besonderes“, erinnert sie sich. Das war Ende der 90er Jahre. Mittlerweile ist sie Vorstandsvorsitzende der Stiftung und sorgt mit dafür, dass die Einrichtung erhalten bleibt und gefördert wird. „Die Nachricht, dass das eigene Kind vom Tode bedroht ist, stellt das Leben einer Familie komplett auf den Kopf. Den Eltern und Geschwisterkindern in dieser Situation die größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen, finde ich unglaublich wichtig. Das Kinder-Hospiz soll den Familien ein zweites Zuhause bieten. Es geht darum, die verbleibende gemeinsame Zeit mit möglichst viel wertvollem Leben zu füllen“, weiß Vértes-Schütter. Sie ist überzeugt, dass das Thema Endlichkeit auch dank dieses Ortes in der Hamburger Gesellschaft wieder anders wahrgenommen wird. In einer Zeit, in der es oft um „höher, schneller, weiter“ geht, könne der Versuch, das Leben von seinem Ende her zu denken, es noch kostbarer machen und Gedanken aufkommen lassen, die keine Angst machen, sondern Kraft geben.

Apropos Kraft: Auf die Frage, wie sie all das schaffe, antwortet Isabella Vértes-Schütter: „Bei mir gibt es keine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben. Egal ob Job oder Ehrenamt – wir haben nur ein Leben und das sollten wir mit Dingen verbringen, die uns wichtig sind.“

Beitrag: Louisa Wölke |  Fotos: Marius Engels

Ein Wiedersehen im Ernst Deutsch Theater: Die Hanseatin des Jahres 2017, Isabella Vértes-Schütter, und Christian Bauer

Kinder-Hospiz Sternenbrücke

Im Kinder-Hospiz Sternenbrücke finden unheilbar erkrankte Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien einen Zufluchtsort, an dem sie betreut und beraten werden. In einem liebevollen Umfeld wird ihnen Unterstützung geboten, um die verbleibende gemeinsame Zeit so schön wie möglich zu gestalten und auf dem kräftezehrenden Weg Halt zu finden. Ob Unternehmen oder Privatperson – Sie können helfen! Das Kinder-Hospiz freut sich über jede Unterstützung. Willkommen sind neben Geldspenden an die Stiftung oder den Förderverein auch Sachspenden, ehrenamtliche Tätigkeiten und die Mitarbeit bei Hands-On-Projekten.

Weitere Informationen: www.sternenbruecke.de

 

Dr. Isabella Vértes-Schütter 

Seit 1995 ist Isabella Vértes-Schütter Intendantin des Ernst Deutsch Theaters. Als Vorstandsmitglied des Vereins „Theater Hamburg“ trägt sie außerdem dazu bei, dass die Theaterlandschaft in Hamburg gefördert wird und dass viele – auch kleinere – Spielstätten in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden. Neben ihrem sozialen Engagement im Kinder-Hospiz Sternenbrücke und als Vorsitzende des Bertini-Preis e. V., liegt ihr auch die gesellschaftliche Entwicklung am Herzen: Isabella Vértes Schütter ist Mitglied in der SPD und der Hamburgischen Bürgerschaft. Hier gestaltet sie unter anderem als Fachsprecherin für Kultur das gesellschaftliche Miteinander in Hamburg mit. Die promovierte Medizinerin wurde für ihr Engagement bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.