HSV-Fan mit Herz, Verstand und Mikrofon

Büdi Blunck, Hansestyle, HSV, Moderator, Sportmoderator

Christian „Büdi“ Blunck gehört zu den erfolgreichsten Hamburger Sportlern: mehrfacher Deutscher Meister, Europameister, Olympiasieger. Neben seinen eigenen sportlichen Erfolgen war der ehemalige Hockey-Nationalspieler immer auch eines: HSV Fan – eine Leidenschaft, die er zugleich beruflich verfolgt. Seit Start der Saison 2017/2018 kommentiert Büdi Blunck die Bundesligaspiele des HSV. In HANSEstyle erzählt der Olympiasieger, was jetzt für den Verein besonders wichtig ist.

Sie kommentieren als HSV-Fan die Spiele des HSV: Wie viel Neutralität ist möglich und notwendig? 

Ich bin HSV-Fan, seitdem ich denken kann. Entsprechend emotional bin ich, wenn ich die Spiele begleite. Da ich für HSVtv kommentiere, darf ich glücklicherweise parteiisch sein. Trotzdem muss ich mir manchmal auf die Zunge beißen.

Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung des HSV und was trauen Sie dem Verein in dieser Saison zu?

Die Hoffnung auf eine positivere Entwicklung als in den letzten Jahren wurde durch einen starken Saisonstart mit zwei Siegen bestärkt. Ich hoffe, dass die Mannschaft trotz der gefolgten Niederlagen  Motivation und Kraft aus dem guten Start ziehen kann. Auch die Nachwuchsförderung, für die der HSV-Campus von großer Bedeutung ist, entwickelt sich meines Erachtens gut, so dass für den Verein die Chance besteht, mittelfristig von der eigenen Jugend zu profitieren.

Die Ablösesummen für Spieler sorgen für immer weitere Diskussionen, zum Beispiel bei Neymar, der für über 200 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain oder bei Dembélé, der für weit über 100 Millionen Euro nach Barcelona gewechselt ist. Halten Sie es bei diesen Summen überhaupt noch für möglich, dass der HSV jemals wieder europäisches Spitzenniveau erreichen kann?  

Der HSV hat viel Potenzial. Doch es bringt nichts, nach zwei gewonnenen Spielen immer gleich von der Europa oder Champions League zu sprechen. Zuerst muss langfristig auf nationalem Niveau mitgehalten werden. Jetzt muss Ruhe einkehren, Ziele müssen längerfristig gesetzt, verfolgt und erreicht werden. Bei den genannten Spitzenclubs mithalten zu können, fällt selbst dem FC Bayern München schwer. Als Antwort auf den Transfer-Wahnsinn haben sie ein Nachwuchsleistungszentrum eröffnet und gezeigt, dass sie auf die eigene Jungend und die eigene Nachwuchsförderung setzen. Davon werden sie vielleicht nicht gleich morgen, aber in einigen Jahren stark profitieren. Das ist eine langfristige Erfolgsplanung, die für andere ambitionierte Vereine zum Vorbild werden kann.

Hinter den Kulissen – an der Wand der HSV-Legenden: „Büdi“ Blunck war schon immer von Uwe Seeler begeistert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Das ist eine langfristige Erfolgsplanung, die für andere ambitionierte Vereine zum Vorbild werden kann.“ 
Christian „Büdi“ Blunck

Als Hockey-Olympiasieger kennen Sie die Bedeutung von Mannschaftssport sehr gut. Wie wichtig ist eine intakte Mannschaft für den Erfolg? 

Beim HSV sind derzeit einige Fortschritte erkennbar. Doch es geht nicht nur um die Spieler! Aufsichtsrat, Vorstand, die betreuenden Teams und natürlich die Spieler – nur wenn sie alle eine Gesamtheit bilden, kann man erfolgreich sein. Das schließt Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen natürlich nicht aus.

Wie beurteilen Sie das Vereins-Engagement von Investor Klaus-Michael Kühne? 

Er hat dem Verein in vielen Situationen intensiv geholfen. Ich schätze sein Engagement sehr.

Für eine Mannschaft – aber auch für die Fans – sind Identifikationsfiguren wichtig. Wer erfüllt beim HSV derzeit eine solche Rolle? 

Das Thema „Identifikation“ hat stark abgenommen, nicht nur beim HSV. Fußball ist ein Profigeschäft, bei dem die Spieler ihren Job machen und häufig nach kurzer Zeit den Verein wechseln. Daher ist es für den HSV wichtig, die richtigen Spieler langfristig zu binden. Besonderes Potenzial sehe ich derzeit zum Beispiel bei Kyriakos Papadopoulos. Er hat die Chance, in diese Rolle noch stärker hineinzuwachsen.

Mit dem HSV Handball und den Hamburg Freezers hat Hamburg als Sportstadt zwei Aushängeschilder des Profisports verloren. Ist Hamburg noch eine echte Sportstadt?

Ja, doch wir müssen noch viel mehr dafür tun. Wir haben viele gute Sport-events in Hamburg – wie den Triathlon oder Ironman. Doch uns fehlen Bundesliga-Mannschaften in anderen Sportarten! Handball oder Eishockey: Mit den notwendigen Investitionen könnten sicherlich wieder Erfolge gefeiert werden.

Hamburg gilt als Hockey-Stadt. Warum ist der Hype so viel geringer als beim Fußball? Sehen Sie für den Hockeysport noch mehr Potenzial? 

Die Hockey-Plätze sind mit recht kleinen Tribünen ausgestattet und das Programm rund um die Spiele ist eher schwach. Es müsste mehr Entertainment her, ein besseres Rahmenprogramm, das die Spiele begleitet. Doch die einzelnen Hockey-Clubs haben nicht die notwendigen Mittel, um solche Events auf die Beine zu stellen. Daher wäre die Zusammenarbeit der Hamburger Hockey-Clubs wichtig. Stellen Sie sich vor, dass alle Hockeyspiele an einem Wochenende an einem zentralen Ort stattfinden, begleitet von einem unterhaltsamen Programm. Das würde nicht nur Hockey-Begeisterte anziehen, sondern es könnten sicherlich auch neue Fans gewonnen werden.

Backstage am Set im Volksparkstadion. Der Olympiasieger zeigt,
dass er nicht nur mit dem Hockeyball gut umgehen kann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemeinsam mit einer Jury haben das Hamburger Abendblatt und HANSEstyle die „Hanseatin und den Hanseaten des Jahres“ gekürt. Sie gehören der Jury an. Aus welchem Grund engagieren Sie sich bei diesem Format?

Ich bin Hamburger und die hanseatischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und Verlässlichkeit sind mir sehr wichtig – für mich selbst, aber auch bei anderen. Die Idee, diese Tugenden durch eine Preisverleihung in den Vordergrund zu stellen, hat mir sofort gefallen. Darüber hinaus war bei der Entscheidung, wer die Preise erhält, ebenfalls das soziale Engagement von entscheidender Bedeutung. Auch diesem Engagement für die Gesellschaft zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, hat mich begeistert.

Das Gespräch führten: Louisa Wölke und Christian Bauer | Fotos: Sabine Skiba

 

Über Christian „Büdi“ Blunck

Als Kapitän des Harvestehuder Tennis und Hockey Clubs gewann Christian „Büdi“ Blunck fünfmal die Deutsche Meisterschaft, 1991 wurde er mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft Europameister in Paris. 1992 folgte die Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona. Heute sitzt er oft  hinter den Kulissen, als Moderator – und als Fan. Denn seine zweite Leidenschaft gilt dem Fußball, um genau zu sein: dem HSV. Auf HSVtv begleitet er als Moderator jedes Spiel „seiner“ Mannschaft.