Herzenssache – Leise Gefahr: Bluthochdruck

„Die Krankheitsbilder sind oft sehr schwerwiegend oder lebensbedrohlich …“ - Dr. Oliver Zantis | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

In Deutschland leiden insgesamt etwa 20 bis 30 Millionen Menschen unter Bluthochdruck, der unbehandelt zum Herzinfarkt oder gefährlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. Wie man vorbeugen kann, bei welchen Symptomen man sich untersuchen lassen sollte und was eine Behandlung in der HELIOS Mariahilf Klinik besonders macht, erzählt der Chefarzt der Kardiologie und Internistischen Intensivmedizin, Dr. Oliver Zantis.

FRAGEN AN DR. OLIVER ZANTIS

Wie wurde Hamburg Ihr Lebens- und Arbeitsmittelpunkt?
Ich komme aus dem Rheinland und wollte eigentlich immer nach Berlin. Durch Zufall verbrachte ich ein Wochenende in Hamburg und besuchte unter anderem den Hansemarathon und das Restaurant Cuneo. Ab diesem Zeitpunkt war ich begeistert von der Stadt. Mittlerweile lebe ich seit 16 Jahren hier.

Warum Kardiologie?
Ich entschied mich zuerst für die Anästhesie. Irgendwann überwog das Interesse an der Kardiologie, so dass ich den Fachbereich wechselte. Die Krankheitsbilder sind oft sehr schwerwiegend oder lebensbedrohlich, wie zum Beispiel ein Herzinfarkt. Dennoch können wir den Patienten dank technischer Therapieverfahren meist schnell helfen. Das ist das Besondere an der Kardiologie.

Wann spricht man von arterieller Hypertonie?
Von einer arteriellen Hypertonie spricht man ab einem Blutdruck von 140 zu 90 mmHg.

Welche Erkrankungen kann Bluthochdruck auslösen?
Es gibt drei Organe, die in den meisten Fällen betroffen sind: das Gehirn in Form eines Schlaganfalls, das Herz, meist mit der Auswirkung eines Herzinfarkts, und die Nieren. Zudem ist Bluthochdruck ein häufiger Auslöser von Herzrhythmusstörungen.

Gibt es besonders gefährdete Patientengruppen?
Gefährdet sind Personen mit Übergewicht, Raucher und ältere Menschen. Menschen mit Stoffwechselerkrankungen, wie der Schilddrüsenüberfunktion, und schwangere Frauen unterliegen ebenfalls einem höheren Risiko. Wir empfehlen ab 40 Jahren eine jährliche und ab 50 Jahren eine halbjährliche Kontrolle. Wer eine Erbanlage hat, sollte den Blutdruck ab dem 30. Lebensjahr regelmäßig überprüfen lassen. Symptome können Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme und Übelkeit sein.

Wie kann man vorsorgen?
Das Wichtigste ist ein gesunder Lebensstil. Übergewicht und der Konsum von salzhaltigen Fertigprodukten sollten vermieden werden. Außerdem ist ausreichend Bewegung wichtig – fünfmal pro Woche 30 Minuten schnelles Spazierengehen reicht schon aus.

Welche Therapien gibt es gegen Bluthochdruck?
Für alle Patienten gilt: Die Grundlage jeder Therapie ist die Lebensstilmodifikation. Anschließend kann eine medikamentöse Therapie erfolgen. Werden bei einem Patienten Endorganschäden festgestellt, versucht man sofort, den Blutdruck mithilfe von Medikamenten wieder auf optimale Werte zu bringen. Zudem gibt es eine dritte Therapie-Möglichkeit: die Verödung der Nierenarterie. Auf diese Weise können ausgewählte Patienten mit einem sehr schwer zu therapierenden Bluthochdruck behandelt werden.

Was zeichnet die Helios Mariahilf Klinik und ihre Kardiologie speziell aus?
Wir sind ein eher kleines Krankenhaus und haben die Chance, individuell auf die Patienten einzugehen. Dennoch haben wir es geschafft, uns hochspezialisiert aufzustellen. Es gibt zum Beispiel eigene Bereiche für Herzrhythmusstörungen und für die Herzbildgebung. Außerdem konnten wir in Kooperation mit dem UKE ein Herzzentrum etablieren. So sind wir in der Lage den Patienten alle Therapien, die es in der Kardiologie und Herzchirurgie gibt, auf kurzem Wege anzubieten.

Was tun Sie, um fit zu bleiben?
Ich spiele im Sommer Tennis. Im Winter gehe ich boxen oder ins Fitnessstudio. Außerdem fahre ich gern Ski und bin zum Glück kein großer Freund von Fast Food und Süßigkeiten.

Das Gespräch führte: Florian Schmidt


Der optimale Blutdruck:

Der Blutdruck ist der Druck, der entsteht, wenn das Blut vom Herzen in die Gefäße gepumpt wird. Hierbei wird der obere Wert des Blutdrucks erzeugt, die Systole. Um alle Organe mit ausreichend Blut und Sauerstoff zu versorgen, versucht der Körper den Druck so lange wie möglich zu halten. Der Druckwert, der bis zum nächsten Herzschlag im Körper aufrecht erhalten wird, ist der untere Wert, die Diastole. Gemessen wird der Blutdruck in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Der optimale Blutdruck hat einen systolischen Wert von 120 mmHg und einen diastolischen Wert von 80 mmHg.


Dr. Oliver Zantis:

Dr. Oliver Zantis studierte Medizin in Aachen. Nach Auslandssemestern in Wien und Paris kam er 2001 nach Hamburg und arbeitete in der Anästhesie am UKE. 2003 wechselte er sowohl das Fach als auch die Klinik und begann am AK Altona in der Kardiologie. Vier Jahre später ging Dr. Oliver Zantis zurück ans UKE, als Kardiologe im Herzzentrum. Es folgten Oberarztstationen im Herzzentrum Nordsee in Husum und in der Asklepios Klinik Nord. 2013 gründete er in der HELIOS Mariahilf Klinik die kardiologische Abteilung und ist dort heute Chefarzt der Kardiologie und Internistischen Intensivmedizin.