Gefunden, gefördert, geholfen

Die Gründerinnen Yukiko Kobayashi und Alexa Drichelt: sympathisch und entschlossen | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Yukiko Kobayashi und Alexa Drichelt bauen Brücken – zwischen qualifizierten Zuwanderern und Unternehmen

Sie machen die Potenziale der Zuwanderer sicht- und erfahrbar, indem sie diese in einem einjährigen Entwicklungsprozess mit Schlüsselfiguren aus Hamburger Unternehmen zusammenbringen. Das Entscheidende: Es entsteht eine Win-win-Situation. Mit HANSEstyle sprachen die beiden Gründerinnen von Impact Dock Hamburg über Fingerspitzengefühl, ihr Cross-Mentoring-Programm und ihre Vorstellung davon, wie Integration in Hamburg funktionieren kann.

Tagsüber führen Yukiko Kobayashi und Alexa Drichelt Potenzialgespräche mit Zuwanderern über Themen wie Bildung, Arbeitserfahrung, Persönlichkeitsstruktur, aber auch über ihre Wünsche und Ziele. Abends sitzen die entschlossenen Hamburgerinnen in den Vorstandsetagen, um Entscheider für ihr Vorhaben zu gewinnen: Mithilfe eines Cross-Mentoring-Programms wollen sie qualifizierte Zuwanderer und Key-Player aus Hamburger Unternehmen zusammenbringen. Dabei stellen die Zuwanderer die Mentees dar und die Repräsentanten der Hamburger Wirtschaft übernehmen die Rolle der Mentoren. In einem einjährigen Prozess tauschen sich die Paare hoch individuell und nachhaltig aus – vor allem über Businessthemen.

Mit diesem Konzept widmen sich die Gründerinnen des im Juli 2015 ins Leben gerufenen Impact Dock Hamburg einer akuten Herausforderung der Hamburger Wirtschaft: „Wir sind überzeugt davon, dass die aktuelle Zuwanderung eine Bereicherung für die Hamburger Wirtschaft darstellt. Es reicht jedoch nicht, wenn die Unternehmen ihre Tore für qualifizierte Fachkräfte weit öffnen, es braucht unbedingt einen begleiteten Prozess. Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen den Kulturen“, berichten die beiden Hamburgerinnen, die selbst jahrelang im Management tätig waren und über ein breitgefächertes Netzwerk verfügen. „Bei der Integration von Zuwanderern ist Fingerspitzengefühl gefragt: Ein Schnellstart kann häufig in Vorurteilen münden. Es geht um langfristige Integration, daher gilt es eine Beziehung zwischen Mentee und Mentor aufzubauen, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich harmoniert.“ Kobayashi und Drichelt haben bereits die ersten Paare zusammengebracht.

Für eine nachhaltige Willkommenskultur: Yukiko Kobayashi und Alexa Drichelt im Gespräch mit Autorin Sarah Bischoof | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle
Für eine nachhaltige Willkommenskultur: Yukiko Kobayashi und Alexa Drichelt im Gespräch mit Autorin Sarah Bischoff | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

Dabei war ihnen besonders wichtig, dass jegliche Begegnung auf Augenhöhe stattfindet. „Ob Vorstandsmitglied oder junger Zuwanderer, alle waren aufgeregt“, erzählen sie von diesem ersten Zusammentreffen. Die gesamte Zeit über bleibt Impact Dock Ansprechpartner und begleitet den Prozess mit Meilensteintreffen. Bestenfalls folgt für den Zuwanderer eine Festanstellung im Unternehmen seines Mentors. „Wir wollen einen Beitrag für die Stadt leisten, ohne auf Spenden angewiesen zu sein“, sagt Kobayashi. Daher ist die Teilnahme für Zuwanderer kostenlos. Firmen bzw. Organisationen zahlen je nach Größe zwischen 1.000 und 4.000 Euro pro Jahr.

Text: Sarah Bischoff


Die WIN-WIN-Situation

Für Unternehmen & Organisationen
• Kennenlernen der „future customer“: Durch den engen Austausch mit Zuwanderern begegnen Unternehmen den Bedürfnissen einer neuen Konsumentengruppe.
• Perspektivenwechsel stärkt die interkulturelle Kompetenz und die Innovationskraft
• Beitrag zur unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung
• Kennenlernen eines möglichen „future employee“: Sofern die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, kann der Mentee ein zukünftiger Arbeitnehmer im Unternehmen des Mentors werden.

Für Zuwanderer
• langfristiger und kontinuierlicher 1:1-Kontakt mit Hamburgern, ihrer Kultur & Arbeitswelt
• Mitarbeit an businessrelevanten Themen
• Aufbau eines beruflichen Netzwerks
• Spracherwerb im Arbeitskontext


Über Yukiko Kobayashi:

Die Hamburgerin wuchs in einem japanisch-deutschen Elternhaus auf und lernte früh, dass man die Welt aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Kobayashi ist Diplom-Psychologin mit einem Schwerpunkt in Interkultureller Entwicklungspsychologie und verfügt über eine 15-jährige Manage-menterfahrung bei der Lufthansa sowie bei Astra Zeneca. Mit der Gründung des Impact Dock Hamburg entschied sie sich dafür, ihre unternehmerische Energie fortan mit gesellschaftlich relevanten Zielsetzungen verknüpfen zu wollen: „Mit einem inspirierenden Netzwerk will ich an den Megatrends der Gegenwart ansetzen und pfiffige, profitable Business-Ideen entwickeln, die die Unternehmen der Stadt sowie die Stadt selbst zukunftsfähiger und erfolgreich machen.“ In ihrer Freizeit genießt es die dreifache Mutter für ihre Familie und Freunde zu kochen, Klavier zu spielen und zu tanzen.


Über Alexa Drichelt:

Die 34-Jährige stammt aus einer alteingesessenen Hamburger Kaufmannsfamilie. Nach zahlreichen Auslandsaufenthalten in der ganzen Welt, sammelte sie zehn Jahre lang Managementerfahrung im familieneigenen Unternehmen 1000 Töpfe sowie bei Tchibo. Ein brand-eins-Porträt über Yukiko Kobayashi und ihr Vorhaben machte Drichelt Anfang 2015 neugierig. Sie schlug ein Treffen vor. Zusammen gründeten sie Impact Dock Hamburg, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die vorzugsweise eine Win-win-Situation für alle Beteiligten schaffen und einen gesellschaftlichen Mehrwert leisten. Die Unternehmerin ist verheiratet und mag es bunt, kulturell und sportlich.