Frühzeitig Parkinson erkennen

„Ziel ist es den Gesundheitszustand des Patienten in kurzer Zeit und langfristig zu verbessern.“ - Prof. Dr. Paul Peter Urban | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

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Parkinson ist eine Erkrankung, die das alltägliche Leben stark beeinflussen kann. In HANSEstyle erläutert Prof. Dr. Peter Paul Urban, Chefarzt der Neurologie in der Asklepios Klinik Barmbek, welche Möglichkeiten es gibt, um die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern und was die Behandlung in der einzigen zertifizierten Parkinson-Spezialklinik Hamburgs ausmacht.

FRAGEN AN PROFESSOR URBAN

Wenn man über eine Parkinson-Erkrankung spricht, wird immer wieder der Botenstoff Dopamin erwähnt. Was hat es damit auf sich?
Dopamin ist ein Botenstoff in unserem Gehirn. Gebildet wird es in Nervenzellen des Mittelhirns und sorgt für die flüssige Ausführung unwillkürlicher Bewegungen. Bei einer Parkinson Erkrankung kommt es aufgrund einer vorzeitigen Alterung der entsprechenden Nervenzellen zu einer verminderten Dopamin-Produktion und somit zu einem Dopaminmangel.

Was ist unter „Parkinson-Syndrom“ zu verstehen?
Unter dem Begriff „Parkinson-Syndrome“ werden die verschiedenen Formen von Parkinson zusammengefasst. Die häufigste Form ist der Morbus Parkinson. Typisch für Morbus Parkinson sind u. a. das Auftreten eines einseitig betonten Ruhetremors (unwillkürliches Zittern) und nicht-motorische Symptome wie Riechstörungen. Hiervon abzugrenzen sind die atypischen Parkinson-Syndrome, die sich beispielsweise durch Symptome wie Augenbewegungsstörungen oder früh einsetzende Blasenfunktionsstörungen auszeichnen.

Welche Diagnose- und Behandlungsangebote bieten Sie in der Asklepios Klinik Barmbek an?
Zu Beginn steht bei uns eine ausführ-liche differenzialdiagnostische Abklärung. Dazu zählen Untersuchungen wie ein MRT, CT und ggf. auch nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren, um den Dopaminstoffwechsel im Gehirn zu verbildlichen. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung lassen sich frühzeitig charakteristische Veränderungen im Bereich der Dopamin bildenden Nervenzellen des Mittelhirns erkennen. Außerdem führen wir standardisierte Riech- und Gedächtnistests durch. In Abhängigkeit vom klinischen Befund, dem Patientenalter und weiteren Erkrankungen wird eine individualisierte Therapie festgelegt, die dem Krankheitsverlauf kontinuierlich angepasst werden muss.

Was bedeutet „Multimodale Komplexbehandlung“ innerhalb der Parkinson-Therapie?
Die multimodale Komplexbehandlung beinhaltet einen zwei- bis dreiwöchigen stationären Aufenthalt und kombiniert eine intensive medikamentöse mit einer nicht-medikamentösen Therapie. Das bedeutet auch Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Musiktherapie und ggf. neuropsychologische Therapie sind Bestandteil dieser Behandlung. Ziel ist es, den Gesundheitszustand des Patienten in kurzer Zeit und langfristig zu verbessern. Da es sich bei Parkinson um eine fortschreitende Erkrankung handelt, sollte die multimodale Komplexbehandlung regelmäßig angepasst und beispielsweise einmal jährlich durchgeführt werden.

Anhand welcher Symptome lässt sich die Erkrankung erkennen und gibt es wirksame Medikamente oder Therapien, um die Lebensqualität der Patienten zu steigern?
Typische Symptome sind der bereits genannte Tremor sowie eine Veränderung der Feinmotorik und des Schriftbildes. Weitere Anzeichen sind eine leiser werdende Stimme und eine sogenannte subjektive Steifigkeit der Extremitäten, bei der zum Beispiel ein Arm beim Gehen nicht mehr mitschwingt. Mit Hilfe von Medikamenten und Therapien kann die Lebensqualität der Patienten durchaus wieder gesteigert werden. Besonders effektiv zeigt sich die Kombination aus medikamentöser Behandlungen und Physiotherapie, durch die die Lebensqualität nachhaltig positiv beeinflusst werden kann. Wichtig ist ein frühzeitiger Therapiebeginn.

Gibt es Anzeichen für eine Früherkennung und kann einer Parkinson Erkrankung vorgebeugt werden, z.  B. durch einen gesunden Lebensstil?
Anzeichen für eine Früherkennung sind beispielsweise Riechstörungen oder auch eine spezifische Form von Schlafstörungen, die REM-Schlaf-Verhaltensstörungen. Hier kommt es zu einer vermehrten Anspannung der Körpermuskulatur in den Traumphasen. Patienten fangen dann u. a. an laut zu reden oder um sich zu schlagen. In Kombination mit dem Auftreten von motorischen Symptomen ist der Verdachtsgrad für eine Parkinson Erkrankung relativ hoch. Eine aktive Vorbeugung gibt es leider nicht. Jedoch wurde wissenschaftlich belegt, dass körperliche Aktivität den Erkrankungsverlauf positiv beeinflusst.

Im Gespräch mit: Florian Schmidt


Über Prof. Dr. Peter Paul Urban

Nach dem Studium der Humanmedizin an der Universität Mainz promovierte Peter Paul Urban im Jahr 1988 in der Neurologie. Einer Oberarzttätigkeit in der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Mainz folgte 2000 die Habilitation. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Bewegungsstörungen, vaskulärer Erkrankungen und der klinischen Neurophysiologie. Prof. Urban hat zahlreiche renommierte Wissenschaftspreise erhalten und mehrere Standardwerke der Neurologie verfasst.