Frehn Hawels Kolumne: Das Reeperbahn Festival

Die Hamburger Band Boy während ihres Konzerts im Hamburger Michel
Foto: Stefan Malzkorn

Ein kleiner Rückblick auf große Tage in St. Pauli

Hamburg – das Tor zur Welt: Nirgendwo wird dieses Motto der Hansestadt spürbarer umgesetzt als beim Reeperbahn Festival, das jährlich Ende September das schier Unmögliche möglich macht: Neue Lieblings-Bands entdecken, mitreißende Konzerte in Clubs – aber auch Kirchen, Museen oder gar einer Bankfiliale – erleben, neue Freunde genauso wie potentielle Geschäftspartner aus aller Welt treffen und obendrein auch noch über die neuesten Entwicklungen der Musikwirtschaft als auch der digitalen Welt informiert werden. Das klingt für die meisten fast nach einem Unterfangen, das niemals unter einen Hut zu bekommen ist.

Und doch gelingt es dem Reeperbahn Festival jedes Jahr aufs Neue, diese immense Bandbreite in vier Tagen in St. Pauli abzubilden – und das auf unterhaltsamste Weise. Fans, Musiker und Branchenvertreter sind hier keinesfalls strikt getrennt, sondern treffen sich auf dem Spielbudenplatz oder in einer der 70 Spielstätten. 2006 als dreitätiges, reines Musikfestival für Fans gestartet, 2009 um den Konferenz-Teil für Vertreter der Musik- und später auch der Digitalwirtschaft erweitert, entwickelte sich die seit 2013 viertägige Veranstaltung zur wichtigsten Plattform in Sachen neuer Musik sowie Musik- und Digitalwirtschaft in Europa, die heute fest auf der Agenda für Fans als auch Musikwirtschaftende aus aller Welt steht. Die idealen Bedingungen – die fußläufig voneinander entfernten Spielstätten, Konferenzräume und der besondere Charme St. Paulis – schaffen eine Atmosphäre, die man so nirgendwo sonst vorfindet. Auch die beiden bezaubernden Damen von der Band Boy waren mit von der Partie – sie spielten am Freitagabend ein wirklich tolles Konzert im Hamburger Michel, der seit 2015 ebenfalls zu den Spielstätten des Reeperbahn Festivals gehört.

Fans, Musiker und Branchenvertreter sind hier keinesfalls strikt getrennt, sondern treffen sich auf dem Spielbudenplatz oder in einer der 70 Spielstätten.

Seit diesem Jahr ist mit dem „Anchor“-Award auch ein internationaler Musikpreis zum Angebot hinzugekommen, der den/die besten/n internationalen Newcomer kürt. In der Jury saßen in diesem Jahr Produzentenlegende Tony Visconti (er arbeitete unter anderem lange mit David Bowie zusammen), die Songwriterinnen Emiliana Torrini (sie schrieb zum Beispiel für Kylie Minogue), Anna Ternheim (zwei ihrer Alben waren in Schweden auf Platz 1 der Charts) und die Hamburgerin Y´Akoto. Darüber hinaus die Moderatorenlegende Ray Cokes (MTV) sowie James Minor, Musikchef der weltweit größten Branchenmesse für Musik- und Digitalwirtschaft – der South By Southwest in Austin, Texas, nach deren Vorbild das Reeperbahn Festival entstanden ist. Den Gewinner des „Anchor“ 2016, der schwedische Songwriter Albin Lee Meldau, kann man sich schon mal zu Namen wie Bon Iver, Lykke Li, Jake Bugg, Ed Sheeran und vielen mehr hinzuschreiben, deren Karriere nach ihren Auftritten auf dem Reeperbahn Festival so richtig durch die Decke ging.


Über den Autor Frehn Hawel:

Wo Frehn Hawel ist, spielt die Musik. Für die Konzertagentur Karsten Jahnke sorgt er mit dafür, dass die internationalen Stars nach Hamburg kommen und mit ihren Live-Shows die Fans begeistern. Er ist einer der Entscheider des Hamburger Reeperbahn Festivals und hat als leidenschaftlicher Garagenrocker, Gitarrist und Sänger mit seinen Bands Tigerbeat, Neat Neat Neat und The Last Things bereits selbst drei Platten aufgenommen.