Frehn Hawels Kolumne:
An Australian Idol

Sänger, Model und manchmal auch Gärtner: Tim Rogers | Foto: Marius Engels für HANSEstyle

Frehn Hawel trifft seinen Freund und musikalischen Helden Tim Rogers

Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung mit Ihrer absoluten Lieblingsband? Bei mir war es 1997, als ein Freund von einem Australienurlaub zurückkehrte und mir von einer Band erzählte, „die ziemlich genau mein Ding sein müsste“. Diese Band war You Am I – und das Charisma ihres Songwriters Tim Rogers überzeugte mich schon vom Plattencover aus. Ich brauchte exakt einen Song, um zu wissen, dass dies die Band war, auf die ich immer gewartet hatte! Was für eine Stimme! Was für Songs! Was für Texte! Und dieser reduzierte Sixties-Sound! Über vier Alben, von denen drei direkt auf Platz eins der australischen Charts schossen, wurde die Band in ihrer Heimat zur festen Größe und Tim Rogers einer der respektierten und wichtigsten Songwriter Australiens. You Am I tourten in den Neunzigern mit Nirvana, den Lemonheads, Soundgarden und vielen mehr um die Welt – über Kultstatus kamen sie allerdings nie wirklich hinaus. In Australien jedoch eröffnen sie die Stadionshows für die Rolling Stones und The Who. Dieser Tage, nach fünf Jahren Veröffentlichungspause, haben sie ihr zehntes Album „Porridge & Hotsauce“ herausgebracht. Grandiose Rocksongs, furios gespielt. Obendrein hat Tim Rogers im Frühjahr 2015 mit der australischen Band The Bamboos mit „The Rules Of Attraction“ eine der besten Neo-Soul-Platten der letzten Jahre hingelegt. Seit 1999 ist der Vater einer 15-jährigen Tochter zudem als Solokünstler, inzwischen aber auch als Landschaftsgärtner, Autor für Theaterstücke, Journalist, Schauspieler, TV Moderator – und seit ein paar Wochen gar als Model (mit 46!) aktiv. Seit ich 2004 mit einem Freund auf die wahnwitzige Idee kam, Tim für eine Solo-Show nach Hamburg zu holen, er auch noch zusagte, kam und ein unvergessliches Konzert spielte, sind wir befreundet.

Was läge also näher, als Ihnen, liebe Leser, meinen absoluten musikalischen Helden vorzustellen, wenn er – wie jüngst – mal wieder für ein Konzert in der Hansestadt weilt? Bei einem Musiker, der fortwährend Songs und Musik schreibt, haben sich in fünf Jahren ohne Veröffentlichung unter Garantie jede Menge Lieder angehäuft – wie suchte man darunter die aus, die schließlich auf dem neuen You Am I Album gelandet sind? „Wir sind im Kollektiv nicht unbedingt die geduldigsten Charaktere, die stundenlang an Fragmenten tüfteln, um zu sehen, was dabei rauskommen könnte – also stelle ich gezielt die Songs vor, bei denen ich die Band schon im Kopf spielen höre. Wer in einer Gang sein will, muss seinen Teil beisteuern – und meiner ist es, Songs zu präsentieren, die zu uns passen.“ Das Rezept haut bisher tadellos hin, muss ich konstatieren – selten hat eine Band so einen gleichbleibend hohen Qualitätsstandard. Wie steht es eigentlich um all die anderen Tätigkeitsfelder neben der Musik, wie seine Arbeit am Theater oder als TV Host – und wie bitte sehr, kam es zum Berufsfeld Landschaftsgärtner? „Arbeit macht mir grundsätzlich Spaß. Wenn mir also ein Job angeboten wird, werfe ich mich gern voll hinein. Nur wenn ich für einen Job eine musikalische Möglichkeit verpassen würde, würde ich ihn ablehnen.

Freunde: TIm Rogers ud Kolumnist Frehn Hawel in der Molotow SkyBar | Foto: Marius Engels
Freunde: TIm Rogers ud Kolumnist Frehn Hawel in der Molotow SkyBar | Foto: Marius Engels

Als Gärtner zum Beispiel bin ich ein einfacher Arbeiter – aber das Bier nach einem Tag körperlicher Arbeit schmeckt einfach am allerbesten!“ Was fasziniert jemanden aus Melbourne, der in New York, Los Angeles, Madrid und Sydney gelebt hat, an Hamburg? „Ich erlebe Hamburg als eine Stadt mit großer Liebe zu Rock ’n‘ Roll, einem gesunden Humor und der bewussten Missachtung üblicher Schlafenszeiten. Es macht mir Freude, den Rhythmus der Stadt zu erleben, wenn auch immer nur kurz – und meine Verehrung für Hamburg geht so weit, dass ich gelobe, auf die Sprachschule zu gehen und mehr zurückzugeben als einen seltsamen Kleidungsstil und ein schelmisches Grinsen!


Über den Autor Frehn Hawel:

Wo Frehn Hawel ist, spielt die Musik. Für die Konzertagentur Karsten Jahnke sorgt er mit dafür, dass die internationalen Stars nach Hamburg kommen und mit ihren Live-Shows die Fans begeistern. Er ist einer der Entscheider des Hamburger Reeperbahn Festivals und hat als leidenschaftlicher Garagenrocker, Gitarrist und Sänger mit seinen Bands Tigerbeat, Neat Neat Neat und The Last Things bereits selbst drei Platten aufgenommen.