Fashion-Rebell(e)

„Fashion fades, only style remains.“ Coco Chanels berühmtes Zitat steht auf der Visitenkarte von Rebelle-Gründerin Cécile Gaulke und für die Idee hinter ihrem Designer Secondhand Onlineshop.
Foto: Marius Engels für HANSEstyle

Cécile Gaulke will Secondhand vom verstaubten Image befreien

Schon als Kind begleitete Cécile Gaulke ihre Mutter auf Streifzüge durch Secondhand Läden. Zwischen Vintage-Teilen von Yves Saint Laurent und Christian Dior entdeckte sie ihre Liebe zur Mode – und zu Secondhand. In HANSEstyle erklärt die sympathische Berlinerin das Konzept ihres Designer Secondhand Onlineshops Rebelle.com.

In einem alten Hamburger Speicher mit Blick auf das Wasserschloss reihen sich verteilt auf drei Etagen über 20.000 Designerstücke: Label von A wie Alexander Mc Queen bis Z wie Zadig & Voltaire lassen das Herz einer jeden Fashionista höher schlagen. An einem regnerischen Tag öffnet uns Rebelle-Gründerin Cécile Gaulke die Pforten des Fashion-Paradieses und lässt uns für ein paar Stunden den grauen Hamburger Himmel vergessen. Wie bei vielen Gründungsgeschichten entstand die Idee von Rebelle aus der eigenen Not heraus. „Als ich zum Studieren ins Ausland ging, ließ ich einen Großteil meiner Kleidung bei meinem Vater im Keller. Irgendwann wurde es ihm zu bunt und ich stand vor der Herausforderung, meine Sachen loswerden zu müssen. Nach einiger Recherche stieß ich auf die amerikanische Secondhand Plattform The RealReal und war verwundert, dass es ein solches Konzept in Deutschland nicht gab.“

Nach ihrem BWL-Studium in London und Paris kam Cécile nach Hamburg. „Hier habe ich durch einen glücklichen Zufall meinen Geschäftspartner Max Schönemann kennengelernt. Max ist unter anderem für die Logistik zuständig.“ Im Februar 2013 wurde Rebelle gegründet, nur ein halbes Jahr später ging die Seite online; inzwischen gibt es 65 Mitarbeiter. „Offensichtlich haben wir ein Modell gefunden, das den Konsumenten anspricht“, meint Cécile, als wir sie auf das schnelle Wachstum ansprechen. Die Internationalisierung der Website ist in vollem Gange. „Es gibt bereits die französische und die italienische Seite. Mittlerweile verkaufen wir in 28 europä-
ische Länder.“ Die Übernahme von Glamloop im vergangenen Jahr – dem einzigen Konkurrenten auf dem Deutschen Markt – stellte Cécile und Max vor neue Herausforderungen. „Wenn ein kleines Unternehmen ein anderes kleines Unternehmen übernimmt ist das mit ziemlich viel Arbeit verbunden – ehrlich gesagt mit mehr als wir dachten. Aber an dieser Herausforderung sind wir gewachsen und wir würden diesen Schritt jederzeit wieder gehen.“
Mittlerweile besuchen monatlich knapp eine halbe Million, hauptsächlich weibliche, Nutzer im Alter von 25 bis 65 Jahren die Website. Nicht nur Privatpersonen bieten ihre Kleidungsstücke zum Verkauf an, sondern auch namhafte Secondhand-Shop-Betreiber. „In erster Linie bleibt der Fokus auch in Zukunft weiterhin auf Secondhand, aber es gibt bereits erste hochwertige Boutiquen, die ihre Last-Season-Kollektionen bei uns zum Verkauf anbieten“, erzählt die Gründerin.

Bis ein Produkt von den Händen der Verkäuferin in die der Käuferin übergeht, durchläuft es verschiedene Stationen. Anders als bei Online-Tauschbörsen wie Kleiderkreisel besteht die Möglichkeit, den sogenannten Concierge-Service zu nutzen. Zunächst werden alle Stücke in der Qualitätssicherung auf Zustand und Echtheit überprüft. „Plagiate werden konsequent aussortiert und zurückgeschickt“, erklärt Cécile. „Nur so können wir unseren hohen Qualitätsstandard gewährleisten.“ Besteht die Ware den prüfenden Blicken der Modeexperten, wird sie fotografiert und mit einer Produktbeschreibung versehen.

Cécile Gaulke und Autorin Marike Götz im Gespräch über Designer Secondhand, Onlinetauschbörsen und die Liebe zur Mode | Foto: Marius Engels

Nach dem Verkauf wird sie liebevoll in türkis-grüne Päckchen verpackt und mit individueller Botschaft versehen. „Mit Rebelle wollen wir Vintage aus dem verstaubten Image herauszuholen. Uns ist wichtig, unseren Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis zu bescheren. Mein Ziel war es, das Net-a-Porter des Designer-Secondhands aufzubauen. Der Anspruch an guten Service und hochwertige Produktpräsenta-tion ist durchaus vergleichbar. Rebelle soll die erste Anlaufstelle für alle Modebegeisterten sein, die ihre Designer-Mode kaufen oder verkaufen möchten.“

Im Gespräch mit: Marike Götz


4 Mode-Fragen an Cécile Gaulke

1. Was fasziniert Sie an Designer-Mode?
Mir ist nicht wichtig, welches Label auf der Kleidung steht, die ich trage. Mir macht es Spaß, die eigene Handschrift der Designer immer neu zu entdecken. Oder zu sehen, wie Altbewährtes einer Marke von neuen Designern des Hauses interpretiert wird. Natürlich spielen die Qualität, die Verarbeitung und die Materialien auch eine Rolle.

2. Was ist Ihnen bei der Auswahl der eigenen Kleidung wichtig?
Meine Kleidung muss unkompliziert sein! Ich möchte nicht ewig darüber nachdenken müssen, was zu dem Rest meiner Garderobe passt. Ich hab keine Angst vor Farbe und greife auch mal zu ausgefalleneren Mustern, aber ich achte darauf, dass meine Kleidung zeitlos ist und ich sie lange tragen kann.

3. Was ist Ihr Lieblingsstück im Kleiderschrank?
Das ist schwierig. Ich habe eine ganze Reihe an Taschen und Schuhen, die ich sehr gerne mag. Zum Beispiel habe ich mir neulich Schuhe von Nicholas Kirkwood gekauft – die liebe ich! Oder auch den schwarzen Chloé-Mantel, den ich gerade anhabe. Den kann man ganz toll zu vielen verschieden Looks kombinieren.

4. Wenn Sie sich aus dem Rebelle-Lager ein Teil aussuchen könnten, welches wäre das?
Ich würde wirtschaftlich denken und mir eine Hermès-Tasche mit einem ganz hohen Wiederverkaufswert aussuchen. Wobei ich sie definitiv nicht weiterverkaufen, sondern einfach nur gerne besitzen würde. Aber ich denke, man kann auch ohne Hermès-Tasche sehr glücklich sein – hat bislang auch gut funktioniert! (lacht)