Die Schilddrüse – kleines Organ mit großer Wirkung

„Der einzig sichere Weg zur richtigen Diagnose ist die Überprüfung des TSH-Werts - die Laboruntersuchung des Bluts.“ - Prof. Dr. Christian Jürgens | Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEstyle

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Maria Bührle ist die Leitende Ärztin des Departments für Endokrine Chirurgie in der chirurgischen Klinik des Albertinen-Krankenhauses. Ihr Spezialgebiet: die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen. In HANSEstyle erzählt die Fachärztin für Chirurgie von der Macht der Hormone, von Fehlfunktionen und Therapiemöglichkeiten.

FRAGEN AN MARIA BÜHRLE

Wie arbeitet die Schilddrüse?
Sie ist wie eine Fabrik. Um Hormone zu produzieren, benötigt sie vor allem Jod als Ausgangsprodukt. Damit wir eine ausreichende Versorgung gewährleisten können, wird in der heutigen Küche jodiertes Speisesalz genutzt. Auch der Verzehr von besonders jodhaltigem Seefisch, wie Seelachs, Kabeljau oder Scholle, ist empfehlenswert.

Warum wird die Schilddrüse als ‚kleines Organ mit großer Wirkung‘ bezeichnet?
Hormone aktivieren uns – sowohl körperlich als auch geistig. Sie sorgen für den ‚Schwung am Morgen‘ oder dafür, dass wir uns gut konzentrieren können. Hieraus lässt sich leicht ableiten was passiert, wenn man eine Über- oder Unterfunktion hat – sich also nicht die richtige Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut befindet. Dieses beeinflusst zahlreiche Ebenen des Körpers, zum Beispiel die Herzfrequenz. Unser Herz schlägt schneller, wenn wir zu viele Hormone im Blut haben. Auch bei der Gewichtszunahme oder -abnahme spielt die Schilddrüse eine entscheidende Rolle. Wir benötigen ausreichend Schilddrüsenhormone, um unsere täglich zugeführten Kalorien zu verbrennen. Sind zu wenige Hormone im Blut, kann es zu einer Gewichtszunahme kommen, sind es zu viele, dann magern die Patienten schnell ab.

Wie äußert sich eine Fehlfunktion?
Eine veränderte Hormonproduktion der Schilddrüse und die damit einhergehenden Symptome sind sehr diffus (zum Beispiel vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen oder Schlafstörungen) und lassen sich schwer von diversen anderen Erkrankungen oder einer anstrengenden Lebensphase unterscheiden. Häufig nimmt der Patient eine Überfunktion nicht sofort wahr, weil er sich anfänglich fitter und effektiver als andere fühlt. Aber dann fährt man seinen Körper gewissermaßen im sechsten Gang, was ihn auf lange Sicht schädigt. Der einzig sichere Weg zur richtigen Diagnose ist die Überprüfung des TSH-Werts – die Laboruntersuchung des Bluts.

Gibt es neben der Über- und Unterfunktion noch weitere Erkrankungen?
Die Schilddrüse kann sich vergrößern und zu Schluckbeschwerden oder Atemnot führen. Wenn diese beginnt Knoten zu bilden, kann sich hieraus in seltenen Fällen Krebs entwickeln. Zudem können Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse auftreten, die zu einer chronischen Entzündung führen und bei längerem Verlauf häufig eine Unterfunktion auslösen.

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es?
Grundsätzlich bieten sich die Einnahme von Medikamenten, eine Radiojodtherapie oder eine Operation an. Bei Krebs oder einer übergroßen Schilddrüse, die dem Patienten starke Beschwerden bereitet, operieren wir. Liegt eine Überfunktion vor, muss beurteilt werden, ob eine Radiojodtherapie oder eine Operation zu empfehlen ist. Bei einer Radiojodtherapie werden die Schilddrüsenzellen lokal bestrahlt; eine operative Therapie kann heutzutage unter besonderer Schonung des Stimmbandnervs durchgeführt werden. Eine Unterfunktion sollte nach aktuellen Studienergebnissen mit Jod und L-Thyroxin, einem Schilddrüsenhormon, behandelt werden.

Im Gespräch mit: Sarah Bischoff


Über Maria Bührle:

Die gebürtige Baden-Württembergerin lebte bereits in den USA und in Spanien. Ihr Studium absolvierte sie an der Charité in Berlin und machte 2005 ihren Facharzt für Chirurgie. Sie war in der Mariahilf Klinik Hamburg als Oberärztin für Viszeralchirurgie tätig und spezialisierte sich in der Schön Klinik Eilbek bei Prof. Dr. Kußmann in der endokrinen Chirurgie weiter. Seit 2011 leitet die Chirurgin das Department für Endokrine Chirurgie im Albertinen-Krankenhaus. Sie liebt ausgiebige Wandertouren und ist seit einem Jahr glücklich verheiratet.


Über das Albertinen-Krankenhaus:

Das Albertinen Krankenhaus / Albertinen Haus in Hamburg-Schnelsen ist mit 696 Betten die größte konfessionelle Klinik in der Hansestadt. Das akademische Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg versorgt jährlich rund 66.000 Patienten.