Die Dirndl-Deern von Hamburg

Im Limberry-Office hat Sibilla Kawala ihre Dirndl immer um sich | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

So wurde Sibilla Kawala mit ihrem Trachten-Unternehmen erfolgreich

Mit gerade einmal 26 Jahren gründet Sibilla Kawala 2010 ihr eigenes Unternehmen. Seitdem hat sich Limberry zu Deutschlands führendem Onlineshop für Designer-Trachtenmode entwickelt. In der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ konnte Sibilla Kawala mit ihrem Konzept sogar gleich zwei Investoren überzeugen. HANSEstyle spricht mit der gebürtigen Hamburgerin über die Entwicklung von Limberry, die Trachtentrends 2017 und das perfekte Dirndl.

Aller Anfang ist schwer
Meine Vision war ein Onlineshop, in dem sich Frauen ihre Kleidung selbst gestalten können. Im Angebot von Limberry waren Blazer, Kleider und Trenchcoats. Obwohl das Konzept gut ankam, blieb der Klick zum Kauf meist aus. Heute, mit etwas Abstand betrachtet, ist das Problem klar: Ich habe die Katze im Sack angeboten, da es bei selbst gestalteten Produkten kein klassisches Rückgaberecht gibt. Damals stellte sich uns die Frage: aufgeben oder weitermachen? Zu diesem Zeitpunkt hatten wir ein einziges Dirndl im Sortiment – unser Bestseller. Wir haben festgestellt, dass Trachtenmode, ähnlich dem Brautkleid, etwas für den besonderen Anlass ist, für den man gern gesonderte Konditionen in Kauf nimmt. So wurde aus Limberry ein Onlineshop für Trachtenmode.

Gründerin mit 26
Schon in der Schule wusste ich, dass ich irgendwann mein eigenes Unternehmen haben möchte. Nach Abitur und BWL-Studium bin in die Firma meines Vaters im Stahlhandel eingestiegen mit dem Plan, diese später zu übernehmen. Allerdings haben mein Vater und ich schnell gemerkt, dass der Stahlhandel nicht das Richtige für mich ist, so dass ich mich gegen eine Karriere im Familienbetrieb entschied. Zeitgleich begann ich meine Doktorarbeit zum Thema „Mass Customization“, die Individualisierung von Massenprodukten, für die ich eine Fallstudie, also ein Unternehmen, das in diesem Bereich tätig war, benötigte. Dieses Unternehmen gab es nicht und so gründete ich ein eigenes, aus dem ich die Daten herausfiltern konnte: Limberry.

Hamburgerin mit Liebe zu Süddeutschland
Ab meinem zweiten Lebensjahr ging es regelmäßig zum Skifahren nach Garmisch Partenkirchen. Ich habe dort viele Freunde und gehe seit mindestens acht Jahren zum Oktoberfest. Es besteht also eine Verbindung nach Süddeutschland, in die Region der Trachtenmode. Tatsächlich zum Dirndl gekommen bin ich aber auf einer Stoffmesse, wo ich zufällig schöne Trachtenstoffe entdeckte und kaufte, um mir von meiner Großmutter ein Dirndl schneidern zu lassen. Ich habe mir mein Mieder, den Rock und die Schürze zusammengestellt. Da fiel mir die Ähnlichkeit zum Limberry-Konzept auf und ich entschied mich, das Dirndl in den Onlineshop aufzunehmen.

Hamburg als Unternehmensstandort
Ich bin in Hamburg geboren und lebe hier, genau wie meine Eltern, die mittlerweile beide bei mir arbeiten. Vor allem deswegen war für mich klar, dass auch der Firmensitz von Limberry hier sein sollte. Sollte ich merken, dass es zur positiven Entwicklung von Limberry beiträgt, könnte ich mir auch vorstellen nach München oder Berlin zu ziehen, wo es eine große Gründerszene gibt.
2016: Das Jahr der Löwen
Ich habe die ersten zwei Staffeln von „Die Höhle der Löwen“ verfolgt und fand an dem Format toll, dass es Start-Ups in der Öffentlichkeit sichtbar werden lässt. Am Ende der zweiten Staffel lief der Bewerbungsaufruf für die neue Staffel. Ich entschied mich, einen Zweizeiler an die Produktion zu schicken, hatte aber keine großen Hoffnungen. Völlig unerwartet habe ich dann eine Rückmeldung bekommen, die der Auftakt zu einem sechsmonatigen Bewerbungsprozess war, bevor ich die Zusage bekam. Bereits eine Woche später starteten die Dreharbeiten für VOX.

Judith Williams und Carsten Maschmeyer – die „Löwenchance“ für Limberry
Die Teilnahme bei „Die Höhle der Löwen“ und die Unterstützung der beiden Investoren haben einen sehr positiven Effekt für Limberry, den man allerdings getrennt betrachten muss. Die TV-Show hat für eine große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Die Investoren selbst sind sehr gut aufgestellt und haben kompetente Teams, die mir bei sämtlichen Belangen zur Seite stehen.

Die Limberry-Kollektion heute und in Zukunft
Derzeit umfasst unsere Kollektion neben Dirndln auch Dirndlblusen, Janker (Blazer), Röcke, Tücher, Ballerinas und Accessoires. In Zukunft werden wir das Sortiment um Taschen und weitere Schuhmodelle sowie Lederhosen, Hemden und Westen für Herren ergänzen.

Sibilla Kawalas Favorit: das Limberry-Dirndl „Alpenkitz“, ca. 600 Euro

Der perfekte Dirndl-Look
Aus Sicht der Dirndl-Expertin rate ich, ein knieverdeckendes Dirndl zu tragen. Zusätzlich gilt die Regel: Wenn es sich obenherum zu klein anfühlt, dann sitzt das Dirndl perfekt. Dirndl-Blusen gehören natürlich genauso dazu wie eine Schürze mit gebundener Schleife. Als Privatperson finde ich, dass jüngere Mädchen ruhig etwas Knie zeigen dürfen. Das ist zwar nicht traditionell, aber wir sehen an der großen Nachfrage, dass dieser Look gut angenommen wird. Das Schuhwerk sollte dem Anlass entsprechend sein. Schlendert man tagsüber über das Oktoberfest, eignen sich Ballerinas in Wildlederoptik oder mit Trachtenapplikationen. Ist man zu Gast im Käfer-Zelt, sollte man auf schöne Pumps oder Stiefeletten zurückgreifen.

Die Entstehung von Trachten-Trends
Ich denke die Trends sind abhängig von der Laune der Gesellschaft und der Stimmung im Land. In einer Zeit wie dieser, mit politischen Unruhen und finanziellen Schwierigkeiten, wird alles etwas nüchterner betrachtet. Das spiegelt sich auch in den Trachten-Trends und den Preisen wider. Während vor zwei Jahren Seiden-Dirndl für bis zu 900 Euro verkauft wurden, sind jetzt Baumwoll-Dirndl für weniger Geld gefragt.


„Wenn es sich obenherum zu klein anfühlt, dann sitzt das Dirndl perfekt.“- Sibilla Kawala

Blaues Pünktchen-Dirndl „Waldzauber“ von Limberry, ca. 450 Euro

 Trachten-Trends 2017
Für 2017 sind zwei Trends zu erkennen. Zum einen heißt es „back to the roots“: traditionell und nüchtern ohne viel Chichi, hochgeschlossen aus Baumwoll- oder Leinenstoffen. Der zweite Trend hält sich bereits seit über einem Jahr und ist nicht nur in der Tracht, sondern auch in der Alltagsmode zu finden: mit Blumenmuster bestickte Stoffe.

Sibilla Kawalas Lieblings-Dirndl
Mein Lieblingsdirndl ist das „Alpenkitz“. Ich mag das Zusammenspiel der Farbkombination aus Rosé und Mint mit dem modernen Paisley-Muster. Der Stehkragen verleiht dem Dirndl eine gewisse Eleganz, ergänzt von der Seidenschürze mit traditionellem Hirschmuster.

Sibilla Kawalas Lieblingszelt auf der Wiesn
Jedes Zelt auf dem Oktoberfest hat seinen eigenen Charme. Letztes Jahr war ich zum ersten Mal im Marstall-Zelt. Das Zelt gefällt mir so gut, weil es sehr detailverliebt von der Familie Able geführt wird. Aufregend ist natürlich auch das Käfer-Zelt. Hier trifft man in uriger Atmosphäre viele spannende Menschen.

Im Gespräch mit: Louisa Wölke