Viva con Agua: Die All-Profit-Organisation

Von Anfang an mit Herzblut dabei: VCA-Initiator Benjamin Adrion und Michael Fritz | Foto: Simone Rudloff für HANSEstyle

Viva con Agua ist viel mehr als eine Wasserinitiative für den guten Zweck: Sie ist Lifestyle und Kult zugleich.

Michael Fritz zeigt: Diese Städte sind bereits „vivaaguatisiert“ | Foto: Simone Rudloff für HANSestyle
Michael Fritz zeigt: Diese Städte sind bereits „vivaaguatisiert“ | Foto: Simone Rudloff für HANSestyle

Das internationale Netzwerk Viva con Agua (VCA) setzt sich – in Kooperation mit der Welthungerhilfe – für sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung in Uganda, Äthiopien, Kenia, Nepal und Indien ein. Das Herz der Organisation befindet sich auf St. Pauli. HANSEstyle traf den Initiator Benjamin Adrion, ehemaliger Mittelfeldspieler des FC St. Pauli sowie Michael Fritz, ebenfalls Gründungsmitglied, und sprach mit ihnen über Wasserprojekte, Spendensammeln auf sinnstiftende Art und Wertschätzung.

Im Jahre 2005 reiste der FC St. Pauli als erste westliche Profimannschaft nach Kuba, um dort sein Trainingslager aufzuschlagen. Das Motto lautete damals „Viva St. Pauli“, spanisch für: „Es lebe St. Pauli“. Der heute 34-jährige Benjamin Adrion kehrte mit folgender Idee im Gepäck in die Hansestadt zurück: 50.000 Euro für Wasserprojekte in Kuba sammeln. „Wir waren zunächst völlig ratlos, wie wir das Geld zusammenbekommen sollten“, so Adrion lächelnd. Doch mit kleinen, ambitionierten Aktionen und engagierten Fans gelang es tatsächlich das Spendenziel zu erreichen. Der FC St. Pauli überwies das Geld an die Welthungerhilfe, der einzigen auf Kuba aktiven deutschen NRO (Nichtregierungsorganisation). Dies war der Startschuss für Viva con Agua de Sankt Pauli e. V. – und für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe, die in den Projektgebieten u. a. den Bau von Brunnen realisiert. Heute wird die Organisation von über 12.000 ehrenamtlichen Supportern getragen und verfügt über ein internationales Netzwerk mit über 56 aktiven Viva-con-Agua-Städten in Deutschland, Vereinen in Österreich, den Niederlanden und in der Schweiz sowie einer VCA-Crew in Uganda.

Eine gemeinsame Vision vereint sie: Alle für Wasser – Wasser für alle.

„Wir wollen auf die globalen Themen Water, Sanitation und Hygiene (kurz: WASH) aufmerksam machen und zugleich Spenden für die Wasserprojekte unserer Partner sammeln. Schwerpunktmäßig helfen wir in Uganda, Äthiopien, Kenia, Nepal und Indien“, erläutert der 32-jährige Michael Fritz. 2009 wurde Benjamin Adrion, stellvertretend für Viva con Agua, das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er war damals 28 Jahre alt, das Mindestalter für diese Ehrung beträgt eigentlich 40 Jahre. Es folgten zahlreiche weitere Preise. Seit 2006 hat die Wasserinitiative ca. 4,5 Millionen Euro an die Welthungerhilfe übergeben. Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des offenen Netzwerks? „Viva con Agua ist nicht nur ein gemeinnütziger Verein, sondern vielmehr eine Art Lebensgefühl. Ausschlaggebend ist vor allem St. Pauli, seine Fanszene und die prominente Unterstützung von Bela B oder Fettes Brot.“

„Wir sind eine All-Profit-Organisation, denn durch Freude, neue Kontakte und Inspiration sollen alle Beteiligten profitieren. Denn dies haben wir schnell begriffen: Die Hauptressource, die der Mensch für ehrenamtliches Engagement braucht, ist Wertschätzung“, berichtet Michael Fritz, der selbst auf St. Pauli lebt.

Foto: PR

Ob Pfandbechersammeln auf über 160 Festivals, der Teilnahme an Lesungen und Spendenläufen, dem Erwerb von Viva-con-Agua-Wasserflaschen oder Geldspenden – die Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren, sind vielfältig und vor allem eines: niedrigschwellig.
Etwa eine Million verkaufte Wasserflaschen pro Monat und starke Partner wie das Rathaus, der Hamburger Flughafen oder inzwischen auch Ministerien, die das Wasser gezielt ausschenken, runden das ehrenamtliche Engagement der Organisation ab. „Bei allem Engagement versuchen wir immer so profitmaximiert wie möglich, aber zum Besten aller Wesen zu handeln. Deshalb besinnen wir uns auf unsere Kernkompetenz – wir schaffen das Bewusstsein für die weltweite Wasserproblematik und sammeln Spenden – und überlassen beispielsweise das Brunnenbohren unseren Partnern“, erklärt Fritz. „Dabei gibt es keine Allheillösung, um den Menschen vor Ort den Zugang zu sauberem Trinkwasser und zur sanitären Grundversorgung zu ermöglichen. Den Schlüssel stellen vielmehr Lösungen dar, die Sinn machen. Entscheidend sind die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und die Gegebenheiten vor Ort.“ So werden in den Projektgebieten neben dem Bau von Brunnen, Quelleinfassungen oder Regenauffangsystemen auch sanitäre Anlagen errichtet und Hygieneschulungen durchgeführt. Hierbei stehen die WASH-Themen immer in Wechselwirkung zueinander. „Um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, nutzen wir universelle Sprachen, wie Kunst, Musik, Fußball. Es ist uns wichtig, zum Beispiel mithilfe von Fußballern, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Schließlich geht es um die Frage: Kannst du kicken oder nicht? Dabei spielt die Herkunft oder die Hautfarbe keine Rolle“, führt Adrion aus.

Das Gespräch führte: Sarah Bischoff

 


Wie kann ich mich engagieren?

• eigenes Potenzial entfalten: Was mache ich gern und wie kann ich dies mit ehrenamtlichem Engagement verbinden?
• individuelle Initiative: Teilnahme an Spendenläufen, Konzerten, Lesungen etc. im Unternehmen und Freundeskreis
• Viva-con-Agua-Wasserflaschen und Goldeimer-Klopapier in das eigene Unternehmen bringen
• Besuch der Millerntor Gallery, dem internationalen Kunst-, Musik- und Kulturfestival im Millerntorstadion, und Kunst für den guten Zweck erwerben.
• spenden


Neu: Saubere Geschäfte

Viva con Agua unterstützt: Sanitärversorgung für alle! Hierfür hat das Social Business Goldeimer GmbH, die innerhalb des Viva-con-Auga-Netzwerks entstanden und Anbieter mobiler Kompost-Örtchen ist, ein Recycling-Toilettenpapier herausgebracht. Vorerst in limitierter Auflage von 100.000 Paketen ist das Papier seit Februar 2016 exklusiv in allen Budni-Filialen in Hamburg und Umgebung erhältlich. 3 Lagen, 8 Rollen und 150 Blatt – 161 unschlagbare Gründe für das Goldeimer Klopapier. Außerdem zieren Seemänner und Sprüche jedes zweite Blatt. Selbstverständlich für den guten Zweck: 20 Cent pro verkaufter Packung fließen in den Bau öffentlicher Toiletten in Äthiopien, die dort von der Welthungerhilfe errichtet werden.