Der Selbstmacher

„Anfangen! Machen! Lernen!“ - Eugen Block
Foto: Ulrich Lindenthal-Lazhar für HANSEsyle

Er ist der Gründer der Restaurantkette Block House und errichtete das Fünf-Sterne-Haus Elysée in Hamburg-Rotherbaum: Eugen Block, der in diesem Jahr seinen 75sten Geburtstag feiert. Seine Geschichte ist eine Geschichte voller Antrieb, Visionen – und Erfolg. Mit HANSEstyle sprach der vielseitige Unternehmer über Dinge, die ihn bewegen und die er bewegt.

Energischer Schritt. Wache Augen. Fester Händedruck. Wer Eugen Block durch’s Hotel Grand Elysée gehen sieht, erkennt sofort, dass dieser Mann kein Gast ist. Da ist diese Verbindung, die Block zu allem und jedem hat, zu den Möbeln und Lampen, den Teppichen und Holzvertäfelungen, den verspiegelten Fahrstühlen und den Ledersesseln in der Lobby.

Elysée. Paradies. Mit dem Hotel hat Block sein ganz eigenes geschaffen. Das, wovon er immer geträumt hat, das, was er heute sein „unternehmerisches Herzensprojekt“ nennt. Ein Fünf-Sterne-Hotel, ein Stadt-Mittelpunkt, ein feines, lebendiges Hotel, unterstrichen von Blocks Vielseitigkeit in bester Hamburger Lage. „Das Elysée ist sehr individuell, sehr eigen. Und auch aus unternehmerischer Sicht bietet es ein abendfüllendes Programm“, schmunzelt Block, „ich habe damals unterschätzt, was mit einem Hotel verbunden ist. Es gibt Dinge, die kann ich nicht delegieren, die muss ich selbst machen.“ Würde er es wieder machen? Er würde.

Die Idee, das eigene Hotel, ist in Blocks Hinterkopf, allgegenwärtig, seit der Ausbildung zum Hotelfachmann. Und natürlich, der Weg in der Gastronomie, erzählt er, war vorgegeben. Die Eltern besitzen eine Gaststätte, es läuft gut. Immer sonntags, nach der Kirche, müssen er und seine Geschwister mit antreten: „Bierzapfen, Aschenbecher saubermachen, Schnaps ausschenken – und das alles nach´m Hochamt“, erinnert er sich. Harkebrügge, das Dorf im Oldenburger Münsterland, in dem Block aufwächst und seine Mittlere Reife macht. „Ich hab’ damals immer in meiner eigenen Gedankenwelt gelebt. Irgendwann hatten die Lehrer keinen Zugang mehr zu mir, ich lernte nicht mehr gut und war im Unterricht nicht mehr aufmerksam.“ Noch heute fällt ihm langes Zuhören bei Vorträgen schwer: Es ist dies Sprunghafte, dieser Drang, immer an alles gleichzeitig zu denken, dies und das und jenes einbeziehen. Block hat es sich zu Nutze gemacht: Es bedeutet für ihn Flexibilität im Handeln, prägt seinen Unternehmergeist, eröffnet ihm den visionären Blick.

Das erste „Block House“ eröffnet er 1968 in der Dorotheenstraße. Es ist sein Sprungbrett, dieses neue deutsche Steakhaus mit argentinischem Rindfleisch, mit großen Kartoffeln, die in Alufolie eingewickelt sind. Die ersten Salatsoßen werden 1971 kreiert, die Sour Cream kurze Zeit später. Block ist ein Pionier seiner Zeit, es gibt nur eine weitere Restaurantkette in Deutschland: Den Wienerwald – kulinarisch weit weg von Steaks aus Südamerika. Die Idee bringt er mit von seinen beruflichen Stationen in der Schweiz, England, Frankreich, den USA, nach seiner Ausbildung. Block trifft auf seiner kleinen Reise um die Welt Menschen, von denen er lernt, über das Leben, über die Sprache, über die Menschen selbst. Obwohl er schon damals von einem Hotel träumt, ist da seine andere, seine strategische Seite, die ihm sagt: „Ein Hotel kannst du nicht von Null aufbauen. Aber was du kannst, ist ein kleines Restaurant aufmachen.“ In Hamburg.

Er  baut  sein Imperium auf, ein Block House nach dem anderen. 36 sind es heute.


„Wer sich nur wegen des Geldverdienens selbständig macht, der wird kein Geld verdienen.“ – Eugen Block


Früher, resümiert Block, hat er härter gearbeitet. Sieben Tage die Woche. „Als Unternehmer denkt man von morgens bis abends an das Geschäft. Anders geht es doch gar nicht. Wer ein Unternehmen gründet, geht abends damit ins Bett und steht morgens wieder damit auf“ – Blocks Credo ist manifestiert. Und er ist überzeugt, dass jeder, der sich selbständig macht, den Markt gut kennen muss. Eine klare Vision und ein genaues Ziel vor Augen haben muss. Hartnäckig sein und dranbleiben. Sich trauen, verschiedene Wege zu probieren. Sich nicht umrennen lassen – diese Eigenschaft wurde Block auch schon als Dickköpfigkeit vorgeworfen, denn wenn er eine Meinung hat, ist da wenig Spielraum für Gegenargumente. Weiter erzählt er über die Anforderungen an einen Unternehmensgründer: Er braucht einen klaren Kopf, muss sachlich orientiert sein, rechnen können. „Anfangen! Machen! Lernen!“ – Blocks Tipps für junge Unternehmer sind so kurz wie treffend. Und das Herz muss bei der Sache sein. „Wer sich nur wegen des Geldverdienens selbständig macht, der wird kein Geld verdienen“, ist er sich sicher.

So ist es auch mit dem Blockbräu direkt an den Hamburger Landungsbrücken, dort, wo früher das „Pupasch“ war und wo Woche für Woche Menschen mehr Schnaps bestellten, als ihnen gut tat. Bierbrauen: der Traum vieler Männer, auch von Block, schon vor 20 Jahren. Aber nicht wegen des Geldes. Das eigene Bier zu brauen, mit selbst ausgesuchten Geschmacksnoten, das ist es, was den Reiz ausmacht. Mit dem „Blockbräu“ nimmt er die Tradition hamburgischer Bierbrauhäuser der Hansezeit wieder auf: Im späten Mittelalter gilt Hamburg mit seinen einst 500 Brauereien als das „Brauhaus der Hanse“. Und er kehrt zurück, zu seinen Wurzeln, denn im Gasthof seiner Eltern traf sich das Dorf zum Feierabendbier. Vom Start weg ist das Brauhaus erfolgreich, ein Selbstläufer, bei Touristen und Hamburgern gleichermaßen beliebt. „Da klopf ich mir ausnahmsweise selbst auf die Schulter – das haben wir wirklich gut gemacht! Keine Fehler beim Konzept – keiner vermisst das Pupasch, in dem sich die Leute versündigt haben. Dass die Stadt so etwas an den Landungsbrücken damals überhaupt zugelassen hat, ist doch schlimm“, konsterniert Block.
Die Stadt und Block. Hamburg ist für ihn Zuhause geworden. Die Stadt hat es gut mit ihm gemeint – und er mit ihr. Vor kurzem erst stellt er sein altes Bürogebäude, in denen die Block-Gruppe 30 Jahre „erfolgreich und fröhlich“ tätig war, als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung. Der Plan war mal ein anderer: Wohnungen bauen. „Das war ein gottgegebener Zufall, dass wir unser Büro wechseln. Jeden Abend die Bilder der Flüchtlinge im Fernsehen – da war klar: Die Wohnungen kannst du auch später bauen, hilf erst einmal!“, erläutert Block seine Entscheidung.

Er kennt diese Art der Hilfe noch aus vergangener Zeit. Block kommt aus wohlhabendem Hause – aber trotzdem wurde ihm beigebracht, Strom abzuschalten, ohne Licht zu leben, Essen zu rationieren. 1945 erlebt Deutschland eine Flüchtlingswelle, mit deutschen Flüchtlingen, ohne Unterstützung des Staates. Jeder, der ein großes Haus hat, jeder, der etwas Geld hat, wird zur Hilfe gezwungen. Fünf bis sechs Schlesier werden in Blocks Elternhaus aufgenommen, sie helfen in der Gaststätte, bei der Erziehung, im Haus. „Wir wurden nicht gefragt“, erinnert sich Block, „die Menschen wurden einquartiert. So war das damals. Meine Generation kannte nur Not.“

Umso mehr sieht er sich heute als Unternehmer in der Verantwortung, etwas zu tun. „Ein Unternehmer“, erklärt Block, „kann nur dann erfolgreich sein, wenn er anständig handelt, wenn er Arbeitsplätze schafft. Dazu gehört natürlich auch egoistischer Antrieb – aber die Motive sind immer edel. Ich denke, der unternehmerische Mensch an sich wird unterschätzt. Die meisten guten Menschen finden Sie unter den Unternehmern, da bin ich ganz sicher.“ Und so ist Block wieder ein Pionier, einer der ersten, Ende der 1980er Jahre, als die damalige Hausdame des Elysées zu ihm kommt und sagt: ‚Herr Block, wir brauchen einen Kindergarten’. Also baut Block einen Kindergarten für seine Angestellten. Er sieht die Doppelbelastung für die Frauen, die arbeiten und sich um die Kinder kümmern, die Einrichtung kostet viel Geld, aber die Mütter, Blocks Angestellte, sind glücklich und dankbar.

Geld zu haben entspannt auch, natürlich. Aber darauf hat Block es nie angelegt. Er fängt bescheiden an, er hat Visionen und Ziele, nimmt sich immer wieder etwas vor. Bleibt selbstkritisch und bescheiden. „Ich strebte nicht nach Geld – ich wollte in erster Linie meine Familie ernähren“, sagt Block. Er kann sich noch genau an den Moment erinnern, in dem er merkt: Es läuft. Ein schöner Abend, in Wandsbek, im Block House Nummer vier, die Leute stehen Schlange an der Tür an diesem Abend, Blocks Bruder kommt vorbei. Block sagt zu ihm: „Ich glaube, jetzt kann ich es nicht mehr verhindern, Ludger. Ich werde Millionär.“ Es ist der Moment, in dem er es einfach mal laut aussprechen kann.


„Wir wurden nicht gefragt. Die Menschen wurden einquartiert. So war das damals. Meine Generation kannte nur Not.“ – Eugen Block

 


Noch immer geht er gerne in seinen eigenen Häusern essen – jede Woche. Er fühlt sich wohl dort, in jedem einzelnen Restaurant, egal wie groß oder klein, egal an welchem Ort. Ihm wird immer gesagt, er kann nicht loslassen, erzählt Block. Dabei hat er das schon, findet er, mit den Architekten seines Vertrauens zum Beispiel, die alle neuen Restaurants in Eigenregie planen. „Bei der Vielzahl der Firmen wird es immer Aufgaben geben, von denen ich denke, dass ich sie selbst lösen muss“, erzählt er. Sein Gründungswerk ist bald abgeschlossen, irgendwann werden seine Kinder alles entscheiden, „noch früh genug, wenn ich nicht mehr lebe“, sagt er. Aber bis dahin wird weiter er das Ruder in der Hand halten, womit auch die  Frage nach der Unternehmensübernahme durch die nächste Generation im Groben beantwortet ist. Eugen Block ist einfach ein Selbstmacher.

Text: Janina Fein


Bürgermeister Olaf Scholz enthüllt mit Christa und Eugen Block die 30 während des großen Grand Elysée Jubiläumfestes | Foto: Martin Brinckmann
Bürgermeister Olaf Scholz enthüllt mit Christa und Eugen Block die 30 während des großen Grand Elysée Jubiläumfestes | Foto: Martin Brinckmann

Eugen Block und Block Gruppe:

Eugen Block eröffnete 1968 in der Dorotheenstraße sein erstes Block House, weitere folgten in kurzer Zeit am Jungfernstieg und in Wandsbek. Zu der von ihm gegründeten Block-Gruppe zählen mittlerweile deutschlandweit 36 eigene Restaurants, acht Franchise-Betriebe im Ausland, das Fünf-Sterne-Hotel Grand Elysée Hamburg, die Block House Fleischerei, die Block Menü als Anbieter für Covenience Food und die Block Foods für den Vertrieb von Produkten im Lebensmittelhandel und im Großhandel. Seit 2001 ist Eugen Block beteiligt an der Hansens Brauerei in Flensburg, seit April 2012 betreibt er die Privatbrauerei und Gaststätte „Blockbräu“. Für die Block Gruppe arbeiten in 16 Unternehmen mehr als 2.200 Beschäftigte. Block ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. 2010 erhielt er für sein Lebenswerk vom Fernsehsender Hamburg 1 die Auszeichnung „Hamburger des Jahres“. 2015 feiert er seinen 75. Geburtstag und den 30. vom Grand Elysée.