DAS SIND SIE! DIE AUSGEWÄHLTEN

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar

WIR STELLEN IHNEN DIE FINALISTINNEN UND FINALISTEN DES METROPOLE.KREATIV AWARDS VOR: 

ÜBER 1.500 WERKE WURDEN EINGEREICHT. NUN HAT DIE JURY ES METROPOLE.KREATIV AWARDS ENTSCHIEDEN: DIESE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER WERDEN IN EINER GROSSEN GRUPPENAUSSTELLUNG PRÄSENTIERT.

EINE INITIATIVE VON

Es ist geschafft! Nach etwa sechs Monaten, über 260 Bewerbungen und mehr als 1.500 eingereichten Arbeiten stehen sie fest: die Finalistinnen und Finalisten des Metropole.Kreativ Awards 2017.

Vielfältig, kreativ, außergwöhnlich – Hamburg ist eine Kunst-Stadt und beherbergt unzählige talentierte Menschen. Die Resonanz auf den diesjährigen Metropole.Kreativ Award hat dies nur einmal mehr deutlich gemacht. Umso schwieriger war es für die Jury, die Besten der Besten zu ermitteln. Aus allen Bewerbungen wurde sich für diese herausragenden Künstlerinnen und Künstler entschieden – deren Werke bis Ende August 2017 in einer Gruppenausstellung in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg am Hühnerposten ausgestellt werden. Installationen, Malerei, Skulpturen, Fotografie: Lernen Sie die Talente und ihre Kunst kennen. Zum gemeinsamen Fotoshooting trafen wir sie in der Hanseatischen Materialverwaltung im Hamburger Oberhafen. Fotografiert wurden die Ausgewählten von Ulrich Lindenthal-Lazhar.


DER SINN FÜR DAS UNBEGREIFLICHE
BILLI METHE

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Ihre Arbeiten bestechen durch sowohl technische als auch inhaltliche Vielschichtigkeit, ihr sicheres Gespür für den Bildaufbau und nicht zuletzt ihre eigenwillige – manchmal beunruhigende – Schönheit. Thematisch beschäftigt sich Billi Methe mit den Gegensätzen von Chaos und Ordnung, Zufall und Schöpfung, die sie mit einem genialen Farb- und Formenrausch zelebriert.

Wo kommen Sie her?

In Greifswald geboren, lebe ich seit 1996 in Hamburg. Mein Großvater hat immer von Hamburg geschwärmt. Da wir in der DDR nicht reisen konnten, hat sich da eine große Sehnsucht eingebrannt, der ich sozusagen blind gefolgt bin.

Was macht Hamburg für Sie als Künstlerin so besonders?

Die Ruhe, die Architektur, die Nähe zum Wasser, geistreiche Menschen und am meisten die vielen alten Bäume und der blühende Rhododendron.

Ist Hamburg eine Kunst-Metropole?

Hamburgs Kunst- und Kulturszene ist einzigartig, multikulturell und abwechslungsreich. Wer auf der Suche nach Konzerten, Kinos, Theatern, Ausstellungen, Galerien, Museen, Kunstfestivals, Botanischen Gärten, Street-Art oder nach außergewöhnlicher Architektur ist, wird in Hamburg immer beschenkt.

MISSION EAGLE 2014, Acyrl & Lack auf Straßenkarton, 113 x 97 cm

Was inspiriert Sie?

Emotionen, Musik und das Unbegreifliche.

Wo entstehen Ihre Werke?

In meinem Kopf.

Was ist das Kernthema in Ihren Arbeiten?

Struktur und Zufall. Beides steht in einem engen Verhältnis, welches ständig austangiert sein will.

Was ist die Haupttechnik, mit der Sie arbeiten?

Malen mit Pinseln und Acrylfarben.

Was bedeutet Ihnen neben der Kunst am meisten?

Menschen um mich zu haben, die mir und denen ich wichtig und lieb bin.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie diese nicht der Kunst widmen?

Mit Nachdenken.

Wie beginnt für Sie ein guter Tag?

Ohne Nachdenken.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Loslassen.

Aus welchem Grund haben Sie am Metropole.Kreativ Award teilgenommen?

Er ist ein attraktiver regionaler Award mit einer großen Reichweite und einer tollen medialen Präsenz für die Künstler. Meiner Meinung nach ist es überlebenswichtig für einen Künstler, die Kunst hinaus an die Menschen zu tragen.

Was erwarten Sie von der Gruppenausstellung?

Ich freue mich auf viele neue Bekanntschaften und unterhaltsame Gespräche, welche eine Gruppenausstellung mit sich bringt.

Abseits der Kunst: Was haben Sie immer bei sich?

Ein inneres Bild, das mir Freude und Gelassenheit schenkt.

ATOM 1-2-3 Every Glimpse Eternity, 4 A, 4 B und 3 D, 2016 Acyrl & Lack auf Büttenpapier Whitewood schwarz gebeizt, Spiegel 3 mm
TRABANT Every Glimpse Eternity 1, 2015/2016 Acryl & Lack auf Straßenkarton Whitewood schwarz gebeizt, Spiegel 3 mm 22 x 93,5 x 12 cm Außenmaß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kunstvoller Nachwuchs

Liam Tanzen

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Er ist erst 16, geht noch zur Schule und nutzt seine freie Zeit am liebsten dafür, spannende Persönlichkeiten mit dem Fineliner auf’s Papier zu bringen. Liam Tanzen ist der Jüngste unter den Finalisten des Metropole.Kreativ Awards und der Beweis für Hamburgs künstlerischen Nachwuchs.

Wo kommen Sie her?

Geboren bin ich in Frankfurt am Main. Meine Eltern sind mit mir nach Hamburg gezogen, als ich anderthalb war.

Danju
Fineliner auf Papier,
29,7 x 42 cm

Was macht Hamburg für Sie als Künstler so besonders?

Ich habe hier schon sehr früh ausstellen dürfen und durch die Kunst viele spannende Menschen kennengelernt.

Ist Hamburg eine Kunst-Metropole?

Hamburg ist für mich verbunden mit vielen tollen Ausstellungen und nicht minder tollen Künstlern. Gerade in Graffiti und Street Art passieren viele interessante Dinge.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Die Kunst begleitet mich schon mein Leben lang. Meine Eltern sind auch künstlerisch aktiv. Für mich war Zeichnen die erste Ausdrucksform, lange vor dem Schreiben.

Was inspiriert Sie?

In erster Linie sind es Menschen; meist ein Künstler und sein Werk, aber auch Musik, bildende Kunst, Film oder Mode.

Wo entstehen Ihre Werke?

Bei mir zu Hause, am Esstisch oder in meinem Zimmer … ein Atelier wäre schon was Schönes.

Was ist das Kernthema Ihrer Arbeiten?

Ich versuche in einer Art Momentaufnahme eine Person und ihr Wesen darzustellen.

Was ist Ihre Haupttechnik?

Ich arbeite mit schwarzen Finelinern, manchmal kommen auch Marker oder die Sprühdose zum Einsatz. Hauptsächlich sind meine Werke schwarz-weiß.

Was bedeutet Ihnen neben der Kunst am meisten?

Freunde und Familie. Und die Sachen, die mich faszinieren, wie zum Beispiel Rap-Musik.

GZUZ Fineliner auf Papier, 29,7 x 42 cm
Swalina Fineliner auf Papier, 29,7 x 42 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


MEHR ALS FOTOGRAFIE

Susanne Helmert

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung:
Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Die 42-jährige Künstlerin verbindet Fotografie mit einer antiken Maltechnik – der Enkaustik. Dabei wird die Oberfläche der Fotos mit einer Mischung aus Bienenwachs und Baumharz, Ölfarben und Wärme bearbeitet, um so eine plastische Wirkung zu erzielen. Für den Betrachter stellt sich hierbei die Frage: Gemälde oder Fotografie? In eine andere Ebene versetzt, schafft Susanne Helmert so eine gänzlich neue Sichtweise auf ihre Fotografien.

Wo kommen Sie her?

In Braunschweig geboren, habe ich vor ein paar Jahren Hamburg zu meiner Wahlheimat gemacht.

Was macht Hamburg für Sie als Künstlerin so besonders?

Hier fühle ich mich Zuhause. Das ist mein Grundstein, um mich als Künstlerin entfalten zu können.

Ist Hamburg eine Kunst-Metropole?

They were all gone
Fotografie, Bienenwachs, Baumharz,
Ölfarbe auf Alu-Dibond, 120 x 80 cm

Das kann ich nur schwer beurteilen. Hamburg hat ein paar sehr gute Kunstmuseen, eine Vielzahl von namhaften Galerien und guten Künstlern und meines Erachtens ein sehr kunstinteressiertes Publikum.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Zur Fotografie vor gut zehn Jahren. Damals zunächst als Hobby und Ausgleich zu meiner Arbeit als Sozialpädagogin. 2010, als ich mit meinem Mann für drei Jahre in die USA zog, habe ich sie zu meinem Beruf gemacht. Zwei Jahre später entdeckte ich die Enkaustik für mich, die ich seitdem mit meiner Fotografie kombiniere.

Was inspiriert Sie?

Vor allem Dinge, die mich visuell oder emotional ansprechen, die mich bewegen, stutzig oder nachdenklich machen. Zum Beispiel kann es ein rostiger Nagel in einem alten Brett, ein Zitat oder ein Gespräch mit einem Freund sein.

Wo entstehen Ihre Werke?

In der Regel an verlassenen, einsamen Orten, in der Natur oder auch in leerstehenden Gebäuden. Die Bearbeitung erfolgt in meinem Atelier.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie diese nicht der Kunst widmen?

Ich liebe es, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Und ich koche leidenschaftlich gerne!

Was ist das Kernthema Ihrer Arbeiten?

Ein ganz zentrales Thema in meinen Arbeiten ist die Vergänglichkeit. Mich fasziniert das Zusammenspiel von Zeit und dem Rhythmus der Natur. An den Veränderungen in der physischen Welt wird deutlich, dass es sich um einen nicht umkehrbaren Prozess handelt, der unmittelbar zum Leben dazugehört. Nichts wird so sein, wie es einmal war. Diese Tatsache kommt mit einer einzigartigen, melancholischen Schönheit daher, die ich mit meinen Bildern einzufangen versuche.

Was erwarten Sie von der Gruppenausstellung?

Es ist eine großartige Möglichkeit, um neue Kontakte zu knüpfen, nette Menschen zu treffen und in den Austausch zu gehen.

Abseits der Kunst: Was haben Sie immer bei sich?

Meinen Hund Ben.

There is no paradise
Fotografie, Bienenwachs, Baumharz, Ölfarbe auf Alu-Dibond, 40 x 60 cm
Mistreated
Fotografie, Bienenwachs, Baumharz, Ölfarbe auf Alu-Dibond, 40 x 60 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


URBANE

FASZINATION

Das Künstler-Duo

Oncrete

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung:
Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Die Sehnsucht nach Austausch, Gemeinschaft und neuen Möglichkeiten zogen Leon Weinhold (26) und Nikolas Goldschmidt (23) vom Land nach Hamburg. Von urbanen Phänomenen inspiriert, testen die beiden die Formgrenzen der Betonmodellierung.

Was macht Hamburg für Sie als Künstler so besonders?

Der industriell-morbide Charme und im Gegenzug der extreme Wandel, wie zum Beispiel in der HafenCity, lassen uns an spannenden Prozessen teilhaben.

Was inspiriert Sie?

Flagge
Beton, Textur, Stoff,
135 x 80cm

Das Vergängliche, Naturphilosophie, Architektur, Urbanistik und Kosmologie.

Wo entstehen Ihre Werke?

Unsere Werke entstehen in einer Werkstatt in Süderdeich bei Heide. Wir entziehen uns damit wieder der Stadt, um einen neuen Blickwinkel zu bekommen.

Was ist die Haupttechnik, mit der Sie arbeiten?

Wir verarbeiten Beton im Gussprozess. Wir testen die Formgrenzen der Betonmodellierung aus und experimentieren mit den daraus resultierenden Bedingungen.

Was ist das Besondere an Beton?

Bei Beton unterliegt die Materialität der Idee. Als künstlich zermahlenes Gemisch ist dieses (eigentlich symbollose) Granulat ein symptomatisches Zeichen unserer Epoche.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie diese nicht der Kunst widmen?

Wir produzieren Musik (Leon Weinhold) und kreieren Illustrationen oder Corporate Designs (Nikolas Goldschmidt).

Wie beginnt für Sie ein guter Tag?

Mit einem spielerischen, sportlichen Wettkampf zwischen uns im urbanen Raum. Zum Bespiel: Wer kann einen bestimmten Parkour schneller absolvieren.

Was erwarten Sie von der Gruppenausstellung?

Neugierige Fragen und Interaktion mit unseren Konstellationen.

Abseits der Kunst: Was haben Sie immer bei sich?

Skizzenbuch, Pad, Speakerbox.

Caffer Büffel Installation, Skulptur, Beton, 400 x 250 cm
Grauwald Betonleinwand, 125 x 200 cm

 

 

 

 

 

 


ZWISCHEN

REALITÄT UND

INTERPRETATION

Marlen Schulz

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Der Alltag wird bei Marlen Schulz (39) zum inspirierenden Spannungsfeld. Ihr Motiv: Menschen in ihrem täglichen Leben. Aus der reinen Beobachtung schöpft sie ihre Inspiration und bringt so eine eigens konstruierte Welt aufs Papier.

Wo kommen Sie her?

Von der Insel Rügen. Für den Job sind mein Mann und ich nach Hamburg gezogen. Die Entscheidung fiel uns leicht: viel Wasser und Leute mit norddeutschem Gemüt, wie wir.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Bucerius Kunst Forum II
2017, Acryl auf Leinwand, 60 x 50 cm

Gemalt habe ich schon immer. Neben Arbeit und Kind wurde es eine Zeit lang schwieriger. Als ich an einem dreiwöchigen Malereikurs teilnahm, merkte ich sofort wie sehr mir das Malen fehlte und dass ich es brauche, um vollständig zu sein. Also begann ich an der HAW (Anm. Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) Illustration zu studieren und darf heute an Malereikursen toller Künstler wie zum Beispiel Henning Kles und Christian Hahn teilnehmen. Vor einigen Jahren war das für mich noch unvorstellbar.

Was inspiriert Sie?

Der Moment. Ich sehe Menschen im täglichen Leben und mein Bauch sagt mir: Das musst du festhalten.

Was ist das Kernthema in Ihren Arbeiten?

Der Alltag. Dabei bin ich nicht auf der Suche nach Motiven, sondern die Motive finden mich. Mittlerweile habe ich auf meinem Handy 12.691 Fotos – und davon knapp 900, die ich teilweise bereits umgesetzt habe oder die noch darauf warten. Zur Zeit male ich oft Menschen in Ausstellungsräumen.

Welche sind Ihre Arbeitsutensilien?

Leinwand oder Papier, Pinsel, Acryl und Wasser.

Wie beginnt für Sie ein guter Tag?

Mit dem Aufstehen ohne Wecker.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Ich versuche Dinge zu machen, von denen ich früher immer gedacht habe, ‚das mache ich, wenn ich alt bin‘.

Was erwarten Sie von der Gruppenausstellung?

Dies ist meine dritte Ausstellung. Es wird bestimmt wieder eine sehr aufregende Zeit.

2025 eV I 2017, 60 x 50 cm, Acryl auf Leinwand
2025 eV II 2017, 40 x 50 cm, Acryl auf Leinwand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


URBAN ART

OHNE CHICHI

N.O. Madski

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Seine Liebe zum Graffiti ist tief und ungebrochen. Seit vielen Jahren widmet N.O. Madski (38) sich der Urban Art. „Weniger ist mehr“ lautet dabei sein Motto. Das Graffiti in seiner reinen Form, mit seiner unverfälschten Ästhetik ist das, was für N.O. Madski die Kunst ausmacht. Und dem Betrachter neue Perspektiven erschließt.

Wo kommen Sie her?

Geboren bin ich in Bremerhaven, lebe aber seit über 15 Jahren in Hamburg.

Ist Hamburg eine Kunst-Metropole?

Fragments in Yellow Light
Acrylic and spray paint,
80 x 80 cm

Ja – wenn es um Kreativität und die Künstler aus Musik, Kunst und Film geht, deren Einfluss weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt. Schaut man sich jedoch die Infrastruktur für Kreativschaffende an, so könnte einiges verbessert werden. Beispielsweise ist es sehr schwer, bezahlbare Arbeitsräume zu finden.

Wo entstehen Ihre Werke?

Ich habe das Glück, seit einem Jahr ein Atelier nahe der Sternschanze zu haben. Dort kann ich endlich viele meiner Pläne umsetzen.

Was ist die Kernaussage Ihrer Arbeiten?

Mir geht es vor allem um die Transformation und Konzentration der in Graffiti enthaltenen Ästhetik. Ich versuche, diese nicht durch kitschige illustrative Elemente zu vermitteln – so wie es leider oft in der Urban Art der Fall ist – sondern puristisch zu bleiben. Klassisches Graffiti ist nicht per sé Kunst, kann es aber sein, wenn es Grenzen durchbricht und Perspektiven erweitert.

Mit welcher Technik arbeiten Sie?

Maßgeblich vom Graffiti beeinflusst, arbeite ich immer noch mit der Sprühdose, aber auch mit Airbrush oder Pinsel.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie sie nicht der Kunst widmen?

Ich versuche, oft in der Natur zu sein und einen Ausgleich zum doch oft stressigen Stadtleben zu finden. Außerdem liebe ich das Reisen.

Aus welchem Grund haben Sie am Metropole.Kreativ Award teilgenommen?

Der Award gibt uns die Möglichkeit, unsere Kunst zu zeigen und ihr Relevanz zu geben – auch dann, wenn man, so wie ich, nicht den klassischen Weg über ein Kunststudium gegangen ist.

Katarakt
200 x 130 cm,
Acryl on Canvas
Ohne Titel
Layers on Plexiglas, 60 x 60 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


INSPIRATION

IST ÜBERALL

Lulu MacDonald

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Die Hauptquellen ihrer Inspiration sind riesige Bilddatenbanken, persönliche Archive und Momente aus der Kunstgeschichte. Die 26-jährige Lulu MacDonald möchte Kunst machen, die den Betrachter berührt. Aus einer Bilderflut entstehen mit Hilfe von Bleistift, Schneidemesser, Kettensäge, Fräser oder digitaler Werkzeuge beeindruckende Werke.

Wo kommen Sie her?

Groß geworden bin ich auf der Insel Jersey, meinen Bachelor habe ich in London gemacht und in Hamburg lebe ich seit 2013.

Was macht Hamburg für Sie als Künstlerin so besonders?

Upwards Not Northwards
2016, Digitaldruck, Tapete, Holz, Gipsplatten, Holz, Metall, Seil, 200 x 400 cm

Nach Hamburg gekommen bin ich für mein Studium an der HFBK, der Hochschule für bildende Künste. Ich finde, dass die Stadt an sich und die Hochschule selbst sehr produktive Orte sind. Leute schaffen hier etwas, es gibt Luft, Platz und man wird gefördert.

Ist Hamburg eine Kunst-Metropole?

Hamburg ist eine tolle Stadt mit vielfältigen Kulturen und bietet viele Vernetzungsmöglichkeiten. Aber um eine Kunst-Metropole zu sein, brauchen wir hier mehr bezahlbaren Wohnraum und mehr Atelierplätze, damit Künstler auch hier bleiben.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Meine Mutter ist Künstlerin; ich glaube ich hab’s geerbt.

Was inspiriert Sie?

Alles. Geschichte, das Internet, Träume, Konversation, Momente auf der Straße, Bücher, andere Künstler, Museen, Ausstellungen …

Wo entstehen Ihre Werke?

Bis zum Oktober habe ich mein Atelier noch in der HFBK – ich bin also auf der Suche …

Was ist das Kernthema in Ihren Arbeiten?

Meine Arbeit beginnt, wenn ich die Möglichkeit in etwas erkenne, eine Skulptur oder ein Bild zu werden. Mich interessiert der spezifische Moment.

Was ist die Haupttechnik, mit der Sie arbeiten?

Ich benutze immer wieder mal eine neue Technik – je nachdem was am besten zu meiner Idee passt. Dabei verwende ich ganz unterschiedliche Drucktechniken. Ich mache Arbeiten, die irgendwo zwischen Hand und Maschine liegen, bei denen dem Betrachter nicht sofort klar ist, wie sie entstanden sind.

Was bedeutet Ihnen neben der Kunst am meisten?

Meine Freunde und Familie.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie diese nicht der Kunst widmen?

Ich habe dieses Jahr einen Sohn bekommen – wenn ich keine Kunst mache, verbringe ich die Zeit mit ihm.

Aus welchem Grund haben Sie am Metropole.Kreativ Award teilgenommen?

Ich mache bald meinen Abschluss und finde es toll, andere Leute außerhalb meines Studiums kennenzulernen.

Abseits der Kunst: Was haben Sie immer bei sich?

Mein Notizbuch.

I Always Think Everyone is Looking at me but Really I am Just Looking at Myself
2015, Digitaldruck, Holz, Papier, Holz,
Metall, Plotter, Folie, 150 x 200 cm
Face to Face or
Butt to Face
2017, handgeschnittene Tapete, Holz, Metall, 250 x 500 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


WAS UNS WIRKLICH BEWEGT

Anne-Luise Rieche

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Verschiedenste Bildelemente kommen in ihren Werken zusammen und werden zu einem neuen Ganzen. Anne-Luise Rieche (27) nutzt in ihren Arbeiten eine Sampling-Technik, die die grundsätzliche Frage beantworten soll, was uns in einer Welt der Reizüberflutung wirklich noch etwas bedeutet. Die Beantwortung dieser Frage liegt dabei beim Betrachter.

Wo kommen Sie her?

Geboren bin ich in Berlin. 2014 bin ich zum Studieren nach Hamburg gekommen.

Was macht Hamburg für Sie als Künstlerin so besonders?

Lilly
2017, Acryl auf Leinwand, 50 x 70 cm

Das Flair der Großstadt, die Grünflächen, das viele Wasser sowie die rege Kunstszene und besondere Veranstaltungen, die dazu beitragen, den eigenen Horizont zu erweitern.

Was inspiriert Sie?

Ich denke, dass mich mehr inspiriert, als ich je bewusst wahrnehmen könnte. Aber wenn ich Inspiration brauche, weiß ich mir immer zu helfen.

Was ist das Kernthema in Ihren Arbeiten?

Ein Kernthema gibt es nicht, einige Themen tauchen aber wiederholt auf. Durch das Sampling ergibt sich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit einer Art Defragmentierung, geschaffen durch verschiedenste Herausforderungen in unserem modernen Alltag. Auch das Spannungsfeld zwischen dem Ist- und dem Wunschzustand kann Thema sein. Grundsätzlich versuche ich, mich als Person zurückzunehmen. Die eigentliche Geschichte soll erst im Betrachter selbst entstehen.

Aus welchem Grund haben Sie am Metropole.Kreativ Award teilgenommen?

Ich habe mir gewünscht ins Finale zu kommen und mit anderen tollen Künstlern auszustellen.

Was erwarten Sie von der Gruppenausstellung?

Spannende Gespräche und die Möglichkeit, meine Werke einem breiten Publikum zu zeigen.

Abseits der Kunst: Was haben Sie immer bei sich?

Meinen großen Rucksack, in dem ich gefühlt meinen halben Hausstand durch Hamburg trage.

Ohne Titel
2016, Acryl auf Leinwand, 70 x 100 cm
Ohne Titel, aus der Serie Hands
2016, Acryl auf Leinwand, 50 x 70 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


VON DER IDEE ZUR UMSETZUNG

Lukasz Chrobok

Fotos der KünstlerInnen in der Hanseatischen Materialverwaltung: Ulrich Lindenthal-Lazhar. Kunstwerke: privat

Geboren in Polen, absolvierte Lukasz Chrobok (41) 2003 sein Diplom an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg mit dem Schwerpunkt Fotografie. In seinen Arbeiten spielt er mit Ironie, Überspitzung und Simulation. Das Ziel: die Möglichkeit einer kritischen Betrachtung oder die reine Unterhaltung. Lukasz Chrobok hat stets den Anspruch zu einer Idee die perfekte Gestaltung zu finden und dabei den künstlerischen Prozess transparent zu halten.

Was macht Hamburg für Sie als Künstler so besonders?

Die kulturelle Vielfalt und Nähe zum Wasser.

Außerdem mein Atelier im Kunstverein 2025 e.V.

Ist Hamburg eine Kunst-Metropole?

Dr. Hirn Und Prof Blah
2016, Öl Collage auf Holz, 45 x 40 cm

Noch nicht ganz – aber es passieren viele spannende Dinge in der Hamburger Kunstszene. Wenn das internationale Wellen schlägt, wird Hamburg endlich Kunst-Metropole.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Durch meinen Vater, der im Polen der 70er Jahre ein erfolgreicher Satire-Zeichner war.

Was inspiriert Sie?

Fragen, Rätsel, Probleme, Herausforderungen.

Wo entstehen Ihre Werke?

In meinem Atelier im Kunstverein 2025 e.V. Den Verein mit eigenem Ausstellungsraum habe ich 2009 gemeinsam mit 17 weiteren Künstlern gegründet.

Was ist das Kernthema Ihrer Arbeiten?

Es gibt keine Form ohne Inhalt und keinen Inhalt
ohne Form.

Was ist die Haupttechnik, mit der Sie arbeiten?

Malerei (Öl), Collage (Papier) und Installation (Holz etc.)

Was bedeutet Ihnen neben der Kunst am meisten?

Meine Familie.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie diese nicht der Kunst widmen?

Kunst ist immer, deshalb kann ich das schwer sagen.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Der frühe Vogel fliegt im Sturm …

Und: Konzentriere dich auf das, was du hast und teile es mit anderen.

Was erwarten Sie von der Gruppenausstellung?

Antworten, Lösungen, Perspektiven.

Union der Raubvögel
2016, Öl Collage, auf Holz, 45 x 40 cm
Grüße Aus Hula Gula
2016, Öl Collage, auf Holz, 45 x 40 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


HARTE ENTSCHEIDUNG

für die Jury des Metropole.Kreativ Awards

Die Jury-Sitzung fand im Basil & Mars am Alsterufer statt. Das Foto entstand im Innenhof. Vordere Reihe (v. l.): Michael Fritz (Founding Member Viva Con Agua), Schauspieler Stephan Luca, Art Manager Tom Reichstein, Michaela Schirrmann (Dumont Media / Hamburger Morgenpost), Moderatorin Bettina Tietjen (NDR), Andreas Rehberg (Grossmann & Berger), Christian Bauer (als Initiator des Awards dabei). Hintere Reihe (v. l.): Louisa Wölke (war am Abend als HANSEstyle Redakteurin dabei), Kunst-Agentin & Galeristin Jenny Falckenberg, Lea Domhardt (war am Abend als HANSEstyle Redakteurin dabei), Dr. Gabriele Rose (Handelskammer Hamburg). Auf dem Foto fehlen die Jurymitglieder Gabriele Rösch (Bücherhallen Hamburg) und Frank Thomas Gaulin (Kunsthaus Lübeck). Foto: Marius Engels

Experten aus Kunst, Medien und Wirtschaft: die Jury des Awards ist fast so vielfältig wie die eingereichten Werke. Schon die Vorbereitung war echte Arbeit für die Juroren: Mehrere Tage dauerte es, um sich einen Eindruck der vielen hundert eingereichten Werke zu verschaffen. Die Jurysitzung selbst dauerte einige Stunden – am Ende waren sich alle einig, wer in der Gruppenausstellung präsentiert werden soll. Aber: Viele Entscheidungen wurden heiß diskutiert und waren äußerst knapp, denn es wurden so viele Arbeiten eingereicht, die begeistert haben. Der Metropole.Kreativ Award wurde 2016 zur Förderung der in Hamburg und der Metropolregion lebenden Künstlerinnen und Künstler ins Leben gerufen. Dass dieser Kunst-Preis eine solch starke Resonanz hervorruft, freut die Jury, Initiatoren und Partner riesig. Und die rege Teilnahme zeigt, dass dieser Award gewünscht – und auch dringend benötigt – wird.

Wie hätten Sie entschieden? Welchem der Finalisten die Jury den Metropole.Kreativ Award überreicht hat, erfahren Sie auf www.hansestyle.hamburg.

Neben allen Teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern bedanken wir uns bei den Partnern des Awards