Das Innenstadtgespräch

Auf dem Überseeboulevard: (v.l.) Die Quartiersmanagerin, Dr. Claudia Weise, mit City Managerin Brigitte Engler

Für jede HANSEstyle trifft Hamburgs City Managerin, Brigitte Engler, Menschen, die die Innenstadt bewegen. Diesmal: Dr. Claudia Weise, die Managerin des Überseequartiers

Das Hamburger Abendblatt bezeichnete Sie einst als die „Bürgermeisterin vom Überseequartier“. Was sind Ihre Aufgaben?
In meinem Arbeitsalltag geht es primär darum, die Anforderungen der unterschiedlichen Nutzungsarten, deren Mietern sowie der Eigentümer in Einklang zu bringen und diese angemessen zu vertreten. Neben dem Standortmarketing, der Außenraumgestaltung und der Integration öffentlicher Räume in die städtebauliche Struktur umfasst das Quartiersmanagement auch eine sinnvolle, der Lage individuell angepasste Flächenbelegung. All diese relevanten Faktoren schaffen ein Quartier mit eigener Identität, das als Treffpunkt für Anwohner, Hamburger und Touristen fungiert und sich optimal in die Umgebung einfügt.

Welche Auswirkungen hat der große Erfolg der Elbphilharmonie auf die HafenCity?
Durch die Eröffnung der Elbphilharmonie hat unsere Stadt eine neue Sehenswürdigkeit gewonnen, die einen weiteren Meilenstein der Hansestadt und auch der Entwicklung der
HafenCity repräsentiert. Die enorme Strahlkraft der Elphi wirkt sich positiv auf die HafenCity und damit auch auf das Überseequartier aus, was insbesondere in den steigenden Touristenzahlen begründet liegt. Zudem ist die internationale Wahrnehmung noch mehr gestiegen.

Partizipiert der Einzelhandel von diesem Erfolg?
Wachsende Touristenzahlen schlagen sich definitiv auch in zunehmenden Passantenfrequenzen nieder und geben Einzelhändlern die Möglichkeit, sich in einem noch relativ jungen Stadtteil zu etablieren. Durch die gezielte Nutzung und Belebung des zentralen Überseeboulevards sehen wir uns mittlerweile in der dankbaren Lage, Einzelhandelskonzepte auswählen zu können, die dem Quartier einen unverwechselbaren Charakter mit einem abwechslungsreichen Branchenmix bringen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der HafenCity?
Als ich vor rund elf Jahren anfing, bei der Entstehung des Überseequartiers aktiv mitzuwirken, standen wir vor einer großen Vision. Seitdem ist einiges passiert im größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekt Europas und ich bin äußerst zufrieden mit dem bisher erzielten Ergebnis. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl individueller Quartiere mit modernen Büro-, Einzelhandels- und Gastronomieflächen, Freizeitangeboten und verschiedensten Hotelkonzepten. Mir gefällt dabei insbesondere die große Vielfalt – und die Begeisterung für das Projekt HafenCity hält auch nach so vielen intensiven Jahren noch an. Allem voran, wenn ich mir vor Augen halte, dass hier vor einiger Zeit noch kein einziges Gebäude stand. Was mir fehlt ist manchmal ein bisschen Geduld: Ein Projekt wie die HafenCity entsteht nicht von heute auf morgen, sondern es wächst mit der Zeit, seinen Bewohnern und der Stadt.

Was ist aus Ihrer Sicht notwendig, um das Überseequartier richtig an die KernCity anzubinden?
Hamburg ist die Stadt der Brücken – mit rund 2.500 sind es sogar mehr als in Venedig. Sie schaffen Verbindungen und ebnen Wege. Bei der Anbindung von HafenCity und KernCity geht es sinnbildlich gesprochen darum, Brücken zu bauen und den neuen Stadtteil als Ergänzung und Erweiterung von Hamburg anzusehen. Gleiches gilt auch für den Einzelhandel.

Ein großes Entwicklungsprojekt ist das südliche Überseequartier mit dem großen Shopping-Center. Wie wird sich das Ihrer Meinung nach auf die Innenstadt auswirken?
Die Idee hinter der Konzeptionierung der HafenCity bestand grundsätzlich darin, eine Vergrößerung des innerstädtischen Areals zu schaffen. Es ging immer um eine Ergänzung und nicht um ein Konkurrenzprodukt – und das bei allen Nutzungsarten. Mit der Weiterentwicklung des Überseequartiers wird im Einzelhandelssegment ein weiterer Anziehungspunkt geschaffen, von dem alle profitieren können.

Über Brigitte Engler
Brigitte Engler ist seit dem Jahr 2006 Geschäftsführerin des City Management Hamburg. Ihre umfangreichen beruflichen Erfahrungen erwarb die studierte Betriebswirtin zuvor in verschiedenen Tätigkeitsfeldern bei der Peek & Cloppenburg KG in Hamburg. Parallel engagiert sich die gebürtige Münsteranerin in den Aufsichtsräten der Hamburg Tourismus GmbH und der Hamburg Messe und Congress GmbH. Seit 2013 ist sie zudem als Vorstandsmitglied im Tourismusverband Hamburg tätig.
Das City Management wurde vor 18 Jahren gegründet und ist der Zusammenschluss der Anlieger in der Hamburger Innenstadt und der HafenCity. Über 850 Partner engagieren sich in diesem Netzwerk, um Hamburgs Innenstadt im (inter-)
nationalen Wettbewerb zu stärken.

Foto: Marius Engels