Das essbare Glück

Ernährungsexpertin Maren Maiwald | Foto: Marius Engels für HANSEstyle

Wer seinem Körper mit den richtigen Lebensmitteln etwas Gutes tun möchte, muss sich erst einmal durch den endlos erscheinenden Dschungel der Ernährungsmythen kämpfen. In HANSEstyle gewährt die Hamburger Ernährungsexpertin, Maren Maiwald, Einblicke in ihre 20-jährige Erfahrung und gibt Tipps, worauf es ankommt.

Schokolade ist ungesund, spätes Essen macht dick und wer hip ist, macht jetzt Low-Carb – mit genau solchen Thesen rund um das Thema Ernährung werden wir jeden Tag aufs Neue konfrontiert. Und stetig kommen weitere Diäten und Trends dazu – kein Wunder, dass man da den Überblick verliert. Welche Nahrungsmittel sich positiv auf unseren Körper auswirken, warum wir so gern Süßes essen und welche Superfoods Sie zukünftig in Ihren Alltag einbauen sollten, sagt Dipl.-Oecotroph. Maren Maiwald im Gespräch mit HANSEstyle.

Wie kann Ernährung unser allgemeines Wohlbefinden beeinflussen?
Schon Hipokrates meinte „Du bist was du isst“ – und es ist tatsächlich so, dass unsere Ernährung direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden nimmt. Eine vitalstoffreiche Ernährung – Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte – sind Voraussetzung für gesunde Haut, Haare, Knochen, Zähne, Nerven und für ein gut funktionierendes Immunsystem. Viele Vitamine sind unter anderem wichtig für den Energiestoffwechsel. Ballaststoffe hingegen fördern die Verdauung und binden Giftstoffe im Körper. Und auch unsere Stimmung kann durch die Ernährung beeinflusst werden. Hierfür ist die Aminosäure Tryptophan, aus der das Glückshormon Serotonin gebildet wird, zuständig. Tryptophan kommt meist in Süßigkeiten, aber zum Beispiel auch in Bananen vor.

Welche sind Ihre wichtigsten Ratschläge im Umgang mit Essen? Worauf sollte man achten?
Am wichtigsten ist es, sich vielseitig zu ernähren: also von allen Lebensmittelgruppen die richtige Mischung zu sich zu nehmen. Dabei sollte man auf Frische und saisonale Verfügbarkeit achten, beispielsweise Erdbeeren und Spargel im Winter vermeiden, da solche Lebensmittel in der für sie untypischen Jahreszeit einen langen Transportweg durchlaufen, auf dem sie viele wertvolle Nährstoffe verlieren. Außerdem sollte man sich keine Verbote setzen. Diese bergen die Gefahr von Essstörungen und sind im Endeffekt eher ungesund. Anstatt sich Lebensmittel zu verbieten, sollte man sie lieber bewusst genießen. So kann eine flexible Esskontrolle entwickelt werden. Mein Mantra ist: Die Dosis macht das Gift. Alles ist erlaubt, solange die Menge stimmt.

In Ihrer Praxis Classic Veda beschäftigen Sie sich viel mit der ayurvedischen Ernährung. Was ist das Besondere daran?
Der Dreh- und Angelpunkt in der ayurvedischen Ernährung ist das Agni, das Verdauungsfeuer. Dort lautet das Motto nicht „Du bist was du isst“, sondern „Du bist was du verdaust“. Das bedeutet, es kommt weniger darauf an, welche Lebensmittel man zu sich nimmt, sondern wie der Körper diese verwerten kann. Die ayurvedische Ernährung ist nicht besonders dogmatisch, sondern eher intuitiv. Wenn der Körper nach etwas verlangt, was ihm gut tut, dann sollte er es auch bekommen. Dabei spielen die Jahreszeit, die Art der Zubereitung, die verwendeten Gewürze und vor allem die Menge eine große Rolle. Auch wenn Ayurveda seinen Ursprung in Indien hat und oft als exotisch gilt, kann man die Prinzipien auf jede Esskultur übertragen.

Süßigkeiten werden im Volksmund auch Seelenfutter genannt. Was ist dran an der Bezeichnung und welche gesunden Alternativen gibt es?
Die Vorliebe für den süßen Geschmack ist durch die Muttermilch angeboren. Er schenkt uns Geborgenheit, Wärme und Schutz. Der Begriff Seelenfutter trifft also durchaus zu. Dazu kommt: Wer als Kind oft mit Süßigkeiten belohnt wurde, pflegt dieses Ritual auch als Erwachsener. Besonders in Stresssituationen beruhigt der süße Geschmack. Im Ayurveda werden Süßigkeiten als Stärkungs- und Verjüngungsmittel deklariert. Gesündere Alternativen zu den üblichen Süßigkeiten sind zum Beispiel getrocknetes Obst oder selbst gemachte Energiebällchen (Rezept auf S. 63).

Sie sind seit etwa 18 Jahren als Dozentin für Ernährung an der Meridian Academy tätig. Gibt es eine goldene Regel, die Sie Ihren Studenten mit auf den Weg geben?
Vor allem rate ich meinen Studenten sich nicht verrückt machen zu lassen von all den Trends, die von außen auf sie einprasseln. Man sollte lieber in sich hineinspüren: Was tut mir gut, auf was habe ich Appetit? Jeder Mensch ist ein Individuum und sollte daher für sich selbst herausfinden, welche die richtigen Lebensmittel für ihn sind.

Im Gespräch mit: Louisa Wölke


Maren Maiwald:

Seit 20 Jahren ist Maren Maiwald als diplomierte Ökotrophologin tätig. 2002 fand sie während einer Entgiftungskur in Indien den Weg zum Ayurveda. Der Selbstversuch überzeugte Maren Maiwald von der ayurvedischen Ernährungslehre. Heute berät sie auf dieser Grundlage die Kunden in ihrer Praxis Classic Veda. Ihr Wissen wird erweitert durch eine Massage-, Kräuter- und Therapeutenausbildung. Außerdem arbeitet sie als Yoga-Lehrerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Erfahrung gibt sie als Dozentin an der Meridian Academy, die Teil der MeridianSpa Deutschland GmbH ist, an ihre Studenten weiter. Mehr Informationen unter www.classic-veda-hamburg.de