Cuneo

Franca Cuneo beim HANSEstyle Fotoshooting in ihrem Cuneo - eine strahlende Persönlichkeit und Gastgeberin | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

Lernen Sie diesmal Franca Cuneo (36) kennen, die man wohl heimlich die gastronomische Patronin der Davidstraße nennen darf.

Mit sanfter aber starker Hand hat sie „ihre Männer“ im Griff: Franca Cuneo, Gastronomin aus Leidenschaft, führt seit elf Jahren die wohl traditionsreichste und älteste Trattoria auf dem Kiez – das Cuneo. Hört man die Geschichte des seit 1905 traditionsgeführten Familieunternehmens, kristallisiert sich schnell heraus, dass es sich nicht einfach nur um einen „Italiener“ handelt, sondern um die Saga einer mit Hamburg aufs Engste verbundenen Familie.

Jeder, der den „Laden“ einst führte, hat durch seine eigene persönliche Art ein Kapitel zur Geschichte beigetragen. Und Francas wache Augen leuchten, wenn sie davon erzählt:

Die Macht des Schicksals
Da ist der Nonno, Francesco Cuneo, der Urgroßvater, dessen Konterfei die Flaschen des importierten Cabernet Sauvignon und Pinot Grigio ziert. Er war es, der mit dem Schiff aus Genua kam und 1905 das Cuneo als „Destillation und Weinhandlung Francesco Cuneo“ eröffnete. Damals ein Stückchen Heimat für die vielen italienischen Arbeiter, die am Bau des Alten Elbtunnels beteiligt waren. Es wurde Eintopf im Keller gekocht, denn italienisches Essen à la carte stand damals noch nicht im Vordergrund. Mit dem Ersten Weltkrieg kam es zur teilweisen Ausbürgerung der Familie, der Sohn von Francesco, Giovanni, schickte der Familie aus Amerika Geld, damit das Lokal überleben konnte. Nach dem Krieg kehrte er wieder nach Hamburg zurück und übernahm es 1927. Das Cuneo wurde Anlaufstelle für viele Seeleute – Giovanni richtete sogar einen „Shuttle-Bus“ aus dem Hafen und zurück ein, der auch mal für andere Destinationen des Kiez genutzt wurde. Auch der Zweite Weltkrieg konnte dem familiengeführten Lokal nichts anhaben: alle Häuser rund um das Cuneo wurden zerbombt, das Haus blieb unversehrt. Franco Cuneo, 1943 geboren, wuchs heran und hatte andere Ideen als den Berufswunsch des Gastwirts im Kopf – vom Priester bis hin zum Vertreter für Schreibgeräte einer großen italienische Firma. La Forza del Destino (italienisch/Macht des Schicksals) siegte schließlich: Unter der Prämisse, sein eigener Herr zu sein, ließ er sich 1963 vom Vater alles überschreiben und übernahm das Cuneo.
Als Kind der Nachkriegsgeneration „erfand“ er das Restaurant neu – eine wahre Trattoria entstand. Der Vater von Francos Ehefrau baute in den Laden einen Pizzabackofen, dessen köstlicher Duft sich bis weit in die Davidstraße zog. Cuneo wurde zum Treffpunkt aller, vom Studenten über die Dirne, dem Geschäftsmann, dem Kommissar der Davidwache und dem Künstler, einer davon der heute weltberühmte Maler Bruno Bruni, der zum engen Freund der Familie wurde.

Franca Cuneo mit Autorin Nathalie E. Reinschmidt beim Caffè am Tisch der Familie | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

Die Tradition lebt weiter
Ob die Kinder Allessandro, 1968 geboren, und Franca, 1980, mal in seine Fußstapfen treten würden, stand noch in den Sternen, aber schon als Kinder war der Laufstall in den Räumlichkeiten ihr Zuhause. Kein Wunder, dass beide im Laden jobbten. „Warum sollte ich woanders etwas verdienen, wenn ich dabei nicht auch der Familie helfen konnte“, so Franca Cuneo. „Es war selbstverständlich, dass wir halfen.“ Ihr Bruder Allessandro schlug dann an der Universität einen anderen Weg ein und ist Kardiologe. Auch Franca studierte, erst in Parma, dann in Hamburg, machte ihren Bachelor in Jura. Doch nach der Ausbildung setzte sie Prioritäten und übernahm 2005. Seitdem führt sie erfolgreich das Cuneo, das nicht nur durch sein köstliches italienisches Essen, sondern auch durch seine familiäre, ungezwungene Atmosphäre und sein tolles Team besticht. Verändert ist nichts: die Jukebox lässt auch dieser Tage noch unzählige Italo-Hits erklingen und wenn das Retro-Telefon läutet, fühlt man sich wirklich wie in einer anderen Zeit. So lebt die über ein Jahrhundert lange Tradition mit Franca Cuneos warmer und herzlicher Art weiter.
Und Papa Franco? Der steht ihr mit Rat und Tat zur Seite und bestärkt sie in all ihrem Tun. Sein Credo für die Tochter: „Die Wände leben und formen sich um dich“.

Autorin: Nathalie E. Reinschmidt


CUNEO
Davidstraße 11
20359 Hamburg
040 31 25 80

Montag bis Samstag
17.45 Uhr – 0.30 Uhr


TIPP DER KÜCHE
von Franca Cuneo

MINESTRONE ALLA GENOVESE

Zutaten:

450 g Zucchini
45 g Butter
8 El Olivenöl extra vergine
2 Zwiebeln, sehr fein geschnitten
6 Möhren, in Würfel geschnitten
2 Stangen Staudensellerie,
in Würfel geschnitten
170g Wirsing, geviertelt, Strunk entfernt und quer in Streifen geschnitten
1,5 l Feischbrühe, je nach Gusto:
Rind oder Huhn
170 g italienische Flaschentomaten
aus der Dose samt Saft
etwas Salz
nach Belieben die Rinde von einem Parmigiano Reggiano, sorgfältig gesäubert

Öl, Butter und Zwiebeln im Suppentopf anschwitzen. Zuerst die Möhren hinzufügen, 2 bis 3 Minuten garen. Dann den Sellerie hinzufügen, auch 2 bis 3 Minuten unter Rühren garen. Jetzt die Zucchini hinzufügen. Hin und wieder umrühren und nach ein paar Minuten die Wirsingstreifen dazugeben und 5 bis 6 Minuten garen. Die Fleischbrühe sowie Käserinde, die Tomaten und eine Prise Salz zugeben. Den Inhalt des Topfes noch einmal gründlich durchrühren. Den Deckel auflegen und die Hitze verringern. Das Ganze sollte stetig, aber sanft sieden. Nach etwa 3 Stunden die Käserinde herausnehmen, die Suppe mit Salz abschmecken und die Hitze abschalten. Die Suppe sollte eine ziemlich dicke Konsistenz haben.

Minestrone schmeckt übrigens aufgewärmt am nächsten Tag noch besser!