Billi Methe

Billi Methe in der Galerie Falckenberg zwischen ihren Kunstwerken in der Ausstellung "Every Glimpse Eternity" | Foto: Tim Wendrich für HANSEstyle

Das Unbegreifbare sichtbar machen

Der von der Hamburger Morgenpost und HANSEstyle ins Leben gerufene Metropole.Kreativ Award geht in die nächste Runde. Mit der Künstlerin Billi Methe präsentieren wir die erste offizielle Teilnehmerin des Kunst-Preises.

Das Unergründliche, eine Masse aus Raum und Zeit, unendliche Weiten – das Universum ist für nahezu jeden von uns ein Mysterium. Für die Hamburger Künstlerin Billi Methe ist es das zentrale Thema ihrer Arbeit. Mit Formen, Farben und einem außergewöhnlichen Sinn für das Abstrakte fertigt sie Kunstwerke, die der Fantasie des Betrachters keine Grenzen setzen. Die
talentierte Künstlerin gewann bereits den Montblanc Young Artist World Patronage Award. In HANSEstyle gibt sie Einblicke in ihren kreativen Prozess und spricht über ihre Faszination für den Weltraum.

Herculeum, 2014, Acryl Lack Spray auf Büttenpapier, 64 x 50 cm

Vom Modedesign zur Kunst
„Eigentlich war die Kunst schon vor der Mode da. Ich bin sozusagen von der Kunst zur Mode und zurück zur Kunst gekommen. Ein Studium prägt einen zwar, aber die Kindheit und das Elternhaus tun dies über ein großes Maß mehr. Mein Zuhause kann man sich als einen Käfig voller chaotischer Künstler vorstellen. Mein Opa war Theaterintendant, meine Oma Tänzerin, meine Mutter hat Theaterwissenschaft studiert und am Theater meinen Vater kennengelernt, der dort mit einem internationalen Orchester als erster Geiger gastierte. Das Wichtigste, was ich schon früh über die Kunst gelernt habe, ist der Respekt vor einer kreativen Arbeit. Ich habe schnell gespürt, dass Kreativität hauptsächlich von Authentizität lebt. Während meines Studiums an der JAK (Akademie für Design) hatte ich das Glück Ingrid Albert-Kunz, die Gründerin der Akademie, kennenzulernen.

Sie strahlt genau diese Authentizität aus und hat mit ihrer unermüdlichen Energie etwas Nachhaltiges geschaffen, etwas mit Substanz. Ob Künstler, Musiker, Designer oder Autor – ich sehe eine grundsätzliche Verbindung in einem tiefen emotionalen Antrieb. Ein Modedesigner kann ein eigenständiges Werk erschaffen oder ein Produkt, das sich an Trends orientiert, um es einer breiten Marktgruppe zu verkaufen. Kunst an sich sollte diesen Anspruch nicht haben, Kunst sollte nicht gefallen und Kunst muss handwerklich nicht perfekt sein. Aus meiner Sicht kann Mode durchaus Kunst sein, aber Kunst kann nie Mode sein.“

Die Faszination Weltraum
„Ich interessiere mich vor allem für die Phänomene und Theorien um den Weltraum herum, so wie die Quantenphysik, das Higgs-Teilchen, schwarze Löcher, Antimaterie oder Paralleluniversen. In meiner Kunst wird sichtbar, was in meinem emotionalen Filter hängen geblieben ist. Ich zeichne das Universum nicht ab, ich interpretiere seine beeindruckende Tiefe und Komplexität. Ich versuche das Unbegreifbare sichtbar zu machen. Eigentlich lässt es sich gar nicht gerecht darstellen, es ist mein persönlicher Versuch einer Charakteristik des Unbegreiflichen. Auf einer Afrika-Reise habe ich mal eine Nacht unter dem sensationellen namibischen Sternenhimmel verbracht – die menschliche Vorstellungskraft hat keine Antworten auf solch einen Anblick.“

Pink Moon, 2013, Acryl Lack Spray auf Büttenpapier, 64 x 50 cm

Billi Methe über ihre Werke
„Meine Werke zeichnen sich durch eine sehr hohe Kompositionsdichte von Formen, Farben, Mustern und Strukturen aus. Das Besondere an ihnen ist, dass sie chaotisch und elegant zugleich sind. Ich arbeite hauptsächlich mit Pinseln, Acrylfarben und Lacken. Mit den Farben erzeuge ich unterschiedliche Transparenzen und Fließgeschwindigkeiten. Als Bildträger nutze ich Büttenpapier, Holz und Straßenkarton. Oft sieht man auch Schlagmetalle und Blattgold in meinen Arbeiten.“

Weite durch Spiegel
„Eine Zeit lang habe ich mich mit den Phänomenen Multiversum und Extradimension beschäftigt. Die in den Rahmen eingefassten Spiegel repräsentieren diese verborgenen Extradimensionen und Räume im Raum. Die Werke verändern sich mit dem Standpunkt des Betrachters. All unsere Teleskope sind vorgeschobene Wachposten der Menschheit, die in die Tiefe des Weltalls blicken will. Die Spiegel nehmen Bezug darauf und zeigen uns eine Unendlichkeit in der Anordnung von Atomen, aus denen alles besteht. Die Strukturen stehen repräsentativ für mögliche Lebewesen, Gesellschaftssysteme, Flora und Fauna über unser Sonnensystem hinaus. Wer hier auf unserer Erde mit dem Anderssein überfordert ist, sollte mal einen Blick ins Weltall riskieren. Das Anderssein ist der Grundsatz des Lebens.“

Kreativität im Prozess
„Meistens beginnt der kreative Prozess durch Dinge, mit denen ich mich schon lange beschäftige. Viel passiert im Unterbewusstsein. Wenn ich beispielsweise etwas lese, verfestigen sich die Dinge, die auch nach langer Zeit noch präsent sind, zu einem Bild. So wie bei dem Werk „Sternblid Giraffe – die Lücke am Himmel“. In Afrika war ich 2001 und über das Sternbild habe ich erst 2015 gelesen und das Werk daraufhin finalisiert.“

Die größte Inspirationsquelle
„Mich inspiriert, dass wir alle aus Sternenstaub sind. Wir und alles sind gleich und gleichzeitig anders. Wir sind alle so alt wie das Universum selbst. Das Unbegreifliche ist mein Antrieb.“

Die wichtigsten Erkenntnisse
„Man stellt sein Werk nicht in Frage. Wenn du es doch tust, dann ist es nicht fertig und dann solltest du es nicht ausstellen.“

Der Montblanc Young Artist
World Patronage Award
„Montblanc ist ein tolles Unternehmen und engagiert sich seit Jahren in den Bereichen Kunst und Kultur. Ich empfinde es als große Ehre und ich bin stolz über diese Auszeichnung.“

L(i)ebenswertes Hamburg
„Hamburg war und ist meine Wahlheimat. Für mich die beste Stadt, um kreativ zu sein. Ich liebe die Unaufgeregtheit, die Alster und die Architektur. Hamburg hat so viel zu bieten: vom imposanten Hafen über das romantische Blankenese mit seinen „Perlenketten-Häuschen“ bis hin nach St. Pauli. In der Speicherstadt fühlst du dich ins 19. Jahrhundert zurückversetzt und einen Steinwurf weiter, in der Hafencity, ist gerade ein riesiges Raumschiff aus Kristall gelandet. Die Stadt inspiriert mich jeden Tag und die Hamburger haben ihr Herz am rechten Fleck.“

Aus: Every Glimpse Eternity, 4 A, 4 B und 3 D, 2016, Acryl & Lack auf Büttenpapier, Whitewood schwarz gebeizt Spiegel 3mm

Hamburg als Kunstmetropole
„Es gibt in Hamburg sehr gute Ausstellungen und hoch geschätzte Sammlungen, die weltrelevant sind. Ein Highlight ist die Sammlung Falckenberg, die mit rund 2.000 Arbeiten unter den zehn wichtigsten Sammlungen weltweit gelistet wird. Die Deichtorhallen und die Kunsthalle sind dafür bekannt die wichtigsten Künstler der Welt zu zeigen. Ein hohes Ansehen genießen auch das Bucerius Kunst Forum und das Museum für Kunst und Gewerbe. Außerdem gibt es in Hamburg mit der HFBK eine sehr gute Hochschule für bildende Kunst. Sie lädt regelmäßig zur Jahres- und Absolventenausstellung und zu wechselnden Ausstellungen in die hauseigene Galerie ein. In meinen Augen ist Hamburg definitiv eine Kunstmetropole.“

Ziele der Kunst
„Ich möchte, dass jeder meine Kunst auf seine Art interpretiert und nicht meinen Gedanken folgen muss. Ich empfinde es als vermessen, die Kunst einem Ziel unterzuordnen und als belehrend dem Betrachter gegenüber, ihm meine Ziele vorzukauen.“

Immer dabei
„Mein Hund Moses, Kaffee und Musik.“

Mission Eagle, 2014, Acryl Lack auf Straßenkarton, 113 x 97 cm

Die Teilnahme am Metropole.Kreativ Award
„Ich halte gerade regionale Awards, Stipendien und Kunstpreise für sehr sinnvoll. Wenn die Dinge im Kleinen nicht gedeihen, haben sie auf den großen Märkten kaum eine Chance. Ich war begeistert als ich über den Metropole.Kreativ Award gelesen habe. Einige Awards bieten entweder Geld oder eine Ausstellung. Beim Metropole.Kreativ Award gibt es das ganze Paket mit Ausstellung und Preisgeld zu ergattern. Verrückt wer sich da nicht bewirbt!“

Das Gespräch führte: Louisa Wölke
Fotos: Tim Wendrich


Über Billi Methe:

1977 in Greifswald geboren, lebt und arbeitet die Künstlerin heute in Hamburg. Ihre Werke wurden bereits unter anderem auf der Berlin Art Week, der Affordable Art Fair, der Veranstaltung „Hamburgs Spitzen“ und in zahlreichen Gruppenausstellungen präsentiert. Ihre letzte Einzelausstellung „Every Glimpse Eternity“ fand in der Galerie Jenny Falckenberg statt. Nachdem Billi Methe 2013 den Montblanc Young Artist World Patronage Award gewonnen hat, nimmt sie im Jahr 2017 an der zweiten Ausschreibung des Metropole.Kreativ Awards teil. Ab dem 19. bis zum 24. Januar 2017 werden ihre Werke in einer Gruppenausstellung gemeinsam mit den Arbeiten von Künstlerin Franziska Stünkel zu sehen sein (Galerie Jenny Falckenberg, Öffnungszeiten Mo-Fr 12-18 Uhr und Sa 12-16 Uhr). Die Ausstellungseröffnung „Reflected“ wird gefördert von Grossmann & Berger und BPN.