Alles. Außer. Gewöhnlich.

Franziska Weisz

Neben ihren zahlreichen Kinofilmen ermittelt die wandlungsfähige Franziska Weisz (37) als Tatort-Kommissarin Julia Grosz an der Seite von Wotan Wilke Möhring in Norddeutschland. Warum die in Berlin lebende Österreicherin die deutschen Zuschauer so begeistert? Wir zeigen´s Ihnen: Lernen Sie die faszinierende Schauspielerin jetzt 360 Grad – rundum – kennen.

Ich lerne durch meine Arbeit viele interessante Menschen kennen, die ich im Anschluss leider wieder aus den Augen verliere – oder zumindest viel zu selten sehe.

Als ich noch in Kreuzberg am Oranienplatz wohnte, habe ich jedes Jahr am 1. Mai eine Party geschmissen. So war es möglich, die Menschen, die ich kennengelernt habe, wieder zusammenzubringen.

Ich komme aus Breitenfurt – einem kleinen Dorf im Wienerwald mit etwa 6.000 Einwohnern. Breitenfurt ist ewig lang. Wäre es keine Marktgemeinde, wäre es das längste Straßendorf Europas.

Meine Eltern haben sich getrennt. Meine Mutter war alleinerziehend – mit drei Kindern.

Ich saß schon auf dem Pferd, bevor ich Fahrradfahren konnte.

Franziska Weisz rundum

 

Als ich ein kleines Kind war, hatten wir zwei Pferde im Garten. Eines davon, ein schwarzes Shetlandpony, war mein bester Freund. Als wir die Pferde eines Tages abgeben mussten, war das Pony mein erster großer Liebeskummer.

Ich habe eine Dokumentation über Tiertransporte gesehen. Sofort danach habe ich meine Ernährung umgestellt. Seit meinem 13. Lebensjahr bin ich Vegetarierin.

Mein größter Berufswunsch war immer die Schauspielerei.Ich kann mich an keinen Moment erinnern, in dem ich nicht Schauspielerin werden wollte.

Meine ersten Idole waren Jerry Lewis und Peter Sellers.

Von Jerry Lewis und Otto Waalkes konnte ich alles – Stimme, Mimik, Gestik. Das war für mich eine Form der Ausbildung.

Wenn meine Mama ihre Freundinnen zu Besuch hatte und sie im Wohnzimmer saßen, war für mich das Tollste: einfach hineinzubrettern und sie zu unterhalten.

Über den Traum habe ich früher kaum gesprochen, da ich dachte, dass bestimmt jedes Mädchen Schauspielerin, Tänzerin oder Prinzessin werden möchte.

 

„Zu Hause hatten wir früher immer die Bude voll.
Jeder konnte kommen und gehen, wann und wie er wollte.“

Franziska Weisz

Ich habe damals nicht gedacht, dass es einen regulären Weg gibt, um diesen tollen Beruf ausüben zu dürfen. Ich war immer sicher: Als Schauspielerin wird man entdeckt – oder eben nicht. Deshalb habe ich mich nach der Schule auf andere Dinge konzentriert, die mir wichtig waren.

Die Themen Weltpolitik und die ungleiche Verteilung von Gütern, dazu die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich haben mich so sehr beschäftigt, dass ich mich dazu entschieden habe, Politik zu studieren.

Obwohl er mir nicht als wirklich realistisch erschien, habe ich den Schauspieltraum nie ganz beiseitegelegt. Da ich von Models gehört habe, die zur Schauspielerei gekommen sind, dachte ich mir: Dann model ich einfach ein bisschen – und bin dann auch über eine Model-agentur zur Schauspielerei gekommen.

Ich habe in England studiert – in Leicester und London.

Ich bin nicht mit dem goldenen Löffel aufgewachsen. Um das Studium in England zu finanzieren, habe ich fünf Jobs gleichzeitig gemacht.

So sehr mir London heute gefällt – als Studentin war es wirklich anstrengend: überall die tollsten Kinos, die besten Theater und die coolsten Shops. Doch trotz der vielen Arbeit konnte ich mir nichts leisten.

Starke Frau und unverwechselbare Schauspielerin: Franziska Weisz

„Wenn etwas zu viel wird, sage ich das sofort.
Heute habe ich dafür genügend Selbstbewusstsein.
Aber das war nicht immer so.“
Franziska Weisz

Natürlich mache ich mir viele Gedanken über „#MeToo“. Ich habe viele Situationen erlebt, in denen Grenzen überschritten wurden.

Anfang 2017 war ich in den USA beim Women`s March dabei, um für Frauen- und Menschenrechte zu demonstrieren.

Wir brauchen beim Film mehr Frauen in Führungspositionen.

Die Deutschen und die Österreicher sind insgesamt sehr zurückhaltend. Doch ich werde immer mal wieder auf der Straße angesprochen. Darüber freue ich mich – das finde ich ganz charmant. Anders als am Theater bekommen wir nicht das direkte Feedback der Zuschauer, den Applaus auf der Bühne.

Die Deutschen und die Österreicher verbindet eine Hass-liebe. Das Wort Ösi finde ich doof, aber es ist nicht beleidigend. Piefke dagegen ist ein abfälliges Wort, das hat einen Beigeschmack.

Ohne den bestechenden Humor der österreichischen Schauspielerin wäre am Set nicht so viel gelacht worden

Ich brauche immer neue Ziele.
Franziska Weisz

Es macht unglaublichen Spaß, mit Wotan zu arbeiten. Ich glaube nicht, dass für die Rolle unbedingt eine Österreicherin gesucht wurde, doch ich kann mir vorstellen, dass sich damals gedacht wurde: Die beiden sind ein tolles Team. Und es ist auch so: Wir ergänzen uns als Film-Team und verstehen uns auch am Set wirklich gut.

Eine zitternde Woche nach dem Casting kam die Nachricht, dass ich im Tatort mitspielen darf.

Ob zu Dreharbeiten oder Fotoshooting: Franziska Weisz fühlt sich in Hamburg richtig wohl

Ich wünsche mir, dass meine Rollen so unterschiedlich und herausfordernd wie möglich sind. Vom Junkie bis zur erzkatholischen Mutter, von der Hure bis zur Königin will ich alles spielen.

Ich will, dass mich die Rolle packt. Ich brauche immer das Gefühl, dass es bei einem neuen Projekt auch mit meinem schauspielerischen Können noch einen Schritt weitergehen kann.

Gerade habe ich die Serie Ozark gesehen. Ich musste mich letzte Nacht dazu zwingen, auszuschalten. Ansonsten hätte ich heute völlig zerknirscht ausgesehen.

Ob Leinwand, Bildschirm oder Foto: Franziska Weisz fesselt ihr Publikum

Die Serie „Friends from College“ finde ich herrlich und „Billions“ mit Damian Lewis gefällt mir auch sehr gut.

Toleranz, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit sind mir das Wichtigste.

Danach lebe ich: Gehe mit den Menschen so um, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Meine erste Krankheit war chronisches Fernweh.

Ab meinem 13. Lebensjahr habe ich die Sommer in Griechenland verbracht und dort gearbeitet. Zuerst in der Behindertenbetreuung, später in einem Pub.

Durch die Liebe zum Reisen bin ich nach Berlin gekommen.

In Berlin bin ich an einem Dezembertag mit einem Koffer und einer großen Tasche aufgeschlagen. Dass ich dort so lange bleibe, war nicht geplant.

Seit ich als Kommissarin in Norddeutschland ermitteln darf, verbringe ich zwei Monate im Jahr in Hamburg.

Wenn ich Text lerne, gehe ich spazieren. So entdecke ich Hamburg.

Für mich – als Binnenländerin – ist das ganze Wasser um Hamburg herum besonders aufregend.

Hamburg empfinde ich einerseits als groß und weltmännisch, andererseits als besonders liebevoll und nahbar.

Ich bin ein Maniac – in Bezug auf Schuhe und Parfüms.

Oft versuche ich, das Parfüm von anderen Menschen zu erraten. Besondere Momente aus der Vergangenheit assoziiere ich auch mit Gerüchen.

u.v.m.

Das Gespräch führte: Christian Bauer

Verstehen sich, die beiden.
Franziska Weisz und Christian Bauer,
Backstage in white & black

 

Über Franziska Weisz
Geboren wurde die 37-Jährige in Wien. In Breitenfurt, einer Marktgemeinde mit rund 6.000 Einwohnern, wächst sie auf. Als Schauspielerin wird sie von dem österreichischen Regisseur Ulrich Seidl entdeckt – für seinem Film „Hundstage“ steht Franziska Weisz das erste Mal vor der Kamera. Nach dem Studium in England startet die Schauspielerin richtig durch: Über ihre vielen, auch internationalen, Fernseh-Engagements hinaus hat sie bislang in etwa 30 Kinoproduktionen mitgespielt. Seit 2016 ermittelt Franziska Weisz Tatort-Kommissarin Julia Grosz in Norddeutschland. Privat lebt die Österreicherin in Berlin. Seit 2015 ist sie mit dem Regisseur Felix Herzogenrath verheiratet.

 


Vielen Dank!

Für das HANSEstyle Shooting trug Franziska Weisz:
Mantel von Gemma H, Bluse von Theory (beides über Different Fashion)
Hose von Nobi Talai, Schuhe von Aquazzura (beides über Apropos The Concept Store)

Fotograf: Michael de Boer
Foto-Assistent: Mirko Plha
Hair- und Make-up: Alicja Lisiak